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Samstag, 05.08.2017 Aus dem Gerichtssaal

Fremde Briefe geöffnet

Mehr als drei Jahre Haft drohen einer 42-Jährigen. Sie soll Post geplündert haben.

Von Ralf Hübner

© dpa

Sie soll fremde Briefe aus Postkästen gestohlen, mit fremden EC-Karten Geld abgehoben haben oder damit shoppen gegangen sein. Deshalb muss sich eine 42-Jährige jetzt vor dem Amtsgericht Dresden verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihr 19 Fälle von Computerbetrug, 10 Diebstähle und 3 Betrugsfälle zur Last. Zudem wird sie der versuchten Abgabe und des Besitzes von Betäubungsmitteln – Crystal und Marihuana – beschuldigt.

Mit einem Schlüssel sollen die Frau und ihr Komplize ab März vergangenen Jahres sogenannte Postlagerkästen in Johannstadt und Striesen geöffnet und massenhaft Briefe entwendet haben. Wie in einem Zwischenlager deponieren die Zusteller dort schon sortierte Post, bevor sie diese austragen. Dabei soll es das Duo vor allem auf Bargeld, EC-Karten oder auch Eintrittskarten für Veranstaltungen abgesehen haben. Die Geheimzahlen für die EC-Karten wurden offensichtlich in anderen Briefen des gleichen Poststapels gleich mitgeliefert. Die Eintrittskarten wurden weiterverkauft. Die geplünderten Briefe entsorgten sie in Papiertonnen. Als der Komplize im November 2016 verhaftet wurde, machte die 42-Jährige allein weiter und wurde verhaftet, als sie diesem Crystal und Marihuana in den Knast schmuggeln wollte – verborgen in einem Kunststoffröhrchen in der Vagina.

Die Angeklagte in einer gelben Pluderhose und einem schwarzen T-Shirt mochte sich zu den Vorwürfen zunächst nicht äußern. „Ich komme auf einen Betrag von zusammen 7 570 Euro“, sagte Richter Hermann Hepp-Schwab. „Nicht gerechnet der wirtschaftliche und menschliche Schaden, der den Personen entstanden ist.“

Die Frau ist vor Gericht keine Unbekannte. Viel Geld hat die gelernte Einzelhandelskauffrau nie besessen. Schon vor Jahren war sie unter anderem wegen Diebstählen und Wohnungseinbrüchen verurteilt worden. Wegen Drogenmissbrauchs sollte sie in den Entzug geschickt werden. Die damals verhängten Strafen sind erst teilweise verbüßt. Sie ist auf Bewährung.

Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung suchen nach einer Verständigung. Wenn sie ein umfassendes Geständnis ablegt, soll die Freiheitsstrafe, die Hepp-Schwab möglicherweise verhängt, drei Jahre und drei Monate Haft nicht übersteigen. Die Frau will am Mittwoch aussagen.