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Freitaler Glashütte auf Expansionskurs

Das Freitaler Unternehmen will eine neue Produktionshalle bauen, weil die Nachfrage rapide steigt. Das hat einen Grund.

27.04.2018
Von Annett Heyse

 Glashütte auf Expansionskurs
Christian Müller, Geschäftsführer der SIB Innovations- und Beteiligungsgesellschaft, Göran Grosse und Hans-Bernhard Führ, Geschäftsführer der Glashütte Freital (v.l.) feierten am Donnerstag den Spatenstich für einen Neubau. Die Geschäftsführung des Freitaler Unternehmens investiert Millionen in Ausbau und Modernisierung des Werks in Döhlen. Denn weltweit wächst die Nachfrage nach Glas, vor allem auch nach individuell entworfenen Flaschen und Glasformen.

© Karl-Ludwig Oberthür

Freital. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Maschinen schnaufen, rotglühendes Glas tropft in Formen und fährt wenig später eine Ebene tiefer als Weinflasche auf einem Transportband durch die Produktionshalle. „120 Tonnen Glasschmelze können wir hier am Tag verarbeiten. Das entspricht im Durchschnitt 300 000 Einheiten“, sagt Hans-Bernhard Führ. Doch das ist den Geschäftsführern der Glashütte Freital nicht mehr genug. Nur 30 bis 40 Prozent aller Anfragen könne man momentan bedienen, rechnet Führs Kompagnon Göran Grosse vor. „Die Nachfrage nach Glas ist so gestiegen, dass wir erweitern müssen.“

Nun ist es soweit. Am Donnerstag war Spatenstich für einen Neubau. Er soll zwischen der jetzigen Produktionshalle und dem Bahndamm entstehen. Geplant ist ein Gebäude von 2 500 Quadratmetern Grundfläche und 20 Metern Höhe. Darin soll ein neuer Schmelzofen errichtet werden. „Die neueste Generation, alles Stand der Technik und so umweltfreundlich, wie es in der Branche möglich ist“, schwärmt Hans- Bernhard Führ. Allein die Filteranlage sei eine Millioneninvestition. 150 Tonnen Glasschmelze am Tag schafft der neue Ofen. Dazu kommt eine Spezialmaschine, die unterschiedliche Glasformen und Elemente herstellen kann. Das zeitaufwendige Umbauen der Formen, wie jetzt noch, entfällt dann weitestgehend.

Mit einem Schlag wird Freitals Glashütte ab Inbetriebnahme die Jahresproduktion von heute 80 Millionen Flaschen und Gläsern auf gut 180 Millionen Stück steigern. Verarbeitet wird hier überwiegend Glasbruch, also Recyclingmaterial. Nur gut 25 Prozent des Rohstoffs für die Schmelze wird neu zugesetzt.

Das Werk an der Dresdner Straße in Döhlen ist einer der ältesten Produktionsbetriebe im Weißeritztal. Bereits 1802 gegründet, werden hier heute unter anderem Wein-, Saft- und Wasserflaschen sowie Gläser für Lebensmittel, Arzneien, Kosmetika produziert. Die Nachfrage steigt rapide. So verbrauchen die Deutschen pro Jahr und Kopf 40 Kilogramm Einwegglas, das ist Europarekord. Denn viele Hersteller schwenken von der Kunststoffverpackung wieder aufs Glas um. Nudossi zum Beispiel, erzählt Geschäftsführer Grosse. „Glas ist umweltfreundlicher als Plastik und sieht auch hochwertiger aus. Für viele Lebensmittelproduzenten ist das ein Verkaufsargument.“ Der Schoko-Hasselnuss-Aufstrich aus Radebeul wird nun in Gläser aus Freital abgefüllt. Ein weiterer Abnehmer aus der Region ist die Winzergenossenschaft Meißen. Ihre Weine werden in Flaschen aus Freital verkauft. Die Glashütte bedient aber auch den Weltmarkt. So landen zum Beispiel etliche Schiffsladungen mit leeren Weinflaschen in Südamerika.

Bis 2013 gehörte das damals als Glaswerk Freital bekannte Unternehmen zur Preiss-Daimler-Gruppe. Vier Gesellschafter übernahmen das Werk und benannten es in Glashütte Freital um. Als kleines Unternehmen können die Freitaler ihren Kunden einen großen Vorteil bieten: Sie sind flexibel und stellen schon kleine Serien ab 300 000 Stück her. Das ist für eine Branche wichtig, die ebenfalls im Wachstum begriffen ist: die Craftbier-Brauer. Diese kleinen und von großen Brauereien unabhängigen Produzenten setzen auf individuelles Flaschendesign. Große Glaswerke aber produzieren diese Sonderformen gar nicht. In diese Lücke springen die kleinen Hersteller wie die Glashütte in Döhlen.

Und für die Freitaler ist der Neubau erst der Anfang, nachdem im vergangenen Jahr bereits eine neue Lagerhalle hochgezogen wurde. In den kommenden Jahren plant die Geschäftsführung den Bau zweier weiterer Produktionshallen für jeweils einen Ofen. Eigens dafür wurden bereits Grundstücke hinzugekauft.

Die Investitionskosten für den ersten Bauabschnitt wollen die Geschäftsführer nicht nennen. „Es handelt sich um einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag“, sagt Führ lediglich. Finanziert wird dieser mithilfe der SIB Innovations- und Beteiligungsgesellschaft, einem Ableger der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. Das Unternehmen steuert als stiller Teilhaber einen höheren Millionenbetrag bei, damit die Glashütte die Baukosten stemmen kann.