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Donnerstag, 07.06.2018

Füße wie Bierkästen

Jeison Rodriguez aus Venezuela hat Schuhgröße 68. Das ist Rekord. Passendes Fußbekleidung gibt es für den jungen Mann im Münsterland – und damit Hilfe, die er dringend benötigt.

Von Florentine Dame

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 Der rechte Fuß von Jeison Rodriguez, dem Mann mit den größten Füßen der Welt (Größe 68), wird von Lucia Sinigagliesi, Richterin des Guiness-Buch der Rekorde und Georg Wessels von der Übergrößen-Schuhwerkstatt Wessels vermessen.
Der rechte Fuß von Jeison Rodriguez, dem Mann mit den größten Füßen der Welt (Größe 68), wird von Lucia Sinigagliesi, Richterin des Guiness-Buch der Rekorde und Georg Wessels von der Übergrößen-Schuhwerkstatt Wessels vermessen.

© Bernd Thissen/dpa

  •  Der rechte Fuß von Jeison Rodriguez, dem Mann mit den größten Füßen der Welt (Größe 68), wird von Lucia Sinigagliesi, Richterin des Guiness-Buch der Rekorde und Georg Wessels von der Übergrößen-Schuhwerkstatt Wessels vermessen.
    Der rechte Fuß von Jeison Rodriguez, dem Mann mit den größten Füßen der Welt (Größe 68), wird von Lucia Sinigagliesi, Richterin des Guiness-Buch der Rekorde und Georg Wessels von der Übergrößen-Schuhwerkstatt Wessels vermessen.
  • Der 22 Jahre alte Jeison Rodriguez leidet unter Riesenwuchs.
    Der 22 Jahre alte Jeison Rodriguez leidet unter Riesenwuchs.

Officially Amazing“ steht auf der Urkunde, die Jeison Rodriguez stolz und schüchtern entgegennimmt. Offiziell großartig also, darf er sich nennen, weil er mit Schuhgröße 68 auf Füßen steht, die laut Guinness-Buch der Rekorde mit ihren 40,55 Zentimetern auf der linken sowie 40,57 Zentimetern auf der rechten Seite weltweit Rekordformat haben. Dabei würde Rodriguez viel darum geben, wenn sein Körper aufhören könnte zu wachsen.

40 Zentimeter – das ist so lang wie ein Bierkasten. Damit der Mann mit solchen Füßen und einer Körpergröße von inzwischen 2,36 Metern überhaupt passendes Schuhwerk bekommt, ist er weit gereist: Der 22-Jährige stammt aus Maracay in Venezuela und hat das erste Mal seine Heimat verlassen. Denn in Vreden im Münsterland kann er neue Schuhe anprobieren.

Sandalen, Pantoletten, Wander- und Halbschuhe stehen bereit, gefertigt in der Schuhwerkstatt für Übergrößen der Familie Wessels. Bereits mehrfach hat der Schuhspezialist Georg Wessels Rodriguez mit passendem Schuhwerk ausgestattet, kostenlos – wie so viele Riesenwüchsige, die sich die teuren orthopädischen Schuhe nicht leisten könnten.

Als die Gebrüder Wessels sich vor mehr als fünf Jahrzehnten auf Schuhe für Übergrößen spezialisierten, heckten sie den Plan aus, künftig medienwirksam die Größten der Welt mit Schuhen zu versorgen. „Doch dann habe ich die Menschen kennengelernt und schnell gemerkt, welche Schicksale dahinterstecken“, sagt Georg Wessels. Aus dem PR-Gag ist eine Lebensaufgabe geworden. Er ist schon in viele entlegene, meist arme Gebiete gereist mit Riesenschuhen im Gepäck.

Die Menschen, die auf die Spezialschuhe angewiesen sind, leiden unter der Krankheit Akromegalie. Ein Tumor an der Hirnanhangdrüse lässt sie immer weiter wachsen – mit gefährlichen Folgen. Stoppen Medikamente und eine Operation das Wachstum nicht, sterben die Riesenwüchsigen meist früh. Der Körper schafft es irgendwann nicht mehr, mit der Größe fertigzuwerden. Besonderer Schwachpunkt sind die Füße. „Die Schuhe müssen zwei gegensätzliche Dinge gleichzeitig leisten: Stabil sein, um das Gewicht zu halten. Und weich genug, um die extrem empfindlichen Füße gut zu betten“, erklärt Wessels. Die meisten der Riesenwüchsigen seien Diabetiker, mit entsprechend anfälligen Füßen. Ohne Hilfe aus dem Münsterland, sagt Rodriguez’ in Deutschland lebende Cousine, würde er wohl noch in ausgetretenen Stoffsandalen umherlaufen. Oder in selbst gebastelten Latschen aus alten Autoreifen, verlacht von seinen Klassenkameraden. „Wenn er überhaupt noch laufen könnte“, ergänzt Wessels. Ohne richtigen Halt drehten sich irgendwann die Füße nach oben, weil die durch die Krankheit besonders weichen Sehnen und Bänder nachgäben. Die neuen Schuhe entgegennehmen zu können, sei daher für ihn ein sehr emotionaler Moment, sagt Rodriguez. „Ich war überwältigt“, übersetzt die Cousine.

Auch Wessels kämpft mit den Emotionen: Ihm sind seine großen Freunde und deren Familien ans Herz gewachsen. Er weiß, dass Rodriguez dringend Hilfe – Medikamente, Hilfsmittel, Behandlung – braucht. In seiner krisengeschüttelten Heimat erfahre er die nur sehr spärlich. (dpa)

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