erweiterte Suche
Mittwoch, 13.06.2018 Kommentar

Finanziell und moralisch ein Desaster

RTL 2 half den Thieres bei der Haussanierung. Catharina Karlshaus kommentiert die Zahlungen bei „Zuhause im Glück“.

SZ-Redakteurin Catharina Karlshaus.
SZ-Redakteurin Catharina Karlshaus.

© Archiv/Kristin Richter

Wie kann das denn bitteschön passieren? Da gibt es bereits seit 2005 eine überaus erfolgreiche Fernsehsendung. Eine, deren Zutaten neben der Rundum-Unterstützung von Familien, dem quotenträchtigen Einblick in ein fremdes Leben, gepaart mit schickem Vor- und Nachhereffekt, vor allem menschliches Leid sind. Folgenreiche Unfälle, Krankheiten und Tod, viele Tränen, wenig Hoffnung, erst recht kein Geld und schließlich der erlösende Lichtblick durch das Eingreifen der Sendungsmacher sind seit über 200 Folgen der Stoff, aus dem die Dienstagabend-Träume gewerkelt werden.

13 Jahre, in denen bisher niemandem aufgefallen sein soll, dass das alles in einem Land über den Bildschirm flimmert, in welchem das Finanzamt noch nicht mal zu Fußballikonen gnädig ist? Dass man für erhaltene Geld- oder Sachleistungen Einkommens- beziehungsweise Schenkungssteuer zahlen muss, ist keine neue Erfindung. Umso neuer indes die Erkenntnis, dass der sogenannte geldwerte Vorteil, der den Teilnehmern mit moderner Küche, Couch & Co entstanden ist, steuerlich nicht etwa durch den erfahrenen TV-Produzenten UFA getragen wird.

Erstaunlich und bitter zugleich! Müssten die Macher der Sendung „Zuhause im Glück“ doch wissen, weshalb sich ihre Protagonisten überhaupt von fremden Menschen vor laufender Kamera unter die Arme greifen lassen. Menschen, die sich in einer Lebenssituation befinden, in welcher sie kräftemäßig und finanziell absolut mit dem Rücken zur Wand stehen. Eine saftige Steuernachzahlung im fünfstelligen Bereich dürfte ihnen jetzt den Rest geben. Etwas, das die Fernsehschaffenden wissen sollten – und jetzt moralisch verantworten müssen.

Links zum Thema

E-Mail an Catharina Karlshaus.