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Donnerstag, 14.06.2018

Frische Farben für blasses Gotteshaus

Einen modernen Sternenhimmel und einen diskreteren Beichtraum bekommt die Heilig-Kreuz-Kirche. Weihnachten soll ihre Sanierung abgeschlossen sein.

Von Daniela Pfeiffer

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Künstler Helge Warme an der Stelle, wo der Altar steht: Hier besprach er gestern mit Bauleitung und Kirchenvorstand seine Farbvorschläge. Farbenfroh soll sie werden, die Heilig-Kreuz-Kirche, darin sind sich alle Entscheider einig.
Künstler Helge Warme an der Stelle, wo der Altar steht: Hier besprach er gestern mit Bauleitung und Kirchenvorstand seine Farbvorschläge. Farbenfroh soll sie werden, die Heilig-Kreuz-Kirche, darin sind sich alle Entscheider einig.

© nikolaischmidt.de

  • Künstler Helge Warme an der Stelle, wo der Altar steht: Hier besprach er gestern mit Bauleitung und Kirchenvorstand seine Farbvorschläge. Farbenfroh soll sie werden, die Heilig-Kreuz-Kirche, darin sind sich alle Entscheider einig.
    Künstler Helge Warme an der Stelle, wo der Altar steht: Hier besprach er gestern mit Bauleitung und Kirchenvorstand seine Farbvorschläge. Farbenfroh soll sie werden, die Heilig-Kreuz-Kirche, darin sind sich alle Entscheider einig.
  • Keine Bänke, keine Bilder, kein Altar: Im Moment ist die Heilig-Kreuz-Kirche tatsächlich mehr Baustelle als Kirche. Sie wird für 600000Euro umgestaltet.
    Keine Bänke, keine Bilder, kein Altar: Im Moment ist die Heilig-Kreuz-Kirche tatsächlich mehr Baustelle als Kirche. Sie wird für 600 000 Euro umgestaltet.

Welcher Himmel wird es werden? Drei Musterplatten hat Helge Warme mitgebracht. Der Berliner Künstler ist für die farbliche Gestaltung der Heilig-Kreuz-Kirche zuständig, die innen gerade saniert wird. Das katholische Gotteshaus auf der Struvestraße soll von einer ausdruckslosen zu einer frischen, angenehmen, künstlerisch aufgewerteten Kirche werden, verspricht Pfarrer Norbert Joklitschke. Zusammen mit seinem Kirchenrat und Architekt Thomas Woskowski hat er in den vergangenen Monaten oft zusammengesessen, um zu besprechen, wie genau die Kirche sich wandeln soll, wie die Fehler, die bei der letzten Sanierung gemacht wurden, vielleicht etwas kaschiert werden könnten.

Denn Anfang der 1990 er wurde die 1853 erbaute Kirche schon einmal restauriert. Damals kamen Zwischenbauten rechts und links neben den Altarraum, die den Grundcharakter dieses Bereiches völlig veränderten. Zudem wurde wie nach der Wende in vielen anderen Gotteshäusern auch ein Heizungssystem eingebaut, das den Ansprüchen der Kirchgänger Genüge tun sollte, aber letztlich kontraproduktiv war. Bei der Heilig-Kreuz-Kirche führte das dazu, dass sie mit den Jahren mehr und mehr verschmutzte.

„Zum Teil liegt das an fehlerhaften Putzen, die Abriebe bilden, welche dann für die Verschmutzung verantwortlich sind“, so Architekt Thomas Woskowski. Die fehlende geregelte Belüftung tat ihr Übriges. „Eigentlich sollte das Heizen in den Kirchen generell heruntergefahren werden oder sogar ganz bleiben“, sagt Woskowski. Andererseits sollen die Besucher der Gottesdienste natürlich nicht frieren, und so spricht der Architekt von einem Dilemma. Ein neues Heizungssystem ist bei der aktuell laufenden Sanierung der Heilig-Kreuz-Kirche allerdings auch nicht möglich – aus Kostengründen. „Wir werden versuchen, das durch eine gesteuerte Lüftung zu kompensieren. Damit vermeiden wir die Verschmutzung nicht, aber können sie hoffentlich reduzieren.“

Es wäre schade, wenn die Kirche nach kurzer Zeit wieder grau und schmutzig würde, schließlich hat Helge Warme prachtvolle Farben für Wände und Decken ausgesucht. Optisch wird das Gotteshaus nach der Sanierung kaum wiederzuerkennen sein. Bordeauxtöne für die Wände, der Himmel für Teile der Decke. Wie er aussehen soll, steht übrigens mittlerweile fest: Eine Mischung aus zwei Vorschlägen Warmes wird es werden: ein dunkles Blau mit Sternen. Die Reste der alten hinter dem Altar freigelegten Wandmalerei sind nur während der Bauphase sichtbar, denn später wird der Altar davorstehen, auch wenn er im Vergleich zu vorher weiter in den Raum rücken soll. Die später eingebauten Zwischenräume sind bereits verschwunden, dafür kommt der Taufstein wieder in den Altarraum und die Kirche kehrt ein Stück zu ihren Ursprüngen zurück.

Das, was die Menschen aktuell noch als Taufkapelle kennen, wird zum Beichtraum umgestaltet. Norbert Joklitschke wollte einen größeren Ort dafür, schließlich würde der Wunsch nach Beichte immer größer. Auch der nach einem persönlichen offenen Gespräch. Der jetzige Raum ist winzig, dazu noch die Sichtwand. Diese wird es im neuen selbstverständlich auch geben. Wer hineinkommt, kann sich also frei entscheiden, ob er anonym oder offen sprechen mag. Jeden Sonnabend, 17 bis 18 Uhr ist Beichtzeit, immer dann sitzen Joklitschke oder ein Priester der Pfarrei dort und warten. „Oft gar nicht lange, dann kommt schon jemand.“ Weil immer mehr polnische Katholiken in die Gemeinde „Heiliger Wenzel“ strömen, nehmen auch polnische Priester die Beichte ab. Polnische Gemeindemitglieder waren es auch, die der Gemeinde 2001 eine Nachbildung der „Schwarzen Madonna von Tschenstochau“ stifteten. Auch sie bekommt in der umgestalteten Kirche einen neuen Platz: In einer Wand vor dem jetzigen Beichtraum soll sie befestigt werden.

Insgesamt nimmt die Gemeinde 600 000 Euro in die Hand, ein Zehntel trägt sie selbst, der Rest kommt von Bistum und Bonifatiuswerk Paderborn. Norbert Joklitschke ist zuversichtlich, in diesem Rahmen zu bleiben. „Bis jetzt haben wir baulich keine Überraschungen erlebt.“ Derzeit laufen noch die Malerarbeiten an der Decke, Ende Juli sollen die ersten Deckengerüste fallen, dann folgt bis September die Wandgestaltung, ab Oktober wird der Innenausbau komplettiert, unter anderem die Bänke wieder eingebaut. Jeweils von außen werden die Reihen um einen Platz reduziert, um mehr Raum zu gewinnen – zum Beispiel für Kinderwagen. Spätestens Weihnachten soll in der Heilig-Kreuz-Kirche wieder Gottesdienst gefeiert werden.