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Donnerstag, 17.05.2018

Fünf Gründe für Dynamos Absturz

Der Klassenerhalt ist geschafft, aber längst nicht alles gut. Wo jetzt angesetzt werden muss.

Von Sven Geisler

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Uwe Neuhaus will die Saison in Ruhe analysieren und dafür viele Gespräche führen.
Uwe Neuhaus will die Saison in Ruhe analysieren und dafür viele Gespräche führen.

© Robert Michael

Es gibt eine Menge aufzuarbeiten, meint Uwe Neuhaus. Dynamos Trainer hat nach der Niederlage gegen Union Berlin nur kurz und knapp ein paar Gründe für die Schwierigkeiten in dieser Saison genannt. Für die Analyse aber will er sich Zeit lassen, viele Gespräche führen für eine tiefgreifendere Ursachenforschung.

Deshalb gibt er, anders als in den vergangenen Jahren, kein Interview. Sein Fazit würde, erklärt er, im Moment zu oberflächlich ausfallen, vieles muss erst einmal intern aufgearbeitet werden. Und was dann nach außen getragen werden kann und soll, ist noch mal eine andere Frage.

Die Mängelliste ist jedenfalls lang – die SZ nennt die wichtigsten fünf Punkte.

Zu viele Verletzte
Am Anfang ist es einfach nur Pech. Pascal Testroet – als Stürmer Nummer eins in die Saison gegangen – reißt sich gleich im ersten Spiel das Kreuzband. Sören Gonther – als Führungskraft verpflichtet – fällt erst mit einer Bänderdehnung im Knie und dann auch mit einem Kreuzbandriss für den Rest der Saison aus. Dynamo musste also zu den prominenten Abgängen mit Stefan Kutschke, Akaki Gogia und Marvin Stefaniak noch zwei weitere Spieler kurzfristig ersetzen, die als Stammkräfte eingeplant waren. Das ist im Sturm mit Eero Markkanen gar nicht und mit Peniel Mlapa nur bedingt gelungen. In der Abwehr hat der Verein sogar bis zur Winterpause auf Zeit gespielt, um Marcel Franke für ein halbes Jahr aus England zurückzuholen.

Insgesamt war die Ausfallliste zu lang und deshalb bereits im Herbst ein Thema. „Wenn es irgendwo etwas zu finden gibt, werden wir es finden und Lehren daraus ziehen“, sagte Neuhaus. Wirklich besser geworden ist es aber im Frühjahr nicht. Besonders oft erwischte es Marco Hartmann. Mit dem Kapitän fehlte Dynamo einer, der das Spiel organisieren kann. Die Führungsschwäche in der Mannschaft ist ein weiterer Punkt auf der Mängelliste.

Zu hoher Anspruch
Das Saisonziel war vorsichtig allgemein formuliert. Es gehe um die Entwicklung und darum, das Publikum zu begeistern. Doch auch in der Kabine dürfte nach Platz fünf in der Vorsaison die Hoffnung groß gewesen sein, dass es mindestens wieder so gut läuft und wenn’s geht sogar noch ein bisschen besser. Als mit den drei Siegen in Düsseldorf (3:1), gegen Aue (4:0) und bei Union Berlin (1:0) zum Abschluss der Hinrunde der Anschluss nach oben hergestellt war, durfte in Fußball-Dresden wieder geträumt werden.

Die Hoffnung, mit einem guten Start ins neue Jahr noch mal oben angreifen zu können, lebte auch in der Kabine. Allerdings warnte Hartmann schon während des Wintertrainingslagers in Spanien: „Der Abstiegskampf kann diesmal besonders eklig werden.“ Als es in der Rückrunde nicht lief, waren wohl einige erschrocken. Je mehr sich die Lage zuspitzte, desto stärker flatterten die Nerven. „Es wurde von Woche zu Woche schlimmer. Das war nicht einfach zu verkraften“, sagt Neuhaus. „Ich hoffe, dass es ein wichtiger Lernprozess war für eine relativ junge Mannschaft.“

Zu wenige Heimsiege
Die Diskrepanz ist unerklärlich: Mit im Durchschnitt 28 003 Zuschauern im DDV-Stadion steht Dynamo in der Zuschauertabelle auf Platz vier, in der Heimtabelle sind die Schwarz-Gelben jedoch Letzter. Lediglich fünf Heimspiele konnten sie gewinnen, achtmal haben sie auf eigenem Platz verloren. Neuhaus spricht von einem „Selbstbedienungsladen“ und betont, das dürfe sich nicht wiederholen. „Da stecken wir alle Energie rein.“ Es gibt mehrere Erklärungsansätze für die eklatante Heimschwäche, eine ist das Spielsystem. Dabei geht es nicht nur um die eine Spitze, sondern vor allem um das Tempo im Spiel nach vorn. Das ist mehr und mehr verloren gegangen. Dadurch konnten sich die Gegner leicht auf Dynamo einstellen.




Zu viele späte Gegentore
Das letzte Spiel sei symptomatisch gewesen für die Saison, meint Neuhaus: „Nach vorne wenig Durchschlagskraft, keine Torgefahr und hinten eine Unachtsamkeit, die bestraft wird.“ Die Konkurrenten mussten nur auf diesen einen Fehler warten, der viel zu oft passierte. 23 Gegentore hat Dynamo in der Schlussviertelstunde kassiert, allein fünf in der Nachspielzeit – so viele wie kein anderer Zweitligist. Diese Unkonzentriertheiten kosteten 14 Punkte. Es wäre zu einfach, das allein auf konditionelle Probleme zu schieben. Vielmehr kommt einiges zusammen: von individuellen Schwächen bis taktischen Fehleinschätzungen.

Zu wenige Lösungen
Nach einer solchen Saison steht der Trainer in der Kritik, wobei der amtierende Sportgeschäftsführer Kristian Walter klarstellt: „Es ging drei Jahre lang fast linear nach oben. Irgendwann muss man eine kleine Delle, auch eine größere einkalkulieren. Dann darf man allerdings nicht vergessen, was vorher passiert ist. Warum also sollte sich die Frage stellen?“ Fakt ist jedoch: Neuhaus hatte in der Krise zu wenig Lösungen – oder die Spieler konnten sie nicht umsetzen. Außerdem sorgten einige Personalentscheidungen intern für Unruhe und Unzufriedenheit. Offenbar ist es dem Chefcoach nicht mehr gelungen, die Mannschaft geschlossen auf seinem Weg mitzunehmen.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 11 Kommentare

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  1. DDforever

    Es waren nicht nur die vielen späten Gegentore, überhaupt zu viele Gegentore führten zur Zittereinlage am Saisonende. Ein Problem, welches bereits in der letzten Saison vorherrschte und scheinbar nicht erkannt wurde. Die Defensivschwäche hat nichts mit den Abgängen zu tun, vielmehr mit fehlender Organisation und Kompaktheit und einer Zweikämpfführung die ihren Namen nicht verdient hat. Neben dem Mangel an Lösungen für die Offensive ein weiteres Feld, welches in das Aufgabengebiet des Trainers fällt. Auf die Analyse von UN bin ich sehr gespannt. Den zaghaften Ansatz der Kritik den der Autor übt kann ich in einer vollkommen zahmen Dresdner Medienlandschaft nur begrüßen.

  2. MKT

    UN hat die letzten Niederlagen immer gut geredet, die Mannschaft gab ein trauriges Bild ab, keine Laufbereitschaft, keine Flanken , Ecken und Freistöße, das Personal dafür war das gleiche wie in der Vorsision Kreutzer und Heise. Ein Hauptmann läuft rum ohne Konzept. Ein Torhüter bei dem vorn kein Abschlag ankommt und immer nur mit einem Stürmer der vorn verhungert. Die Abwehr welche keine ist. Dafür ist der Chef Trainer verantwortlich! Bitte handeln , es muss besser werden Auf Dynamo

  3. Glocke 22

    Wir haben sehr wenig Spieler die Torgefährlichkeit haben! Schlechter Einkauf Wenig Tore und treffsichere Stürmer! Katastrophale Flanken und Standards! Auch Herr Neuhaus muss deutlich in frage gestellt werden! Bei Pressekonferenzen fehlt mir auch die entscheidenen fragen, Ursache und Probleme in den letzten Minuten! Aufstellung, Taktik, erreicht der Trainer die Mannschaft! Wer darf dem Trainer was sagen? Minge ist leider krank! Alle schauen zu! Hab gehört das Training ist nicht die Welt? heimschwäsche von Dynamo ist ein Schlag ins FAN Gesicht! Bin für neuen frischen Wind (Trainer)! Auch wenn es Ablöse kostet! Noch so ein Jahr und dann geht's nach unten! Bitte Köpfe zusammen setzten und Analyse betreiben und ändern! Schöne Pfingsten

  4. RWSGD

    Ich hoffe, es wird gnadenlos analysiert und abgerechnet. Und da kann es am Ende auch passieren, daß Uwe Neuhaus gehen muss. Ich persönlich würde erstmal zwei neue Co-Trainer implementieren. Lust und Nemeth raus, dafür zwei mit "Stallgeruch" holen. Ulf Kirsten und Lars Jungnickel. Sollte es ein neuer Headcoach sein, dann Matze Maucksch. Wir wollen immer so schön anders sein, also lasst uns doch mal versuchen, der Zweitligist mit den meisten Eigengewächsen zu werden, auf und neben dem Platz. Für Identifikation und Zusammenhalt Fans-Mannschaft-Verein kann dies nur förderlich sein.

  5. Passqualität

    Mein Eindruck: Irgendwie war über die gesamte Saison die Qualität der Zuspiele eher mäßig. Oft kam der Ball zwar noch irgendwie zum Empfänger, dieser musste aber viel in eine kontrollierte Ballannahme investieren. Die Kraft dafür fehlte dann beim platzierten Schuss oder bei der einen Körpertäuschung, die freie Schussbahn bringt. Am Spielende fehlte dann auch die geistige Spritzigkeit.

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