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Dienstag, 28.08.2018

Führungswechsel am Reiter

Riesas größter Kleingartenverein hat eine neue Vorsitzende. Die hat schon konkrete Vorstellungen für die Zukunft.

Von Stefan Lehmann

Alexandra Steiner wurde jetzt zur Vorsitzenden des Kleingartenvereins Am Reiter gewählt.
Alexandra Steiner wurde jetzt zur Vorsitzenden des Kleingartenvereins Am Reiter gewählt.

© Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Als am Sonnabendmittag in der Stadthalle Stern über den neuen Vorstand abgestimmt wurde, da war Alexandra Steiner schon ein wenig überrascht, gibt sie zu. „Ich hatte nicht unbedingt mit dem Ergebnis gerechnet“, sagt die frisch gebackene Vorsitzende des Kleingartenvereins Am Reiter. Vor anderthalb Jahren, als der Verein zuletzt einen neuen Vorstand wählte, hatte sich Steiner ebenfalls zur Wahl gestellt. Die Gegenstimmen seien damals deutlich zahlreicher gewesen als in diesem Jahr. Sie wertet das auch als Wertschätzung für ihre Arbeit. Denn als 2017 Torsten Tietze den Vorstand übernahm, wurde Alexandra Steiner Schatzmeisterin.

Nun ist der bisherige Vorstands-Chef aus privaten Gründen zurückgetreten – am Freitag übergibt er offiziell das Zepter an Steiner. „Wir bedanken uns sehr bei ihm, es ist schade, dass er aufhört.“ Die Vorstände seien sich immer einig gewesen, auch die große Mitgliederversammlung habe der bisherige Vereins-Chef „perfekt vorbereitet“. Vielleicht sei auch das ein Grund dafür gewesen, dass es deutlich ruhiger zuging als vor anderthalb Jahren – auch, wenn es wieder einen Moment dauerte, ehe sich Freiwillige für die Vorstandsposten meldeten. Alexandra Steiner hatte schon vorher gesagt, dass sie wieder im Vorstand mitarbeiten wolle, egal in welcher Funktion. Am Ende blieb die Stelle der Vorsitzenden sozusagen übrig, erzählt sie und lacht. „Ich bin froh, dass es weitergeht. Viele ältere Kleingärtner haben hier jede Menge Herzblut reingesteckt. Und ich will ja auch irgendwann meine Parzelle an meine Kinder übergeben.“

Rückbau bleibt ein Thema

Die neue Kleingarten-Chefin wird sich die Verantwortung künftig mit fünf anderen Vereinsmitgliedern teilen, zwei mehr als zuletzt. Zu tun gibt es viel, auch wenn der alte Vorstand in seinen anderthalb Jahren schon „ordentlich aufgeräumt“ habe. „Rückbau wird ein Thema bleiben“, kündigt Steiner an. An der Seite der Kleingartenanlage, die der Elbe zugewandt ist, steht fast jeder Kleingarten leer. Früher oder später will man die Parzellen dort abreißen, so die Hoffnung. Insgesamt sei das Verhältnis von Kündigungen und neuen Pachtverträgen etwa ausgeglichen. Von den etwas mehr als 600 Kleingärten liegen 50 bis 70 brach. Die 100-Jahr-Feier für den Verein steht 2020 an, und schon im kommenden Jahr wolle man beim Tag der Sachsen präsent sein. „Wie, das wird noch besprochen.“ Eine Mitgliedschaft im Verband der Gartenfreunde sei übrigens nicht geplant. Verbands-Chef Torsten Sittmann hatte am Wochenende in der Mitgliederversammlung noch einmal über die Vorzüge des Verbandes informiert und war auf einige Skepsis getroffen, so Steiner. Sie selbst habe weder im Guten noch im Schlechten Erfahrungen mit dem Verband gemacht. Aber der Verein solle sich die Eigenständigkeit bewahren, sagt sie.

Ohnehin gibt es ganz andere Baustellen, die Alexandra Steiner gemeinsam mit den anderen Vorständen angehen möchte: den Brandschutz in den Vereinsgebäuden, die Werbung von Mitgliedern auch übers Internet, vielleicht das Bereitstellen von Gärten an Kitas und Schulklassen. Vom Vorhaben, einen Spielplatz zu errichten, hat sich der Verein erst einmal verabschiedet. „Das ist zu teuer, weil wir jährlich auch den Tüv bezahlen müssten.“

Dafür hofft die neue Vorsitzende darauf, ins Vereinsheim neues Leben zu holen. Dort hatte die gebürtige Berlinerin eine Kneipe betrieben, nachdem sie 2014 in der Anlage zu gärtnern begann. „Daran habe ich immer noch gute Erinnerungen“, sagt sie – obwohl der Kneipenbetrieb nicht lange durchhielt. Ohnehin schwebt ihr für die Zukunft etwas anderes vor. „Keine Kneipe, aber vielleicht bekommen wir dort wieder einen regelmäßigen Kaffeeklatsch hin, oder Tanz- und Skatabende. Denn was hier fehlt, ist das Vereinsleben.“

Sie selbst hätte ohnehin keine Zeit mehr, abends noch an der Bar zu stehen, sagt sie. Mittlerweile arbeitet sie bei Neways, dazu komme jetzt noch der Posten im Verein. Und Familie hat Steiner auch noch, erst vor Kurzem hat die 36-Jährige geheiratet. Ihren Ehemann habe sie im Reiter kennengelernt, erzählt sie und schmunzelt. „Er war mein Wegewart.“ Kein Wunder, dass sie dem Verein verbunden ist.