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Donnerstag, 19.02.2015

Freiraum Elbtal gibt nicht auf

Am 27. Februar wird das Gelände des Vereins für das Bauprojekt Marina Garden geräumt. Um das zu verhindern, gaben die Künstler Unterschriften im Rathaus ab.

Von Sarah Grundmann

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Ein dicker Ordner voller Unterschriften: Antje Sobanski und Thomas Herold vom Verein Freiraum Elbtal gaben ihn gestern im Rathaus ab. Etwa 9000 Unterschriften wurden gesammelt, damit die Künstler auf dem Gelände bleiben.
Ein dicker Ordner voller Unterschriften: Antje Sobanski und Thomas Herold vom Verein Freiraum Elbtal gaben ihn gestern im Rathaus ab. Etwa 9 000 Unterschriften wurden gesammelt, damit die Künstler auf dem Gelände bleiben.

© Sven Ellger

Es war ein ungewohnter Anblick: In vier Bussen rollte gestern gegen 14 Uhr eine Gruppe bunt gekleideter Künstler vor dem Dresdner Rathaus an. Die Mitglieder des Vereins Freiraum Elbtal wollten ein Zeichen setzen. Mit einer Unterschriftenliste versuchen die Kreativen, die Räumung ihres Geländes auf der Leipziger Straße 33a doch noch zu verhindern – knapp 9 000 haben sie zusammenbekommen.

Erst kürzlich wurde die Zwangsräumung des Geländes mit einem Gerichtsvollzieher beschlossen, am 27. Februar um 8 Uhr müssen alle Kreativen das Areal unterhalb der Leipziger Straße verlassen. Denn dort möchte Investorin Regine Töberich das Quartier „Marina Garden“ mit insgesamt 224 Wohnungen bauen. Derzeit liegt das Projekt allerdings auf Eis, da Rot-Grün-Rot einen Gegenentwurf vorgelegt haben, über den im Stadtrat noch nicht entschieden wurde. Solange der Bau nicht beginnt, möchten die Künstler das Grundstück weiterhin nutzen.

Einige sind zwar vorübergehend auf dem Globus-Gelände untergekommen, aber ein harter Kern ist geblieben. „Wenn wir jetzt umziehen, muss alles neu organisiert werden“, sagt die Sprecherin des Vereins, Stephanie Schulz. „Außerdem ist es für uns sehr schwer, eine geeignete Ersatzfläche zu finden.“ Schließlich brauchen die Künstler viel Platz für ihre Werkstätten.

Deshalb sollten die Unterschriften gestern an Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) übergeben werden – doch so weit kam es nicht. Denn Orosz war nicht im Haus, die Liste wurde von einem Rathausmitarbeiter entgegengenommen. Noch heute sollen sie an Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) übergeben werden. Außerdem soll ein Gesprächstermin mit Marx vereinbart werden. Die Vereinsmitglieder hoffen, dass er noch vor der Räumung stattfindet.

„Richtig glücklich bin ich mit dem heutigen Ergebnis nicht“, sagt Vereinsvorstand Thomas Herold. „Aber wenigstens sind die Unterschriften als symbolischer Akt übergeben. Wir sind dankbar für so viel Unterstützung.“ Die erhält Freiraum Elbtal auch von Stadträten. Torsten Schulze (Grüne) und Kristin Hofmann (Linke) setzen sich für den Verbleib des Vereins ein. „Für eine lebens- und liebenswerte Stadt muss es Plätze geben, an denen sich Einwohner ausprobieren können“, so Hofmann.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 23 Kommentare

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  1. albatros

    Habe ich etwas falsch verstanden, die Kreativen wollen die Räumung IHRES Geländes verhindern. Ich dachte immer es gehöre ihnen nicht. Welches Recht sprechen diese Leute eigentlich einem Eigentümer zu. Ich würde empfehlen, dass die beiden Stadträte ein Geländer erwerben und es den Künstlern zur Verfügung stellen. Wie kann man als Stadtrat über fremdes Eigentum verfügen wollen? Muss ich das verstehen?

  2. winfried

    Enteigung per Unterschriftensammlung; das ist ein seltsames Rechtsverständnis! Um sich auszuprobieren, sollte der Verein sich doch einfach ein Grunstück kaufen (d.h. Geld statt Unterschriften einsammeln ;-) ) - auf fremden Gelände sich so aufzuspielen... Mal gucken was RotRotGrün und Frau Stange dazu sagen. Vielleicht spendet ja auch Herr Schollbach...

  3. Robert

    Dass das, wofür sich Herr Schulze und Frau Hofmann einsetzen, rechtlich nicht umsetzbar ist, wissen beide (zumindest bin ich mit bei Frau Hofmann da sicher). Es ist gegenüber den bislang geduldeten Nutzern unfair, denen Hoffnung zu machen. Aber so isses: Grün und Dunkelrot sind für Aktionismus gut - nicht für rechtskonformes Herangehen.

  4. O.W.

    Man sollte hier einmal den Ball flach halten. So lange kein Baubeginn erfolgt, spricht nichts gegen eine Weiternutzung des Grundstücks durch den Verein. Die Leute werden hier von einigen immer als widerrechtliche Besetzer fremden Eigentums dargestellt, was überhaupt nicht den Tatsachen entspricht. Die Nutzung des Grundstücks war der jetzigen Eigentümerin ja beim Kauf bekannt, und so lange sie keine Baugenehmigung für eine anderweitige Nutzung hat, soll sie bitte die Leute dort in Ruhe lassen! Wenn die Eigentümerin etwas Weitsicht hätte, würde sie durch solche Aktionen nicht unnötig Öl ins Feuer gießen, aber schon an der Drohung mit der Sperrung des Elberadwegs konnte man ablesen, welche Defizite hier vorliegen.

  5. 12041953

    Wieder einmal ein Beweis dass diese Damen und Herren völlig weltfremd sind und in ihrer eigenen Welt leben. Wie wäre es sich einfach ein Grundstück zu kaufen, anstatt anderer Leute Eigentum zu besetzen und sich dann noch darüber zu beschweren wenn der Eigentümer sein Recht einfordert?

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