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Samstag, 10.07.2010

Gedenkstätte erinnert an Flugzeugabsturz

Zwei Piloten kamen im Februar am Großen Zschirnstein ums Leben. Angehörige gestalten dort ein Areal für die Opfer.

Von Lars Kühl

Reinhardtsdorf-Schöna. Der Ort vermittelt immer noch ein beklemmendes Gefühl. Der Kerosin-Gestank steigt nach wie vor beißend in die Nase. Hunderte kleine Wrackteile liegen auch jetzt noch verstreut auf dem Waldboden. Ein knappes halbes Jahr nach dem Flugzeugabsturz unterhalb des Großen Zschirnsteins bei Reinhardtsdorf-Schöna am 14. Februar sind die Spuren des Unglücks weiterhin allgegenwärtig. Und doch findet die Stelle langsam ihren Frieden.

Eine Gedenkstätte erinnert seit Mai an den tragischen Tod der Piloten Barunka B. aus der Tschechischen Republik und Henrich P. aus der Slowakei. Holzbohlen wurden zu einer Treppe gelegt und erleichtern den kurzen Weg hinauf, dort wo das Cockpit des Kleinflugzeuges einschlug und ein Loch in den Boden riss. Die Aufprallstelle wurde zum Teil wieder verfüllt, befestigt und begradigt. Eine steinerne Tafel erinnert an die Opfer. Ein Spruch in tschechischer und englischer Sprache steht unter den persönlichen Daten, die Übersetzung lautet sinngemäß: „Nur ein erfüllter Augenblick ist der richtige / In Liebe erinnern wir“.

Daneben sind Kleinstteile der abgestürzten Cessna aufgetürmt, die immer noch gefunden werden. Rundherum wurden ein Blumenensemble gepflanzt, Steine gesetzt und zwei hölzerne Sitzbänke aufgestellt. Drei Kerzen brennen.

Vater der Pilotin sucht Kontakt

Der Vater der Pilotin, die drei Tage vor dem Unglück 27 Jahre alt geworden war, hatte im März Kontakt zum Sachsenforst aufgenommen. In dessen Zuständigkeitsbereich war die Cessna 550B zerschellt. Der Tscheche bat, das Areal gestalten zu dürfen, damit die Angehörigen der beiden Opfer gedenken können. Ein Freund der Familie des Piloten übernahm die Korrespondenz, erzählt Anke Findeisen, die Pressesprecherin des Forstbezirks Neustadt. Man habe schließlich die Erlaubnis erteilt. Einmal durften die Familienangehörigen bis fast an die Unglücksstelle heranfahren, um Material und Werkzeuge zu transportieren. Zukünftig müssten die Besucher die Strecke aber zu Fuß zurücklegen, um zur Gedenkstätte zu gelangen.

Extra ausgeschildert ist der Weg zur Stelle im schlecht zugänglichen Waldgebiet allerdings nicht. So soll es auch bleiben. „Wir möchten nicht, dass das eine Pilgerstätte oder touristische Attraktion wird“, sagt Anke Findeisen. Wer sie trotzdem findet, könne das Plateau zum Gedenken aber betreten.

Die zweistrahlige Maschine vom Typ Cessna 550B war am 14. Februar am Fuße des Großen Zschirnsteins zerschellt, zuvor war 20.19 Uhr das Radarsignal von den Bildschirmen der Flugsicherung verschwunden. Die zwei Piloten waren 20.08 Uhr in Prag gestartet, um einen tschechischen Junioren-Rallye-Weltmeister aus Karlstad (Schweden) abzuholen, der dort erfolgreich an einem Rennen teilgenommen hatte.

Die Auswertung des Cockpit-Voice-Recorders durch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig (BFU) ergab, dass die Unfallursache ein missglücktes Flugmanöver der Piloten war. Sie wollten eine sogenannte Rolle, bei der sich das Flugzeug um die Längsachse dreht und kurzzeitig auf dem Rücken fliegt, probieren. Dafür ist die Cessna aber nicht zugelassen.

Cessna fiel wie ein Stein herab

Die Erkenntnis der BFU-Mitarbeiter stützen auch die Beobachtungen vor Ort. Offensichtlich sei die Maschine wie ein Stein vom Himmel gefallen, schlussfolgert Anke Findeisen und zeigt auf eine Lärche. „Die eine Seite ist von den Tragflächen wie mit einem Messer abrasiert.“ Zudem sei die Unglücksstelle mit rund 500 Quadratmetern für so einen Absturz relativ klein. Es ist auch keine Schneise auszumachen.

Das abschließende Ergebnis der BFU steht allerdings noch aus. Ebenso, inwieweit der Waldboden durch ausgelaufenes Kerosin verseucht wurde. Das meiste des Treibstoffes dürfte beim Aufprall explodiert und verbrannt sein. Ob es dauerhafte Umweltschäden gibt, soll laut Anke Findeisen im August feststehen.

Höchstwahrscheinlich hat der tiefe Schnee im Februar eine größere Katastrophe verhindert.