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Freitag, 11.03.2011

Friedensburg soll verkauft werden

Für anderthalb Tage stand die berühmte Radebeuler Villa für 3,5 Millionen Euro im Internet. Testweise.

Radebeul. Nur ganz wenige haben es bemerkt. Die Friedensburg in den Radebeuler Weinbergen steht zum Verkauf. Genauer gesagt, stand. Denn die in Berlin ansässige Firma Stadt &Raum Immobilien hatte das Objekt ganze anderthalb Tage im Netz stehen.

Wer die Internetannonce entdeckt hat, stieß dort auf Fakten wie Kaufpreis 3,5 Millionen Euro, Gastraumfläche 7 000 Quadratmeter, Objektart Gaststätte, saniert. Allerdings kehrt in der Beschreibung das „Wirt Gaststätte“ nicht wieder. Dort wird der seit 2003 hier agierende Besitzer Karsten Weinberg benannt und das Anwesen als Schloss bezeichnet.

Umgebaut zum Wohnhaus

Weinberg habe die Friedensburg zu einem reinen Wohnhaus um- und ausgebaut, wobei 2006 noch ein Neubau mit Wohn- und Fitnessanteil sowie Garagenbereich errichtet wurde. In der ausführlichen Beschreibung heißt es: „Insgesamt umfasst der herrschaftliche Gebäudekomplex nunmehr 5 abgeschlossene Wohneinheiten, ein großes hallenartiges Treppenhaus mit Atriumcharakter, den neu fundamentierten Turm und die besonders gestalteten Außenanlagen mit Parkcharakter, neuer Auffahrt, neu gestalteter Terrasse und Freianlagen, Freizeit- und Fitnessbereich mit Swimmingpool, Sauna und Fitnessraum.“

Persönlich nachgefragt reagiert Besitzer Weinberg allerdings ausweichend. „Vielleicht will ich nur rauskriegen, ob ich dafür 3,5 Millionen Euro bekomme“, sagt er. Er sei gerade dabei seine Positionen und Objekte zu überprüfen und Werte neu zu bestimmen, umschreibt der Druckereiunternehmer. Ob er Radebeul den Rücken kehren wolle, verneint er. Es sei vorerst nur ein Test. Und zum Thema Gaststätte, zu dem er sich mit der Stadt Radebeul im Rechtsstreit befindet, wolle er nur so viel sagen, als das ihm hier was aufgedrückt werden sollte, wozu die Stadt kein Recht habe.

Gericht muss noch entscheiden

Fakt ist, genau dieser Punkt ist nach wie vor offen. Die Stadt Radebeul hatte, nachdem Weinberg die Immobilie gekauft und den Bauantrag gestellt hatte, in einem Bebauungsplan nachträglich festgelegt, dass es in dem Objekt Friedensburg auch eine gastronomische Einrichtung geben sollte. Gegen diesen Bebauungsplan klagt Weinberg. Das Oberverwaltungsgericht in Bautzen hat noch nicht entschieden.

Das 1870 in seiner heutigen Form entstandene Gebäude samt Grundstück soll der heutige Besitzer für rund 500 000 Euro erworben haben, sagt die Gerüchteküche. Bestätigen will es keiner, schon gar nicht Weinberg selbst. Wenn ihm einer 25 Millionen Euro biete, dann könne er freilich die Friedensburg sofort haben, sagt der Besitzer und lässt offen, wie ernst er das meint.