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Mittwoch, 02.03.2016

Freitals erstes Zentrum

Nach der Gründung Freitals 1921 begann man mit der Planung zu einem Stadtzentrum. Wirklich gebaut wurden nur fünf Häuser.

Von Yvonne Popp

In der Dresdner Straße 207 hat heute das Deutsche Rote Kreuz seinen Sitz. Früher war im Haus das Finanzamt tätig.
In der Dresdner Straße 207 hat heute das Deutsche Rote Kreuz seinen Sitz. Früher war im Haus das Finanzamt tätig.

© Andreas Weihs

Derzeit wird darüber diskutiert, ob und wie auf der Brache „Sächsischer Wolf“ ein neues Stadtzentrum entstehen kann. Die Anfänge dieser Idee liegen schon mehr als hundert Jahre zurück. Seit 1895 trug man sich im Plauenschen Grund mit dem Gedanken, die Gemeinden Deuben, Döhlen und Potschappel zu einer Stadt zusammenzuschließen. Lange herrschte dazu aber keine Einigkeit.

Gegner und Befürworter der Idee diskutierten heftig in den Gemeinderäten. Eines von mehreren Argumenten, das gegen eine Stadtgründung sprach, war, dass den drei Gemeinden entlang der Weißeritz ein einheitliches Zentrum des öffentlichen Lebens fehlte.

Nachdem am 1. Oktober 1921 dann die Stadt Freital gegründet worden war, begann man recht schnell damit, den Bau eines solchen Zentrums zu planen. Damit beauftragt wurde der Dresdner Architekt Rudolf Bitzan, der schon das Döhlener Rathaus gebaut hatte. Als ein Teil des neuen Freitaler Stadtkerns wurde 1924 die Handels- und Gewerbeschule errichtet. Rechts daneben entstand 1927 das Finanzamt (im Bild). Die beiden drei- und viergeschossigen Putzbauten sind im konservativen Stil der 1920er-Jahre gehalten. Sie zeichnen sich durch eine gute Proportionierung, gediegenen Bauschmuck und eine optisch ansprechende Gliederung aus. Beide Bauwerke werden von Mansarddächern bekrönt.

Abschluss des Hauses ist ein Halbgeschoss aus rotem Backstein

Ebenso erwähnenswert ist das Stadthaus an der Dresdner Straße, Ecke Leßkestraße. Es wurde 1928 fertiggestellt und ist der erste Bau Freitals im Stil der klassischen Moderne. Über dem weit vorgezogenen Erdgeschoss erheben sich drei Etagen, deren Fassade durch eine abstrakte Putz-Kolossalordnung gegliedert wird. Ein Halbgeschoss aus rotem Backstein schließt den Baukörper nach oben hin ab.

Neben verschiedenen Läden befand sich in der ersten Etage das „Café Vaterland“, in dessen Räumen von 1937 bis 1941 das städtische Heimatmuseum untergebracht war. Da sich auch verschiedene medizinische Einrichtungen im Gebäude eingemietet hatten, war das Stadthaus auch lange als Poliklinik bekannt.

Doch der Bau des neuen Freitaler Zentrum stagnierte recht schnell. Grund dafür waren die fehlenden finanziellen Mittel für das große Bauvorhaben. Bitzan hatte auf dem damals noch unbebauten Gelände zwischen dem heutigen Platz des Friedens und der Leßkestraße eine weitläufige Anlage mit Torhäusern, Ladenpassagen, Wandelgängen und zentralem Springbrunnen bauen wollen. Auch ein monumentales Krematorium nebst Friedhofsanlage sollte dort entstehen.

Stadthaus bietet verschiedenen Arztpraxen Platz

Lediglich die Zufahrt zum geplanten Krematorium und fünf repräsentative Bauten, zu denen das Stadthaus, das Finanzamt und die Handels- und Gewerbeschule gehören, entstanden zwischen 1924 und 1928. Heute ist in der ehemaligen Handels- und Gewerbeschule, Dresdner Straße 205, eine Krankenkasse ansässig. Im früheren Finanzamt an der Dresdner Straße 207 haben sich das Deutsche Rote Kreuz und verschiedene Arztpraxen eingemietet. Das Stadthaus ist auch heute noch Sitz verschiedener Arztpraxen. Daneben beherbergt es die Windberg-Apotheke, außerdem noch ein Geschäft für Modelleisenbahnen, ein Elektronikfachgeschäft sowie einen Paketshop.

Ortsgeschichtlich und städtebaulich sind diese Gebäude von großer Bedeutung, und obwohl sie nicht wie geplant inmitten eines Stadtkerns stehen, bieten sie heute zahlreichen Freitalern eine Anlaufstelle für verschiedenste Belange.