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Dienstag, 15.05.2018

Formschwacher Froome

Der Radprofi fährt beim Giro angeschlagen hinterher. Der Brite steht am Doping-Pranger und schon jetzt ein Fragezeichen hinter seinen Tour-Plänen.

Von Christoph Leuchtenberg

Christopher Froome ist in Italien von den Stürzen gezeichnet.
Christopher Froome ist in Italien von den Stürzen gezeichnet.

© dpa

Wie ein geprügelter Hund schlich Christopher Froome zum Manschaftsbus. Die Knie taten weh, die aufgeschlagenen Ellbogen ebenso, doch noch mehr schmerzte die schwere Niederlage auf der 9. Etappe des Giro d’Italia. Er hat die einstige Leichtigkeit verlassen. Es scheint so zu sein, als würde besonders der Rucksack der weiter brodelnden Doping-Affäre schwer auf seinen Schultern lasten.

„Ich hatte einen harten Tag“, sagte der 32-Jährige, nachdem er am Sonntag das Ziel am Gran Sasso auf 2 135 Meter Höhe mit mehr als einer Minute Rückstand auf Etappensieger und Spitzenreiter, seinen 25-jährigen britischen Landsmann Simon Yates, erreicht hatte. Auf den letzten Metern konnte Froome nicht mal mehr das Hinterrad seines Helfers Sergio Henao halten, der seinen Sky-Kapitän den Berg hinauf ziehen sollte. Es war eine Demütigung.

„Ich habe versucht, mein Bestes zu geben. Aber es ist einfach hart. Irgendwie zieht sich das durch den ganzen Giro. Ich bin ja in Jerusalem schon vor der ersten Etappe gestürzt“, sagte Froome ungewohnt ratlos. Als Gesamtelfter ging er in den zweiten Ruhetag am Montag, 2:27 Minuten beträgt der Rückstand auf Yates. Froomes Vorhaben, als erst dritter Radprofi nach Eddy Merckx (1972/1973) und Bernard Hinault (1982/1983) die drei großen Rundfahrten hintereinander zu gewinnen, scheint für den Tour- und Vuelta-Sieger von 2017 in weite Ferne gerückt zu sein. „Ich muss jetzt den Ruhetag nutzen, optimistisch bleiben, und dann müssen wir unsere Chancen neu bewerten“, sagte Froome.

Schwächephasen sind nichts Neues für ihn. Auch bei seinem Vuelta-Sieg 2017 brach er auf der 18. Etappe ein, erholte sich danach aber schnell wieder. Die Dopingkontrolle nach jenem Teilstück förderte die erhöhte Konzentration des Asthma-Mittels Salbutamol zutage, und mit Bekanntwerden dieses Ergebnisses drei Monate später begann das Unheil.

Froome, der über denSkandal nur das Nötigste sagt, steckt jetzt in einer Lage, in der er eigentlich nur verlieren kann. Reißt Froome beim Giro das Ruder noch herum und findet zu alter Form, dann rückt er erst recht ins Zwielicht. Fährt Froome bis zum Finale in Rom am Anschlag hinterher, verliert er womöglich entscheidende Körner auf dem Weg zur Tour, die sechs Wochen nach Giro-Ende anfängt. Wem in Italien die Form fehlt, so lehrt die Erfahrung, der holt sie sich bis Frankreich kaum zurück.

Falls Froome überhaupt die Chance bekommt, um seinen fünften Tour-Sieg zu kämpfen. Ein Urteil des fast schon skandalös zögerlichen Weltverbandes in der Causa Froome soll bis zur Frankreich-Rundfahrt endlich gefällt sein. Doch auch wenn dieser ihm ein generelles Startrecht einräumen würde, könnte der Tour-Veranstalter den Titelverteidiger zur unerwünschten Person erklären und seine Teilnahme untersagen.

„Ich halte meine Moral hoch und kämpfe weiter“, sagte Froome. So oder so sorgt er im Sommer 2018 weiter für Schlagzeilen. Nur steigt die Wahrscheinlichkeit immer mehr, dass es sich eher um unrühmliche handelt. (sid)

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