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Donnerstag, 31.08.2017

Flixbus kappt Strecke nach Berlin

Die Auslastung war offenbar zu gering. Nun geht es von Zittau nur noch in Richtung München, Prag und Breslau.

Von Sebastian Kositz und Thomas Mielke

Flixbus steuert auch weiterhin Zittau an – allerdings gibt es keine Direktverbindung nach Berlin mehr. Ob und wann das Dreiländereck Haltepunkt auf neuen Strecken wird, ist nach Firmenangaben derzeit noch ungewiss.
Flixbus steuert auch weiterhin Zittau an – allerdings gibt es keine Direktverbindung nach Berlin mehr. Ob und wann das Dreiländereck Haltepunkt auf neuen Strecken wird, ist nach Firmenangaben derzeit noch ungewiss.

© Uwe Soeder

Zittau. Da hat die Flixbus-Werbung zu viel versprochen. Direkt von Zittau nach Berlin sollte es gehen, für 13,90 Euro. So war es im Internet zu lesen. „Will man das buchen, gibt es nur eine Verbindung über Breslau (ja, Wroclaw), die neun Stunden in Anspruch nimmt ...“, so Martina Rellin, in Oybin lebende Schriftstellerin und Ex-Magazin-Chefin, vor wenigen Tagen gegenüber der SZ. „Bei der Hotline gibt es keine Auskunft darüber, warum die Verbindung weg ist, respektive ob sie wieder aufgenommen wird.“

Tatsächlich hatte das Fernbus-Unternehmen im April eine Großoffensive für die Oberlausitz gestartet und unter anderem Löbau und Zittau angebunden. Die Fernbusse fuhren von Berlin über Hoyerswerda und Bautzen nach Prag. Außerdem hielten die grünen Reisebusse auf der Strecke von München über Regensburg und Plzen (Pilsen), Prag nach Wroclaw am Hauptbahnhof der Mandau-Stadt.

Doch vier Monate später ist es mit der neuen Reisefreiheit zum Teil schon wieder vorbei. Der Anbieter hat die Direktverbindung nach Berlin eingestellt und damit Löbau laut Flixbus-Fahrplan-Auskunft total und Zittau zum Teil wieder abgekoppelt. „Derzeit finden einige Umstrukturierungen in der Region statt, sodass die Verbindung nach Berlin zum jetzigen Zeitpunkt nicht angeboten werden kann“, bestätigte Susanne Hintermayr von dem Bus-Unternehmen auf SZ-Anfrage mit. „Eine Bewerbung findet daher derzeit auch nicht mehr statt.“ Tatsächlich ist die Internet-Werbung für die Berlin-Verbindung für Löbau und Zittau seit der SZ-Anfrage bei Flixbus nicht mehr aufrufbar.

Der Mandaustadt bleibt die Verbindung von Polen nach Süddeutschland. „Von Zittau können Reisende täglich direkt zu zehn Zielen reisen, darunter Prag, München und Breslau“, so die Sprecherin. „Abfahrt Richtung Süden ist um 21 Uhr, nach Breslau geht es immer um 9.15 Uhr.“ Mit einem Umstieg zum Beispiel in München oder Prag seien viele weitere Ziele in Europa erreichbar. Eben auch Berlin über Breslau. Die Einrichtung neuer Strecken, auf denen Busse in Löbau oder Zittau halten, sind derzeit nicht abzusehen. „Es finden jedoch kontinuierlich Prüfungen statt, inwieweit das Streckennetz ausgebaut werden kann, sodass entsprechende Neuerungen zu einem späteren Zeitpunkt keinesfalls ausgeschlossen sind“, so Frau Hintermayr.

Warum die Ausweitung der Strecke Berlin-Bautzen nach Prag zurückgenommen wurde, teilt sie nicht mit. Allerdings hatte einer der Verantwortlichen des Unternehmens, Patrick Kurth, jüngst bei einem Besuch in Hoyerswerda bereits das Aus für die Verbindung an die Moldau in Aussicht gestellt und anklingen lassen, dass die Linie in die tschechische Hauptstadt weniger gut laufe.

Auch andere Oberlausitzer Städte hat es getroffen. Von Bautzen geht es zum Beispiel nun nicht mehr direkt nach Niederschlesien, Böhmen und Bayern. Überhaupt ist das Streckennetz seit der flächendeckenden Einführung der Fernbusse zwar immer größer geworden, die Oberlausitz aber immer mal wieder mehr oder weniger stark eingebunden oder abgekoppelt worden. Bis 2013 war der Fernverkehr im Prinzip der Bahn vorbehalten. Dann änderte der Gesetzgeber die Spielregeln. Die Fernbus-Unternehmen schossen wie Pilze aus dem Boden. Als erstes Fernbusunternehmen hatte sich im Mai 2015 Postbus in die Oberlausitz vorgewagt. Der Linie von Görlitz über Bautzen, Berlin und Hannover nach Köln folgte bald eine weitere Ost-West-Verbindung, die zwischen Görlitz und Köln unter anderem Stopps in Bautzen, Erfurt und Düsseldorf ansteuert. Doch immer wieder wurden auch Strecken eingestellt, wenn sie sich nicht rechneten. Ein finanzielles Polster, um auf den Erfolg warten zu können, hatten viele der Firmen nicht: Laut dem Bundesamt für Güterverkehr lieferten sie sich zumindest in den Anfangsjahren einen extremen Konkurrenzkampf mit kaum kostendeckenden Preisen.

Inzwischen hat sich durch Fusionen, Insolvenzen und Geschäftsaufgaben einiges geändert. Flixbus ist mit einem Marktanteil von rund 90 Prozent mit deutlichem Abstand Marktführer und bietet eigenen Angaben zufolge 1200 Fernbusziele in Europa an. „Wir erwarten für das laufende Jahr einen neuen Passagierrekord“, so Frau Hintermayr. „2017 werden wir voraussichtlich Fahrgastzahlen in der Größenordnung von 40 Millionen haben. Im vergangenen Jahr reisten bereits 30 Millionen Menschen mit FlixBus.“ Der Marktführer war es, der für Löbau und Zittau vor vier Monaten das neue Reisezeitalter einläutete und die beiden Städte erstmals an das Fernbusnetz anband. Andere Anbieter sind zum Beispiel DeinBus oder der IC Bus der Deutschen Bahn. Auf ein Wort