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Mittwoch, 01.08.2018

Feuer vernichtet Heulager und gefährdet Kühe

Stundenlang kämpft die Feuerwehr gegen Flammen und Hitze. Die Tiere werden gerettet, das Heu nicht. Es gibt aber Hilfe.

Von Daniel Förster und Heike Sabel

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Über 100 Feuerwehrleute gaben alles, um zu verhindern, dass das die Flammen auf benachbarte Ställe und ein Getreidesilo übergreifen.
Über 100 Feuerwehrleute gaben alles, um zu verhindern, dass das die Flammen auf benachbarte Ställe und ein Getreidesilo übergreifen.

© Daniel Förster

  • Über 100 Feuerwehrleute gaben alles, um zu verhindern, dass das die Flammen auf benachbarte Ställe und ein Getreidesilo übergreifen.
    Über 100 Feuerwehrleute gaben alles, um zu verhindern, dass das die Flammen auf benachbarte Ställe und ein Getreidesilo übergreifen.
  • Die Wände der Halle wurden durch die Hitze stark deformiert und drohten einzustürzen.
    Die Wände der Halle wurden durch die Hitze stark deformiert und drohten einzustürzen.
  • Die Lagerhalle voller Heu und Stroh brannte lichterloh. Löschen bei der ohnehin schon großen Hitze war ein Knochenjob. Die Einsatzkräfte wurden vom Katastrophenschutzzug des ASB und der Johanniter versorgt.
    Die Lagerhalle voller Heu und Stroh brannte lichterloh. Löschen bei der ohnehin schon großen Hitze war ein Knochenjob. Die Einsatzkräfte wurden vom Katastrophenschutzzug des ASB und der Johanniter versorgt.
  • Der Rinderstall an der Rückwand der Lagerhalle konnte vor den Flammen geschützt werden – und damit auch die Tiere.
    Der Rinderstall an der Rückwand der Lagerhalle konnte vor den Flammen geschützt werden – und damit auch die Tiere.

Bahretal. Die Flammen waren schnell und lange weit zu sehen. Ein Großfeuer zerstörte am späten Dienstagabend ein Stroh- und Heulager der Agrargenossenschaft Niederseidewitz. Der Feuerwehr gelang es, das Übergreifen der Flammen auf einen Kuhstall und ein Getreidesilo zu verhindern. Über 100 Feuerwehrleute aus elf Wehren mit 21 Fahrzeugen sowie Landwirte waren die ganze Nacht im Einsatz.

Am späten Abend habe es plötzlich aus dem vor etwa 18 Jahren gebauten Flachbau gequalmt. Vor allem in einer Ecke sei Rauch aufgestiegen. Als Landwirte die betroffenen Ballen zum Löschen herausnehmen wollten, habe es eine Verpuffung gegeben und alles stand in Flammen. Das Strohlager ist 1 000 Quadratmeter groß und war zu drei Viertel zum Teil bis unters Dach voll. Rund 600 Ballen Stroh, etwa 300 Tonnen, mussten gelöscht werden. Die Landwirte trieben die Hälfte der 600 Kühe aus dem benachbarten Stall in einen angrenzenden Jungviehstall.

Das größte Problem neben der Hitze war ausreichend Wasser vor Ort zu bringen. Das war sehr kompliziert. Als die Feuerwehr Wasser aus dem Hochbehälter und damit der Hauptwasserleitung entnahm, wäre das öffentliche Netz schnell an seine Grenzen gestoßen. Um weiterhin eine sichere Trinkwasserversorgung der umliegenden Orte gewährleisten zu können, hat die Feuerwehr eine externe Wasserversorgung aufgebaut. Also wurde ein Pendelverkehr zum sechs Kilometer entfernten Rückhaltebecken zwischen Friedrichswalde und Gersdorf eingerichtet. Vier Tanklöschfahrzeuge aus Königstein, Meusegast, Graupa und Berggießhübel fuhren ständig hin und her, um dauerhaft Wasser an der Einsatzstelle zu haben. Parallel holten Landwirte der Agrargenossenschaft mit drei Traktoren samt Gülleanhängern Wasser aus dem Steinbruch Nentmannsdorf, um den 300 Kubikmeter großen Löschwasserbehälter immer wieder aufzufüllen und damit die Drehleiter aus Pirna – die zieht 90 000 Liter in der Stunde - zu versorgen.

Der Feuerwehr gelang es, die zu bersten drohende Seiten- und Rückwand abzukühlen. Die Wände hatten sich stark verformt, stürzten aber nicht ein. Die Halle, an die tagsüber die Sonne geprasselt hatte, glühte wie eine Apfelsine, sagt Einsatzleiter Achim Schrön. „Ich bin froh, dass die Seitenwand so lange gehalten hat, vor allem auch hinten die Wand, weil dort der Rinderstall gefährdet war.“ Auch das Getreidesilo drohte durch die enorme Hitze zu detonieren. Das konnte verhindert werden, die dort gelagerte Braugerste ist jedoch hin. Das Ballenlager wurde mit Radladern systematisch ausgeräumt, die Ballen am Mittwoch einzeln weiter abgelöscht.

Zu all den Problemen kam noch die Hochsommerhitze. Deshalb mussten die Feuerwehrleute immer wieder abgewechselt werden und konnte nicht mit Atemschutz arbeiten. Es wurden Personalreserven gebildet und aus allen Gerätehäusern Getränke gebracht. Der Versorgungszug des Katastrophenschutzes von ASB und Johannitern sorgte sich um die Feuerwehrleute und Landwirte.

Am Tag danach wurde weiter gelöscht und das ganze Ausmaß deutlich. In Euro kann der Schaden noch nicht beziffert werden. Die Polizei ermittelt zur Ursache des Brandes. Die Landwirte müssen die Genossenschaft erst einmal irgendwie am Laufen halten. Besonders bedauerlich: Der Großteil der Heu-Reserven ist vernichtet. „Heu gibt es keines mehr. Es wächst doch nichts mehr bei der Dürre“, sagt ein Bauer.

Der Regionalbauernverband will in Absprache mit den Niederseidewitzern einen Aufruf starten, sagt Geschäftsführerin Sylvia Konrad. Auch wenn kaum jemand aufgrund der Trockenheit das Heulager voll hat, vielleicht kann so etwas Hilfe organisiert werden. Die erste war moralisch und auch schon praktisch: Mitgliedsbetriebe stellten Personal und Technik bereit.