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Freitag, 07.09.2018

Gedrängel am Laubegaster Ufer

Auf dem Elberadweg vor dem Volkshaus wird es oft gefährlich. Nun gibt es einen neuen Vorstoß, das zu ändern.

Von Nora Domschke

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Fahrradfahrer, Spaziergänger, Autos – der Elberadweg vor dem Volkshaus wird von Touristen und Dresdnern genutzt. Dabei wird es schnell chaotisch.
Fahrradfahrer, Spaziergänger, Autos – der Elberadweg vor dem Volkshaus wird von Touristen und Dresdnern genutzt. Dabei wird es schnell chaotisch.

© Sven Ellger

Ab und zu würde sich Friederike Neuber wohl gern die Augen zuhalten. Nicht selten spielen sich vor ihrem Denkmal am Laubegaster Ufer gefährliche Szenen ab. Denn hier, vor dem Volkshaus, treffen Autofahrer, Spaziergänger und Fahrradfahrer völlig ungeordnet aufeinander. Restaurantgäste, Bewohner des Seniorenheims, Familien, die in einer langen Schlange am Eisladen stehen, vorbeieilende Radfahrer und jene, die lieber gemütlich auf dem Elberadweg unterwegs sind, aber auch Autofahrer, die eine Parklücke suchen – wer hier nicht aufmerksam auf die anderen achtet, verursacht schnell einen Unfall. Oder wird selbst zum Opfer.

Zwar gab es laut Dresdner Polizei seit 2016 nur einen Leichtverletzten bei insgesamt sechs Unfällen – bei der unübersichtlichen Verkehrssituation kommt das allerdings fast einem Wunder gleich. An den Unfällen waren sechs Pkw, zwei Lkw, ein Motorrad und ein Fahrradfahrer beteiligt. Die Polizei ordnet den Bereich zwischen dem Neuberin-Denkmal, das sich an der Einmündung zur Fährstraße befindet, und der Rudolf-Zwintscher-Straße aufgrund der Zahlen auch nicht als Unfallschwerpunkt ein. Wer dort wohnt und sein Auto am Laubegaster Ufer abstellen muss, weiß indes sehr gut, wie gefährlich die Situation vor Ort tatsächlich ist.

So wie Matteo Böhme, FDP-Ortsbeirat in Leuben. Seit Jahren setzt er sich, gemeinsam mit anderen Ortsbeiräten und Ortsamtsleiter Jörg Lämmerhirt, dafür ein, dass die Situation in diesem Abschnitt des Laubegaster Ufers entschärft wird. Auch, wenn die Stadtverwaltung den Straßenabschnitt als „nicht unfallauffällig“ bezeichnet, ist das Straßen- und Tiefbauamt schon vor Jahren aktiv gewesen: 2014 wurden entlang des Laubegaster Ufers Hinweiszeichen aufgestellt, die zur gegenseitigen Rücksichtnahme auffordern. Für Matteo Böhme geht das nicht weit genug. Er schlägt stattdessen eine andere Lösung vor: Er fordert, dass der Elberadweg zwischen Laubegaster Werft und Alttolkewitzer Hof auf die Österreicher Straße verlegt wird.

Eine Chance dafür sieht Matteo Böhme in der ohnehin anstehenden Sanierung der Österreicher Straße. „Wenn dort ein Radweg geplant ist, könnten doch zumindest jene Fahrradfahrer, die schnell zur Arbeit oder nach Hause wollen, dort entlangfahren.“ Ein Vorschlag, den Juliane Krause gut findet. Im Sommer ist die Laubegasterin fast täglich mit dem Fahrrad auf dem Elberadweg unterwegs – und meidet den Bereich vor dem Volkshaus bewusst. „Ich fahre stadteinwärts immer über die Österreicher Straße und biege erst an der Straße Altlaubegast in Richtung Elberadweg ab.“ Den Trubel zwischen der Bäckerei Siemank und dem Neuberin-Denkmal kennt Juliane Krause nicht nur als Fahrradfahrerin, ab und zu ist sie dort auch zu Fuß unterwegs oder will ihr Auto am Ufer parken. „So oder so, es ist für jeden Verkehrsteilnehmer eine Herausforderung.“

Sollte auf der Österreicher Straße zwischen Leubener Straße und Alttolkewitz tatsächlich ein Radweg eingeordnet werden, würde Juliane Krause künftig dort entlangfahren. Für das Straßen- und Tiefbauamt ist das allerdings keine Option. „Eine Verlegung der verhältnismäßig verkehrsarmen Route auf den Straßenzug Wehlener Straße und Österreicher Straße ist nicht vorgesehen“, teilt eine Stadtsprecherin auf SZ-Anfrage mit. Der Wegeverlauf des Elberadwegs entlang des Flusses sei sowohl im Radverkehrskonzept der Landeshauptstadt als auch im übergeordneten touristischen Netz des Freistaats verankert – und darüber hinaus einer der beliebtesten Radfernwege Deutschlands.

Auch für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Dresden ist die Verlegung des Elberadweges keine Lösung, um das Laubegaster Ufer sicherer zu machen. ADFC-Vorstand Nils Larsen bezeichnet den Bereich vor dem Volkshaus zwar ebenfalls als ziemlich chaotischen Ort. Das liege aber vor allem daran, dass die Uferstraße als Parkplatz genutzt wird. Das sei nicht nur gefährlich für Fußgänger und Radfahrer, sondern würde auch die Aufenthaltsqualität des schönen, historischen Ortes stören, meint Larsen.

Den Vorschlag der FDP kritisiert der ADFC-Vorstand, weil dort, wo es auf dem Elberadweg eng ist, die parallel dazu verlaufende Österreicher Straße gar nicht saniert wird. Der Ausbau der Magistrale ist nur im Abschnitt zwischen Wehlener und Leubener Straße geplant. Der ADFC wolle den Elberadweg stattdessen attraktiver machen. „Zum Beispiel mit der ufernahen Führung des Radverkehrs im Bereich der Werft.“ Vor dem Aldi-Supermarkt und dem Autohaus gibt es ebenfalls gefährliche Stellen, weil Fahrzeuge den Radweg kreuzen.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 19 Kommentare

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  1. Elch Ulf

    Wieder 'nen üblicher Blindflug aus der Nasenpartei, irgendwann hat man sich genug beeimert. Dabei ist die Stelle zu recht gewählt, allein es zeigt dieses flächige Verwaltungsversagen v.a. des seit 2 Jahren völlig erstarrten Chaoshaufens namens Tiefbauamt. Da kommt nix mehr, alle warten auf den großen Aktivierungsabgang ins dann wieder quirlige Rentnerleben. Wie gesagt, die Örtlichkeit zeigt mustergültig, welch ungeordnete stvo-rechtsfreie katastrophale und inzwischen bundesweit untypische Straßenverhältnisse noch im Entwicklungsland Dresden herrschen. Dabei sind schon kleine Lösungen mehr als einfach und geradezu lächerlich banal. Das Parken MUSS weg dort, mindestens einseitig. Aber wie gesagt, das Triefbauamt macht dieser Jahre nix mehr. Vielleicht in 10 oder 20 Jahren. Und: Lokalpolitiker, welche auf der Österreicher Straße einen Radweg zu sehen vermeinen, sind eigentlich reif für den Karneval oder sollten nochmal bei Fielmann oder Fielfrau vorbeischauen. Also ad acta - das Ganze.

  2. Marc Brossmann

    Elberadweg von der Elbe wegverlegen! Und alle Probleme sind gelöst. Genial, dieser FDPler! Lascia che Matteo sia presidente!

  3. Steinhardt

    Ich war natürlich schon mal vor vielen Jahrzehnten am Laubegaster Ufer, damals gab es allerdings noch nicht so viele Radfahrer und Autos. Dieses Bild zeugt aber nur vom totalen Chaos und Missachtung der StVO. Die Verantwortlichen sollte man schnellstmöglich suspendieren. ......Wird an Ihrem Wohnort Meinung nach genug für die Sicherheit von Radfahrern im Straßenverkehr getan?......, diese unsinnige Frage könnte man sich sparen, wenn ALLE Verkehrsteilnehmer sich an die StVO halten würden.

  4. Torsten1

    Das ist ja wieder eine tolle Logik. Laut Artikel waren an den Unfällen 6 Autos, 2 LKW und je ein Motorroller und Fahrrad beteiligt. Und wer soll weg? Die Radfahrer. Damit dann die anderen ungestört gegeneinander fahren können?

  5. Keine Ausreden

    Eigentlich ist es ganz einfach: gegenseitige Rücksichtnahme.

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