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Mittwoch, 07.03.2018

Frau Haifisch feiert den Frauentag

12 Illustratorinnen aus aller Welt gestalten das Google Doodle für den 8. März – der Comicstrip aus Leipzig erzählt vom Glück eines Mädchens und der ganzen Nation.

Von Stefan Becker

Ein Klick auf das Google-Doodle genügt und schon erscheinen die 12 Geschichten zum Internationalen Frauentag.
Ein Klick auf das Google-Doodle genügt und schon erscheinen die 12 Geschichten zum Internationalen Frauentag.

© Google

Leipzig/Mountain View. Als sie die Anfrage las, musste Anna Haifisch erst zweimal hinschauen und danach noch einmal zur Sicherheit die Gläser der Brille putzen. Doch es blieb dabei: Der Weltkonzern Google fragte bei der jungen Comic-Zeichnerin aus Leipzig nach, ob sie nicht Lust hätte, eine kleine Geschichte zum Weltfrauentag beizutragen. Und dann nicht irgendeine Geschichte, sondern ihre ganz persönliche. Das Thema schickten die Kalifornier auch gleich mit über den großen Teich – es lautete „Chance“.

Was für eine Chance! Normalerweise besitze das „Doodle“ von Google eher regionalen Charakter, erklärt die Pressesprecherin des Unternehmens. Das englische Wort „Doodle“ bedeutet übersetzt ins Deutsche soviel wie Kritzelei und meint die fast täglich wechselnden, kreativen Schreibweisen des Firmennamens.

Doch am Weltfrauentag sei alles anders, sagt Lena Heuermann. „12 Künstlerinnen aus aller Welt haben uns kleine Geschichten gezeichnet und die stehen alle zeitgleich und der Seite der Suchmaschine.“ Pro Sekunde schauen laut Statistik rund 64 000 Menschen auf die Homepage und starten ihre Suchanfrage – das wären rund 230 Millionen User in der Stunde und am gesamten Frauentag theoretisch ein Publikum von 5,5 Milliarden Zuschauern.

Das an diesem besonderen Tag vielleicht sogar noch wächst, weil Frauen gezielt nach den 12 Geschichten der Illustratorinnen suchen. Die Frauen kommen aus Japan, Großbritannien, Brasilien, Thailand, den USA, Sri Lanka, Indien, Mexiko, Pakistan, Italien, Südafrika und eben Leipzig. Dort kam Anna Haifisch 1986 auf die Welt. Von den kurzen drei Jahren als Kind in der DDR und ihren Möglichkeiten durch den Fall der Mauer handelt auch ihre Google-Doodle-Geschichte unter dem Titel „Chance“


Die sechs Sequenzen von "Chance"

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„Sie wollten unbedingt eine biografische Geschichte und da habe ich natürlich die Wende genommen, denn ohne die wäre ich wohl nie Künstlerin geworden, ich weiß nicht, ob ich je hätte studieren dürfen“, sagt sie. Das Studium absolvierte sie dann an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, versuchte sich erst in düsteren Holzschnitten, erkannte dann ihr Talent für skurrile Figuren und deren Geschichten. Damit avancierte sie zur Meisterschülerin und in den USA zur Größe im Underground. Denn dort veröffentlichte das Polit-Portal Vice in wöchentlich wechselnden Episoden ihren Comic „The Artist“.



Die Künstlerin Anna Haifisch aus Leipzig. Foto: Becker

In einem ähnlichen Stil , wie die Tageszeitungen einst Popeye und Charlie Brown populär gemacht hatten, nahm jetzt die internationale Comic-Szene bunte Notiz von der jungen Frau aus dem Osten der Bundesrepublik. Die gerade mit ihren zeichnenden Kollegen mittendrin steckt in den Vorbereitungen für ein kleines Comic-Festival des The Millionaires Club „“. Das läuft seit Jahren parallel zur Leipziger Buchmesse und es laufe ziemlich gut, sagt sie: Diesmal haben sich über 100 Künstler angemeldet und rund 3 000 Besucher erwarten die Leipziger im Conne Island.



Die Einladung zum Club der Comic-Millionäre. Foto: Becker

Wie viele Besucher sich dagegen am Frauentag weltweit ihre Geschichte anschauen werden, die dann in 120 Sprachen übersetzt sein soll, daran mag sie noch gar nicht denken. Das sei ein „reelles Ding“ und ziemlich gigantisch, sagt sie, denn Google schenkt den 12 Frauen nicht nur die obligatorischen 24 Stunden des Tages, sondern legt noch ein paar drauf – je nach Zeitzone. Der Konzern startete das Projekt bereits am Mittwoch um 17 Uhr MEZ und beendet es dann jeweils am Donnerstag um Mitternacht.

Bis dahin weiß Anna Haifisch vielleicht auch schon, wie sich ihr Buch „Von Spatz„ in den USA und in Kanada verkauft. Ein Hauptcharakter der fiktiven Geschichte ist Walt Disney, kein ganz Unbekannter in der Comic-Welt. Google spuckt zu der Suche nach ihm in 0,78 Sekunden über 66 Millionen Treffer aus, doch das ist wieder eine andere Geschichte.



"Von Spatz": die Passende Lektüre für die Reise ins Rehab-Center. Foto: Becker

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