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Donnerstag, 17.05.2018

Friedenseiche wurde aufgehübscht

Von Constanze Knappe

Nach umfassender Renovierung der Gaststätte erwartet das Team der „Friedenseiche“ in Weißkollm wieder die Gäste: die Betreiber Daniela (rechts) und Henrik Pehse (neben ihr) mit Sohn Frederik; von links nach rechts ihre Mitarbeiter Antje Andreas, Michael Wagner und Carsten Callies. Foto: Gernot Menzel
Nach umfassender Renovierung der Gaststätte erwartet das Team der „Friedenseiche“ in Weißkollm wieder die Gäste: die Betreiber Daniela (rechts) und Henrik Pehse (neben ihr) mit Sohn Frederik; von links nach rechts ihre Mitarbeiter Antje Andreas, Michael Wagner und Carsten Callies. Foto: Gernot Menzel

© Gernot Menzel

Zum Verweilen lädt der Biergarten vor der „Friedenseiche“ in Weißkollm ein. Urlauber, die bei den frühsommerlichen Temperaturen vom Heide-Teich- ins Seenland unterwegs sind, steigen gern auf einen kühlen Schluck von den Rädern. Und auch für Einheimische gibt es jetzt einen Grund mehr, in die „Friedenseiche“ einzukehren. Henrik Pehse ließ die Gaststätte mit Pension umbauen. Das frühere Vereinszimmer wurde zum Frühstücksraum, die Küche erweitert und komplett neu ausgestattet, Elektrik und Heizung erneuert und anderes mehr. „Der Einrichtungsstil wurde konsequent durchgezogen. Jetzt passt einfach alles zusammen.“ Er freut sich, dass der Umbau geschafft ist.

Generationen von Weißkollmern gingen in die Schenke. Nicht nur, weil dies eine gängige Bezeichnung für eine Gaststätte war. Die im Dorf wurde von Familie Schenk geführt. „Man ging zu Schenks in die Schenke“, so Henrik Pehse. Was ja irgendwie nahelag. Und offenbar bis heute so ist, wie die stimmungsvolle Frauentagsfeier bewies. Seit der Wiederöffnung nach dem Umbau geht man wieder in die Schenke – auch wenn da schon lange „Friedenseiche“ dran steht. Der 47-Jährige erzählt von seinen Großeltern, die einst das Gasthaus bewirtschafteten. Nachdem der Opa im Krieg geblieben war, führte die Oma die Gaststätte alleine weiter, ab 1975 dann die Eltern im Auftrag des Konsums. Trotz Abriss und baulicher Veränderungen in der Folgezeit gingen die Weißkollmer weiterhin zu Schenks in die Schenke. „Es hatte sich halt so eingebürgert“, sagt Henrik Pehse schmunzelnd. Bis 1988 sein Vater verstarb. Damit war das Kapitel Gaststätte für die Familie beendet. Zumindest, was die eigene Bewirtschaftung anging. In den Folgejahren versuchten mehrere Gastwirte ihr Glück. Der Letzte gab 2012 auf. Einen neuen Pächter zu finden, gestaltete sich ausgesprochen schwierig, erinnert sich Henrik Pehse. Deshalb wurde das Haus zwei Jahre lang im Wochenendbetrieb geführt. Hauptsächlich für Familienfeiern.

Eigentlich, so sagt Henrik Pehse, wollte auch er in die Gastronomie. Gaststättenökonomie studieren, das war der Plan. Mit der Wende gab es dieses Studium plötzlich nicht mehr. So studierte er Betriebswirtschaft und schlug eine völlig andere Richtung ein. Doch der Gedanke an die Familientradition ließ ihn nie so ganz los. Irgendwann kam er auf die Idee, mit seiner Frau Daniela die Pension zu betreiben und nur die Gaststätte zu vermieten. Interessenten gab es mit Carsten Callies und Michael Wagner. Die beiden Männer brachten zwar langjährige gastronomische Erfahrungen mit. Den Betrieb als selbstständiger Wirt führen, das aber wollte keiner von Beiden. So wurde Inhaber Henrik Pehse 2014 doch noch selbst Betreiber von Gaststätte und Pension und stellte die Zwei ein. Seither führt er die Geschäfte der „Friedenseiche“– und geht außerdem seinem Job nach. Es hat sich gut eingespielt. Aber, so gibt er zu bedenken, mit Fremden hätte das wohl nicht funktioniert. Für Daniela Pehse war es ein logischer Schritt. „Die emotionale Bindung an das Elternhaus ist groß. Mein Mann geht zwar sehr rational damit um, aber sein Herz hängt daran“, plaudert sie aus dem Nähkästchen. Sie fand es schade, dass er als einziges Kind eine andere Richtung eingeschlagen hatte. Deshalb unterstützte sie ihn dabei, doch die Familientradition in der Gastronomie fortzusetzen.

Qualitätssiegel angestrebt

Bis zu 50 Gästen bietet die „Friedenseiche“ in Weißkollm Platz, der 1905 erbaute Saal etwa 100 Personen. Das Dachgeschoss wurde 1996 ausgebaut. Seither hat die Pension acht Doppelzimmer, wobei Aufbettung möglich ist. In den großen Ferien sind diese sehr gut ausgelastet. In der übrigen Zeit vor allem an den Wochenenden. Den Winter über, so räumt Henrik Pehse ein, sei er froh über die Handwerker gewesen, die an der Niederschlesischen Magistrale mitgebaut und bei ihm übernachtet haben.

Unter den Gästen sind viele Radtouristen. Davon etliche, die als Zwischenstopp spontan eine Übernachtung einlegen. Als „angenehmes Publikum“ beschreibt er sie. Zunehmend kommen tschechische Gäste. Über den Tourismusverband Lausitzer Seenland erhoffen sich Henrik und Daniela Pehse, die „Friedenseiche“ noch bekannter zu machen. Sie streben eine Klassifizierung unter dem Qualitätssiegel „Bed and Bike“ an. Vor einiger Zeit sei in der Gemeinde Lohsa ein Tourismusstammtisch angeschoben worden. Der Weißkollmer bedauert, dass diese Initiative wohl wieder eingeschlafen sei.

Fünf festangestellte Mitarbeiter und vier Aushilfen sind in der „Friedenseiche“ beschäftigt. Die Küche mit der neuen Technik und den veränderten Abläufen habe durchaus eine Umstellung bedeutet. Nachdem sich seine Leute „eingefuchst“ haben, hätten sie nun vielmehr Möglichkeiten – für monatlich wechselnde Angebote auf der Karte ebenso wie für die Lieferung von Partyessen außer Haus. Es eröffne auch die Chance für mehr Feiern aus dem Umland.

Henrik Pehse hat aber noch mehr Ideen. Zum Beispiel, was den Ausbau eines Nebengebäudes betrifft. Familienzimmer fehlen in der Pension, hat er des Öfteren festgestellt. Im zweiten Halbjahr, „wenn es die Leute nach dem Sommer wieder reinzieht“, möchte er den Saal weiter puschen. Mit Livemusik, Kabarett und einer Apres-Ski-Party. Zuvor aber steht erst einmal die Freiluftsaison an mit Sport- und Feuerwehrfest. Und einem gemütlichen Biergarten, der dem Namen auch gerecht wird.