erweiterte Suche
Dienstag, 10.07.2018

Fokus: Gesicht

Im Kunstraum Dresden wird die komplexe Bedeutung des Porträts herausgestellt.

Wiebke Herrmann: Sportporträts I-IV, 2017, Öl auf Leinwand, je 55x44 cm. Foto: PR
Wiebke Herrmann: Sportporträts I-IV, 2017, Öl auf Leinwand, je 55x44 cm. Foto: PR

Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Meister+Schüler“ widmet sich der Neue Sächsische Kunstverein e.V. 2018 der Klasse von Prof. Christian Macketanz von der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Zu sehen sind Werke aller Studenten ab dem 2. Studienjahr einschließlich der Meisterschüler und des Professors selbst.

Die Ausstellung „Finding is the first Act. The second, loss.“ ist der Idee des Porträts gewidmet. Dieses Thema wurde vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen in Dresden ausgewählt – denn der Respekt und die Bedeutung von Individualität sind die ersten Dinge, die unter politisch motivierter Gewalt und einer patriotisch-egoistischen Aneignung des Begriffs „Identität“ leiden. Das Porträt bildet nicht nur eine Person ab, sondern spiegelt die Fähigkeiten sowohl des Künstlers als auch des Betrachters wider, zu beobachten, sich einzufühlen und zu reflektieren. Mehr als andere Bildformen, hat das Porträt einen zielgerichteten, kommunikativen Zweck – jahrhundertelang repräsentierte es die abgebildete Person, fixierte ihren sozialen Status und damit das Bild, das die Welt von ihr haben sollte. Mittels idealisierter Schönheits- und stilisierter Machtformeln regulierte es die Wahrnehmung des Selbst im Außen. Es behauptet nicht nur: „Das bin ich.“ – es fragt auch: „Bin ich das?“

In Zeiten von sozialen Medien, in denen die Selbst-Darstellung sowohl demokratisiert als auch allgegenwärtig ist, eröffnen sich dem Genre des Porträts neue Möglichkeiten. Eine Person abzubilden bedeutet eine Hierarchisierung ihrer Mannigfaltigkeit – nur einzelne Aspekte sind sichtbar. Ist eine persona zureichend in ihrem Namen verankert? Warum sind Jan Kunzes Porträts dann so verwirrend? Bildet ein einziger Moment schon eine fertige Identität ab? Als Porträt einer Person gilt auch die Darstellung ihres intimsten Umfeldes. Maria Katharina Morgensterns Fotografien eines bedrohten Habitats verweisen darauf – aber spiegeln sie uns auch die Bilder der eigenen Erinnerung unseres Bildes? Wird jenes absurd, wenn es nur eine schlechte Tonaufnahme ist, die man zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort gehört hat? Das Ringen um einen Blickwinkel jenseits einer plumpen politischen Aussage ist es, das aus dem Porträt eine Herausforderung macht – nicht nur für den Künstler, sondern auch für den Betrachter.

Service

Was: „Finding is the first Act. The second, loss.“

Wann: bis 28. August; Di bis Fr 14-18 Uhr und Sa 10-14 Uhr; nächste Führung am 6. August, 17 Uhr

Wo: Kunstraum Dresden, Schützenplatz 1

Internet: www.saechsischer-kunstverein.de