erweiterte Suche
Montag, 10.06.2013

Franken-Sachsen-Express droht das Aus

Die Bahntrasse von Dresden nach Nürnberg war einst Teil einer Hauptverkehrsader. Jetzt fährt dort nur noch der Nahverkehr. Und der verliert trotz hoher Investitionen immer mehr an Fahrt.

5

Die Bahntrasse von Dresden nach Nürnberg war einst Teil einer Hauptverkehrsader. Jetzt fährt dort nur noch der Nahverkehr. Und der verliert trotz hoher Investitionen immer mehr an Fahrt.
Die Bahntrasse von Dresden nach Nürnberg war einst Teil einer Hauptverkehrsader. Jetzt fährt dort nur noch der Nahverkehr. Und der verliert trotz hoher Investitionen immer mehr an Fahrt.

© dpa

Plauen/Dresden. Komfortabel länger unterwegs: Wenn die Bahnstrecke zwischen Plauen im Vogtland und Hof (Bayern) Ende des Jahres elektrifiziert ist, wird sich das für die Fahrgäste nicht nur vorteilhaft auswirken. Fahrzeiten werden sich verlängern, weil Reisende aus Sachsen in Richtung Nürnberg dann nach Bahnanagaben teilweise in Hof umsteigen müssen. Und von 2015 an ist es keinesfalls sicher, dass es den „Franken-Sachsen-Express“ von Dresden nach Nürnberg als durchgängige Bahnverbindung überhaupt noch geben wird. Laut Bahn können sich die Reisenden zwischen Hof und Dresden immerhin auf eine Fahrt in leisen und klimatisierten Doppelstockwagen freuen.

Auf dem Gelände des Chemnitzer Hauptbahnhofs wuseln die Arbeiter auf den Gleisen. „Ausbaustrecke Leipzig/Dresden-Hof-Stuttgart- Karlsruhe“, steht auf dem Bauschild. Doch schon seit Jahren geht es hier im Personenverkehr maximal zwischen Dresden und Nürnberg hin und her. Im stündlichen Wechsel ist ein Interregio-Express (IRE) und ein von den regionalen Verkehrszweckverbänden für den Nahverkehr gemeinsam finanzierter Regional-Express (RE) unterwegs. Eine Fahrt mit dem IRE von Dresden nach Nürnberg dauert aber rund vier Stunden.

Ohne Neigetechnik geht es nicht so schnell

Wenn Ende 2013 die Elektrifizierung bis Hof abgeschlossen ist, wird laut Bahn zunächst der RE auf elektrischen Betrieb umgestellt. Die schmucken, neuen Doppelstockzüge haben jedoch anders als die Dieseltriebwagen keine Neigetechnik und sind deshalb auf der bisweilen kurvenreichen Strecke nicht so schnell. Allein die Fahrt bis Hof wird von Dresden aus dann etwa vier Stunden und zwanzig Minuten dauern. Reisende Richtung Nürnberg müssen in Hof zudem künftig in einen Dieselzug umsteigen, der allerdings am gleichen Bahnsteig bereitstehen soll, wie die Bahn versichert.

Doch zumindest der IRE bleibt noch bis Ende 2014 als durchgängige Verbindung erhalten - dieselgetrieben. Dann jedoch will die Bahn aus der Finanzierung aussteigen. „Wir fahren jährlich Verluste in Millionenhöhe ein“, begründet eine Bahnsprecherin in Leipzig, ohne genaue Zahlen zu nennen.

Anstelle der Bahn sollen die Zweckverbände einspringen. Womöglich werden dann aber auch diese Züge auf den kostengünstigeren elektrischen Betrieb umgestellt - mit Umsteigen in Hof. Der Sprecher des Verkehrsministeriums, Florian Schaefer, sagt, bislang seien für die Jahre 2015 bis 2020 nur von Dresden bis Hof Zugverbindungen im Ein-Stunden-Takt finanziert. Wie es von Hof nach Nürnberg dann weitergehen werde, vermag er nicht zu sagen. Das sei Sache der Zweckverbände. „Dafür ist der Freistaat nicht zuständig.“

„Es ist noch nicht entschieden, ob es weiter eine durchgehende Verbindung geben wird“, sagt die Sprecherin des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS), Silke Dinger, in Chemnitz. Sicher sei das nicht. Denn: „Mehr als drei Viertel unserer Fahrgäste sind zwischen Dresden und Hof unterwegs.“ Da seien die Verbindungen in Sachsen wichtiger.

Die Verkehrsexpertin der Grünen im Landtag, Eva Jähnigen, sieht deshalb das Land in der Pflicht, um den Franken-Sachsen-Express zu retten. „Das ist kein Nahverkehr mehr. Das überfordert die Zweckverbände“, sagt sie. Und der Fahrgastverband Pro Bahn in Bayern sieht sogar den Bund gefordert. „Das ist eigentlich Fernverkehr“, stimmt der Sprecher des Verbandes, Winfried Karg, Jähnigen zu. „Das ist eine Hauptverkehrsader. Dresden und Nürnberg sind doch keine Dörfer.“ (dpa)

Auch die ICE-Strecke Berlin-Dresden bereitet Sorgen

Auch auf einer anderen Strecke gibt es Schwierigkeiten. Zwischen Berlin und Dresden wird es wegen baulicher und planerischer Verzögerungen wird es eine schnellere ICE-Verbindung wohl erst Ende 2017 geben.

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Dr. Harald Jürgens

    Wir reden von Internationalisierung und Globalisierung. Wir leben in der Europäischen Union, haben einen gemeinsamen europäischen Binnenmarkt und eine gemeinsame Währung. Aber in Sachen Öffentlicher Personenverkehr wird zwischen Bund und Ländern gestritten und innerhalb der Länder - sogar innerhalb der Landkreise - streiten sich die so genannten Verkehrsverbünde. Wann hört diese "Kleinstaaterei" endlich auf?

  2. InterCityExpress

    Die Bahn tut in den mitteldeutschen Landen zu wenig. Es ist unerträglich, (häufig) mit diesem IRE von Nürnberg nach Dresden zu fahren. Überfüllte Züge, schlechte hygienische Bedingungen und null Komfort. Ich bin z.B. zw. München und Dresden unterwegs. Da fährt man von München nach Nürnberg die 170km in etwas mehr als einer Stunde mit dem ICE*, um dann in die Steinzeit bzw. Barbarei zurückzuverfallen, fast halbes Tempo, zwielichtiges Volk im Zug etc. Der ICE Umweg über Leipzig bringt mit 6:20 Fahrtzeit etwas Verbesserung, viell. besseres Publikum. Überall im sog. "Osten", gemeint ist Mitteldeutschland, ist infrastrukturell noch viel zu tun und nach dem erneuten Hochwasser wieder noch mehr. *Vergleich Berlin - Dresden ca. 2:10 Stunden mit EC, aber nonstop, also halbe Geschwindigkeit Auto oder Flugzeug können uns allen nicht wirklich gewollt sein. Man sieht daran, wie arm und entwicklungsbedürftig Deutschland doch ist, am Tropf der Autoindustrie ohne wirkliche Zukunft.

  3. Frank Riemer

    Dresden und Nürnberg sind keine Dörfer. Aber es ist noch viel schlimmer. Eigentlich handelt es sich hier um die Fernverkehrsstrecke von Dresden nach München sowie von Dresden nach Stuttgart. Dass es zwischen der sächsischen Landeshauptstadt und den beiden süddeutschen Metropolen keine einzige Bahnverbindung gibt, ist - mild formuliert - schon seltsam.

  4. RadRaudie

    Die Bahn tut in den mitteldeutschen Landen zu wenig. Es ist unerträglich, (häufig) mit diesem IRE von Nürnberg nach Dresden zu fahren. Überfüllte Züge, schlechte hygienische Bedingungen und null Komfort. Ich bin z.B. zw. München und Dresden unterwegs. Da fährt man von München nach Nürnberg die 170km in etwas mehr als einer Stunde mit dem ICE*, um dann in die Steinzeit bzw. Barbarei zurückzuverfallen, fast halbes Tempo, zwielichtiges Volk im Zug etc. Der ICE Umweg über Leipzig bringt mit 6:20 Fahrtzeit etwas Verbesserung, viell. besseres Publikum. Überall im sog. "Osten", gemeint ist Mitteldeutschland, ist infrastrukturell noch viel zu tun und nach dem erneuten Hochwasser wieder noch mehr. *Vergleich Berlin - Dresden ca. 2:10 Stunden mit EC, aber nonstop, also halbe Geschwindigkeit Auto oder Flugzeug können uns allen nicht wirklich gewollt sein. Man sieht daran, wie arm und entwicklungsbedürftig Deutschland doch ist, am Tropf der Autoindustrie ohne wirkliche Zukunft.

  5. A.RO.LE

    Was ich nicht verstehe! Es wird extra neues Rollmaterial (irgendwo abgezogen oder neu beschaft) um von Dresden nach Hof elektrisch zu fahren. Nichts gegen die Elektrifizierung, denn die ist wichtig und zugegeben ich fahre sehr gern mit den Doppelstockzügen. Aber warum nimmt man nicht das bestehende Material, also die 612er und rüstet einen Teil auf elektrischen Antrieb um und fährt dann in Doppel-Traktionen, sprich eine Einheit elektrisch und die zweite Einheit Diesel? Somit bleibt die Neigetechnik erhalten, kann umweltfreundlich bis Hof gefahren werden und ab Hof greift der Diesel-Part .Auch eine Fahrplanänderung entfällt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Umrüstung nicht möglich bzw. im Vergleich zu den anderen auflaufenden Kosten (Fahrplan-Änderung, mehr Züge und Personal, da geteilte Strecke, neues Rollmaterial für den elektr. Teilabschnitt) teurer kommt. Das so neu genutzte "alte" Rollmaterial kann ggf. auch anderswo eingesetzt werden. Über 1h länger bis Nürnberg ist unz

Alle Kommentare anzeigen

Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.