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Freitag, 21.09.2018

Für Freitaler Vielfalt

Tatjana Jurk ist Initiatorin des interkulturellen Festes „Hallo Nachbar“. Am Sonnabend steigt die neue Auflage.

Tatjana Jurk, Olga Paul und Marina Schahalai (v.l.) vom Verein Das Zusammenleben bereiten das Integrationsfest „Hallo Nachbar“ im Freitaler Mehrgenerationenpark vor.
Tatjana Jurk, Olga Paul und Marina Schahalai (v.l.) vom Verein Das Zusammenleben bereiten das Integrationsfest „Hallo Nachbar“ im Freitaler Mehrgenerationenpark vor.

© Andreas Weihs

Frau Jurk, Sie wuchsen in Kasachstan auf, studierten Agrarwissenschaften. Ihre Geschichte bis zur Ankunft als Spätaussiedlerin in Freital im Jahr 2001 würde wohl ein Buch füllen. In Freital haben Sie im Jahr 2005 mit Gleichgesinnten den Verein „Das Zusammenleben“ gegründet. In Gesellschaft zu sein, scheint Ihnen wichtig zu sein. Warum?

Eine schwere Frage. Meine Eltern sind in der Ukraine aufgewachsen. Sie wurden wegen ihrer Wurzeln ins abgelegene Kasachstan deportiert. Ich war schon mit drei Monaten in der Mitte der Gesellschaft, als Krippenkind. Meine Mutter war die einzige Hebamme und Krankenschwester des Dorfes. Sogar den Urlaub verbrachten wir mit Kollegen meiner Eltern. Der Kollektivismus war gewollt, auch zur Kontrolle. Die positive Seite von Gemeinschaft ist, dass wir uns bei Begegnungen mit anderen entwickeln.

Am Sonnabend veranstaltet Ihr Verein das interkulturelle Nachbarschaftsfest „Hallo Nachbar“. Zum dritten Mal wird der Mehrgenerationenpark in Freital-Zauckerode Begegnungsort für Einheimische und Migranten. Womit überraschen Sie die Gäste?

Wir überraschen sie mit dem bunten Kulturprogramm verschiedener Nationen. An der Hauptbühne können sie indischen Tanz, afrikanische Trommler, russisches Ballett, Zirkus, Akrobatik und vieles mehr erleben. Mädchen und Jungen können an ihrer Bühne Kurzfilme sehen, über Meister Klecks und Spaßimir oder den Clown Bumbalo lachen. Gästeführer Steffen Günther bringt ihnen als Waldgeist heimische Tiere und Pflanzen nahe. Das Kinderschminken und die Bastelstraße sind dabei. Neu ist die Märchenlesung.

Was erwartet Sportbegeisterte?

Im Mehrgenerationenpark gibt es ein Street-Soccer-Turnier für Kinder, Tischtennis und chinesische Kampfkunst. Im Freibad Zacke wird das Volleyballturnier der Jugend ausgetragen.

Freital feiert in Gesellschaft. „Hallo Nachbar“ findet zum 17. Mal zum Auftakt der bundesweiten Interkulturellen Woche statt. Welche Impulse gehen von der Aktion aus?

Das Fest gibt Möglichkeiten zu Dialogen, die wir im Alltag oft vermissen. Einzelne Menschen und Organisationen kommen in Kontakt. Es werden Patenschaften zu Flüchtlingen oder anderen Migranten für Aktivitäten geknüpft, wie fürs Wandern oder den Sport.

Vor der Bühne hängen Flaggen und Willkommens-Banner in vielen Sprachen. Sind sie Anknüpfungspunkt?

Ja, die Gäste freuen sich zuerst, dass sie die Flagge ihres Herkunftslandes sehen. Besonders Kinder rätseln dann, welche Länder es sind. Sie schließen sogar Wetten ab, wer die meisten herausfindet.

Auch gemeinsames Essen verbindet. Welche Spezialitäten gibt es?

Wir haben vietnamesische und andere asiatische Speisen, russische und afrikanische Spezialitäten, auch Eis und Zuckerwatte.

Mit wie vielen Besuchern rechnen Sie zum Nachbarschaftsfest?

Nach der bisherigen Entwicklung erwarte ich bis zu 2 000 Besucher. Wir werden unterstützt von der Stadt, von Organisationen, Firmen und Kirchen. Die Mitwirkenden kommen aus Freital und Umgebung, aber auch von weiter her.

Wie schätzen Sie die aktuelle interkulturelle Situation in der Stadt Freital ein?

Für viele Freitaler war die Ankunft der Flüchtlinge eine Herausforderung. Die Flüchtlinge mussten erst einmal versorgt werden. Sie brauchten ein Dach über dem Kopf und Sicherheit. Jetzt stehen neue Aufgaben an. Die Vermittlung zu Behörden und auf dem Arbeitsmarkt wird verstärkt gebraucht, auch mit Übersetzungshilfe. Hier sind unser Verein und der Dachverband der sächsischen Migrantenorganisationen tätig.

Sie sind Initiatorin und Co-Vorsitzende des Dachverbandes. Sein Sitz ist in Freital. Wer gehört ihm an?

Wir sind 42 Migrantenorganisationen und vertreten viele Nationalitäten. Es war mein Traum, verschiedene Herkunftsnationen zusammenzubringen und gemeinsam inklusives, demokratisches Leben in Freital und ganz Sachsen zu gestalten.

Das Gespräch führte Dorit Oehme.

Das Nachbarschaftsfest „Hallo Nachbar“ findet am 22. September von 10 bis 18 Uhr im Mehrgenerationenpark an der Ringstraße in Freital-Zauckerode statt. Der Eintritt ist frei. Das Volleyballturnier wird ab 10 Uhr im Freibad Zacke ausgetragen.