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Dienstag, 24.12.2013

Frischekur für Laubegaster Werft

Über eine Million Euro investiert Besitzer Reinhard Saal in die maroden Gebäude. Bald werden dort wieder Schiffe gebaut.

Der Siegener Foto-Unternehmer will in der Laubegaster Werft bald wieder Schiffe bauen und reparieren. Derzeit wird das Gebäude aufwendig saniert.
Der Siegener Foto-Unternehmer will in der Laubegaster Werft bald wieder Schiffe bauen und reparieren. Derzeit wird das Gebäude aufwendig saniert.

© Tobias Wolf

Klotzen statt Kleckern scheint derzeit das Motto in den alten Werkhallen der Laubegaster Werft zu sein. Im früheren Maschinentrakt breiten sich die Baugerüste spinnennetzartig bis zur Decke aus. Handwerker laufen darauf umher, packen Dämmmatten unter das Dach, schrauben Gipskartonplatten an oder verputzen altes Mauerwerk.

Die Eile hat ihren Grund. „Voraussichtlich ab Januar sollen hier im Mittelteil unserer Produktionsstätte wieder Schiffe gebaut werden“, sagt Werfteigentümer Reinhard Saal. Der 62-Jährige hatte den insolventen Traditionsbetrieb im Frühsommer für rund 1,6 Millionen Euro gekauft. Nun wird das seit Jahren nicht sanierte Gelände Stück für Stück instand gesetzt. Rund 1,3 Millionen Euro investiert der Foto-Unternehmer aus dem Siegerland allein bis zum kommenden Frühjahr. Die gesamte Produktionshalle erhält ein neues Dach, eine neue Isolation und speziell gedämmte Wärmeschutzfenster. „Das ist dringend nötig, sonst verheizen wir hier ohne Ende Energie“, sagt Saal. Die Sanierung des alten Dachs kommt vor allem dem neuen Mieter der Mittelhalle zugute, einer Bootmanufaktur, die dort ab 2014 kleinere Schiffe und Yachten entwickeln und produzieren will. So soll das Konstruktionsbüro im riesigen Obergeschoss entstehen, die Fertigung findet im Erdgeschoss ihren Platz.

Dafür musste der Dachboden beräumt und ein kleines Holzschiff aufwendig aus dem Dachboden bugsiert werden, ein Prototyp, der noch unter dem früheren Werftbesitzer entstanden war. Im nächsten Jahr sollen dann die verbleibende Maschinenhalle und die Tischlerei renoviert werden, um im Herbst auch große Schiffe instand setzen zu können. Ursprünglich wollte Reinhard Saal schon in diesem Winter die historischen Schiffe der Sächsischen Dampfschiffahrt zur Reparatur aufs Trockendock holen. „Der bauliche Zustand der über 100 Jahre alten Werft hat das aber nicht zugelassen“, sagt Saal. „Unter anderem ist die Elektro-Anlage völlig marode gewesen, da wollte ich kein Risiko eingehen.“ Deshalb wird die komplette Installation saniert und Schutzschalter eingebaut, die Stromschläge verhindern sollen. Die Reparaturen an den Elbedampfern im Winter 2014/15 können dann wieder am Traditionsstandort durchgeführt werden.

Elbradweg soll durch Werft führen

In dieser Saison sind die Schiffe alle ins sachsen-anhaltische Roßlau gebracht worden. Der Eigentümer der dortigen Rönner-Werft hatte im Insolvenzverfahren ebenfalls kurzzeitig Interesse an der Laubegaster Werft gezeigt, sie aber letztlich doch nicht erworben.

Ab 2014 wird das Areal in Laubegast umstrukturiert. Ein maritimer Handwerkerhof soll entstehen, der mehrere Firmen auf dem Betriebsgelände vereint, darunter eine Sattlerei, die Bezüge und Verdecke für Boote herstellen kann. Inzwischen hat sich Reinhard Saal auch das Know-how ehemaliger Werftmitarbeiter gesichert und einige von ihnen wieder eingestellt. Denn die Slip-Anlage, mit der die großen Dampfer an Land gezogen werden, braucht Experten mit dem nötigen Fingerspitzengefühl. Saal plant außerdem, eine kleinere Anlage zu installieren, mit der Sportboote aus dem Wasser geholt werden können. Vor allem für diese soll direkt am Ufer eine Tankstelle entstehen. Derzeit erarbeite ein Ingenieurbüro die nötigen Gutachten, sagt Saal.

Neben den technischen Neuerungen auf dem historischen Werftgelände sollen nun auch Freizeitanlagen hinzukommen, die für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Unter anderem will Saal den Elberadweg, der jetzt über die Österreicher Straße verläuft, direkt am Elbufer durch das Areal führen. Zudem sehen die Pläne einen Biergarten und Spielflächen, wie ein Volleyballfeld vor. Mit Zusatzgeschäften, die nicht alle mit dem Schiffbau zu tun haben, soll die Werft künftig rentabler werden. Denn die Pleite war vor allem eine Folge der mangelnden Auslastung im Sommer.