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Sonntag, 27.05.2018

Fünf Tore in drei Minuten

Der HC Rödertal verabschiedet sich mit einer klaren Niederlage in Bensheim erst einmal aus der höchsten deutschen Spielklasse.

Von Florian Triebel

Einer der gelungenen Tempogegenstöße von Kathleen Nepolsky. Sie war mit insgesamt sechs Toren – gemeinsam mit Kamila Szczecina – die erfolgreichste Werferin der Rödertalbienen beim letzten Saisonspiel in Bensheim.
Einer der gelungenen Tempogegenstöße von Kathleen Nepolsky. Sie war mit insgesamt sechs Toren – gemeinsam mit Kamila Szczecina – die erfolgreichste Werferin der Rödertalbienen beim letzten Saisonspiel in Bensheim.

© Christian Skomudek

Handball-Bundesliga Frauen. Das letzte Spiel des HC Rödertal war am Sonnabend ein Spiegelbild der kompletten Bundesligasaison. Die Rödertalbienen waren wieder im Offensivspiel zu verschwenderisch mit ihren Chancen und zu anfällig für Tempo-Gegenstöße. Erneut hatten sie über die gesamte Spielzeit keine Chance auf den Sieg und liefen einem Rückstand hinterher. So stand an diesem Spieltag eine 22:28-Niederlage auf der Anzeigetafel. Schon zur Pause hatte der HCR mit 6:13 zurückgelegen.

Bienentrainer Maximilian Busch meinte nach dem Abpfiff: „Natürlich ist so eine Niederlage zum Ende einer Spielzeit schmerzhaft. Ich freue mich aber für Lilli Roloff, die ihr erstes Tor in der Bundesliga bejubeln durfte. Außerdem habe ich heute ein starkes Spiel von Kamila Szczecina gesehen. Sie ist nun endgültig in der Mannschaft angekommen. Für Kathleen Nepolsky war es natürlich ein Abschied nach Maß. Einfach unglaublich. Ich finde es sehr schade, dass sie den Verein jetzt verlässt.“

Ivanauskaite ist beim Nationalteam
Auch im letzten Spiel, bevor sie ihre Handballschuhe in den Schrank stellen, konnten Jurgita Markeviciute und Lisa-Marie Ostwald aufgrund von Verletzungen nicht auflaufen. Ebenso fehlte die Langzeitverletzte Grete Neustadt. Brigita Ivanauskaite weilt bei der Nationalmannschaft und stand auch nicht zur Verfügung. So stand wie schon im letzten Spiel Lilli Roloff im Kader des HC Rödertal.

Für Bensheim ging es in diesem Spiel noch darum, den Klassenerhalt perfekt zu machen. Das merkte man der Mannschaft von Heike Ahlgrimm auch an. Ab der ersten Sekunde waren sie voll da und nutzten jeden Fehler des HCR gnadenlos aus. Die Bienen wirkten verunsichert und gingen teilweise fahrig mit ihren Chancen um. Nach acht Minuten führten die Gastgeberinnen daher verdient mit 4:0. Die mitgereisten Fans aus dem Rödertal mussten bis zur neunten Minute warten, ehe sie zum ersten Mal jubeln durften. Kamila Szczecina – sie traf wie Nepolsky sechs Mal – wurde gut am Kreis frei gespielt und netzte zum 1:4 ein. Generell war die Polin eine der besten Bienen auf der Platte.

Kurz darauf konnten die Gästefans erneut feiern, als Tammy Kreibich das 2:4 erzielte. Allerdings brachten auch diese beiden Tore keine Sicherheit in das Spiel des HCR. Die HSG Bensheim/Auerbach hielt das Tempo hoch und nutzte ihre vielen Chancen konsequent, um den Vorsprung Stück für Stück zu erhöhen. Izabella Nagy konnte in ihrem letzten Spiel für den HC Rödertal immerhin ein Tor zum zwischenzeitlichen 9:5 beisteuern.

Zum Pausentee rieben sich die Bienenfans beim Blick auf die Anzeigetafel frustriert die Augen. Bis zur Halbzeit konnten sich nur vier Spielerinnen in die Torjägerliste eintragen. Vollkommen verdient lagen die Gäste mit 6:13 zurück. Allein Bogna Sobiech von der HSG konnte mit fünf Treffern fast genau so oft einnetzen. In der zweiten Halbzeit durfte dann aber wenigstens ein bisschen gefeiert werden.

Lilli Roloff konnte in der 33. Minute ihr Premierentor in der 1. Bundesliga feiern. Doch das war leider vorerst auch der einzige Grund für etwas Jubel. Danach drückte die HSG aufs Tempo und zeigte den Bienen ihre Grenzen auf. Bis zur 38. Minute konnten sie den Vorsprung durch einen 6:0-Lauf auf 20:8 ausbauen. Die Bienen wirkten gehemmt und auch die Körpersprache ließ auf nichts Gutes hoffen.

Bensheim/Auerbach hatte endgültig für die Vorentscheidung gesorgt und schaltete nun einen Gang zurück. Dennoch gelang es den Gästen nicht, den Rückstand zu verkleinern. Bis zur 50. Minute wuchs er sogar noch auf 27:14 an. Dann schlug die Stunde von Kathleen Nepolsky. Innerhalb von drei Minuten steuerte sie gleich fünf Tore in Folge zu einem 7:0-Lauf des HC Rödertal bei. So konnten sich die Bienen bis zur 57. Minute wieder auf 27:21 heranarbeiten. Die Fans waren aus dem Häuschen und feierten Nepolsky, die nun den Verein verlässt, noch Minuten nach dem Abpfiff mit stehenden Ovationen und Sprechchören. Es war ein würdiger Abschied, den sich die Ur-Biene selbst vergoldete.

Dieser Lauf war allerdings reine Ergebniskosmetik. Das 22:28 nach 60 Minuten war sehr schmeichelhaft und täuscht über den wahren Spielverlauf hinweg. Zu keinem Zeitpunkt hatte der HCR Zugriff auf das Spiel und zeigte sich unkonzentriert. Die ganze Bienenmannschaft wirkte während der gesamten Dauer der Partie verunsichert, möglicherweise auch als Ergebnis einiger überraschender Aufstellungsentscheidungen des Trainers.

HC Rödertal: Nele Kurzke, Ann Rammer; Kamila Szczecina (6), Kathleen Nepolsky (6), Jacqueline Hummel (3), Tamara Bösch (2), Michelle Urbicht (1), Tammy Kreibich (1), Izabella Nagy (1), Stefanie Hummel (1), Lilli Roloff (1).