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Montag, 11.06.2018

Fußball-WM mit und ohne

Görlitz lädt wieder zum Public Viewing ein – von familiär über bequem bis hin zur Party.

Von Matthias Klaus und Steffen Gerhardt

Fußball-Europameisterschaft 2016 in der Landskron-Brauerei: So eine Stimmung soll es zum Start der WM 2018 auch wieder geben.
Fußball-Europameisterschaft 2016 in der Landskron-Brauerei: So eine Stimmung soll es zum Start der WM 2018 auch wieder geben.

© Archivfoto: Nikolai Schmidt

Görlitz. Im Jugendhaus Wartburg an der Johannes-Wüsten-Straße hat man sich schon Gedanken um die günstigste Position der großen Leinwand für die Fußball-Weltmeisterschaft gemacht. „Das Problem ist ja die Sonneneinstrahlung“, sagt Christian Hüther von der Evangelischen Stadtjugendarbeit. Deshalb werden Jogis Jungs unter die Kolonnaden auf dem Hof verbannt, damit sie über den Beamer gestochen scharf rüberkommen. Etwa zwei Meter breit ist die Leinwand, und die Bildqualität wurde bereits getestet. „Am späten Nachmittag ist es nicht mehr so hell, das funktioniert“, sagt Christian Hüther. Die Leinwand wird dafür ganz hinten an die Wand gerückt, steht damit eher im Dunklen – gute Voraussetzungen für ein scharfes Seh-Erlebnis.

Die Fußball-Weltmeisterschaft steht bevor und bei den Machern von Public Viewing in der Stadt stehen die Vorbereitungen an. Die Veranstaltungen finden, rein rechtlich gesehen, auf privatem Gelände statt. „Deshalb sind bei uns auch noch keine entsprechenden Anträge eingegangen“, sagt Sylvia Otto, Sprecherin der Stadtverwaltung Görlitz. Denn wenn Public Viewing im „öffentlichen Verkehrsraum“, so heißt es im Verwaltungsdeutsch, stattfindet, müsste eine entsprechende Genehmigung seitens der Stadt eingeholt werden.

Im Kino ist das mit Sicherheit nicht vonnöten. Unter dem Motto „Die schönsten 90 Minuten deines Sommers“ lädt hier der Filmpalast zum Public Viewing ein. „Wir übertragen auf der großen Leinwand“, sagt Stefan Kretschmer, Leiter des Görlitzer Kinos. Kostenlos gibt es hier alle Spiele mit Beteiligung der deutschen Nationalelf zu sehen, außerdem Halbfinale und Finale. Als besonderen Service bietet das Kino zudem eine VIP-Loge: Wer bezahlt, sitzt auf den besten Plätzen und wird auch noch mit Essen und Getränken verwöhnt.

Partystimmung ist in der Landskron Brauerei garantiert. Alle Spiele mit deutscher Beteiligung werden auf einer Großbildleinwand auf dem Brauereihof übertragen. Der Eintritt ist frei. Nach dem Brauereifest ist für die Party-Macher bei Landskron vor dem Public Viewing. Ausschank und Sitzgelegenheiten können gleich draußen bleiben. Auch hier werden alle Deutschlandspiele übertragen. Für Essen und Getränke ist selbstverständlich gesorgt, Einlass ist jeweils eine Stunde vor Beginn des Spiels. Im Rosenhof bietet derweil das Kinderspielland Public Viewing an.

Ob in Kneipen der Stadt oder in größerem Rahmen – im Umland wird genauso mit Jogis Jungs mitgefiebert. In Niesky beispielsweise sind es die Bistros, die zum Fußballschauen einladen. Dort werden die Spiele auf großen Flachbildfernsehern gezeigt. Noch dazu, wenn die Betreiber selbst große Fußballfans sind. So bei „Louis“ in seinem Döner-Imbiss in der Poststraße und bei „Vadim“ in der Bahnhofstraße. Vadim ist in seiner Heimat Bulgarien selbst aktiver Fußballspieler in der dritten Liga gewesen und hat in seiner neuen Heimat bei verschiedenen Vereinen schon den Ball ins Netz befördert. Bei beiden Imbissbetreibern lässt sich damit die ganze Fußball-WM am Bildschirm mitverfolgen. In Jänkendorf ist das Public Viewing wieder eine gemeinschaftliche Aktion der Kirchengemeinde mit den Vereinen des Ortes und der Gemeinde Waldhufen, die die Halle zur Verfügung stellt. Platz ist für maximal 150 Zuschauer. Christian Hüther von der Evangelischen Stadtjugendarbeit in Görlitz wiederum setzt auf ein anspruchsvolles Public-Viewing-Programm „Bei uns gibt es keinen Alkohol. Wir setzen darauf, dass sich hier Menschen begegnen, die vielleicht ansonsten nicht in Kontakt gekommen wären“, schildert er das Anliegen. Passend schauen sich am Sonnabendabend zwölf Stammesoberhäupter aus Kamerun, Benin und Gabun das WM-Spiel Kroatien gegen Nigeria an. Die Delegation aus Afrika ist unter anderem in Klingewalde beim Institut für kulturelle Infrastruktur in Sachsen zu Gast.

Vielleicht, so Christian Hüther, ist das Public Viewing im Jugendhaus Wartburg ja sogar eine Art Nische, die es ansonsten in der Stadt so nicht gibt. „Wir hoffen sehr, dass unser Programm angenommen wird“, sagt er.