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Mittwoch, 14.09.2016

Felsenbühne mit Besucherrekord zum Saisonfinale

Mehr als 1 800 Gäste sahen am Sonnabend „Winnetou I“. Insgesamt war aber die Spielzeit durchwachsen.

Von Thomas Morgenroth

Die Blutsbrüder Winnetou (Peter Mohr, l.) und Old Shatterhand (Holger Uwe Thews) haben bei der Autogrammstunde allen Grund zum Lachen – nicht nur, weil sie für ihr Spiel viel Applaus bekommen haben. Foto: Thomas Morgenroth
Die Blutsbrüder Winnetou (Peter Mohr, l.) und Old Shatterhand (Holger Uwe Thews) haben bei der Autogrammstunde allen Grund zum Lachen – nicht nur, weil sie für ihr Spiel viel Applaus bekommen haben. Foto: Thomas Morgenroth

„Mein Bruder.“ „Mein Bruder.“ Vier Worte, bei denen sogar hartgesottene Männer weich werden. Wenn sich Winnetou und Old Shatterhand, stolz auf ihren Pferden sitzend, gegenseitig ihre ewige Verbundenheit versichern, bleibt kaum ein Auge trocken. Nicht anders am vergangenen Sonnabend auf der Felsenbühne Rathen, als mehr als 1 800 Zuschauer am Ende des zweistündigen Abenteuerstücks „Winnetou I“ kollektiv seufzten. Karl May ist eben nicht nur für wilde Schießereien zwischen Indianern und Westmännern gut, sondern auch für große Emotionen.

Olaf Hörbe, der den Stoff für die Landesbühnen Sachsen bearbeitet hat und selbst als Winnetous Vater Intschu-tschuna mitspielt, schrieb einmal mehr einen Bestseller für Europas schönstes Naturtheater. Inszeniert von Manuel Schöbel, dem Intendanten der Landesbühnen, avancierte „Winnetou I“ auch im zweiten Jahr zu einem Publikumsrenner und sorgte am vorletzten Tag der Saison für den diesjährigen Besucherrekord im Wehlgrund.

Es war auch aus einem anderen Grund eine bemerkenswerte Vorstellung. Eigentlich sind Michael Berndt-Cananá und Jürgen Haase seit der Premiere im Juli 2015 Winnetou und Old Shatterhand. Weil aber beide erkrankt sind, gab es im September eine wahrscheinlich einmalige Blutsbrüderschaft zwischen Peter Mohr, der bereits seit Saisonbeginn den Häuptling der Apachen gibt, und Holger Uwe Thews, der an drei Terminen die Rolle des Greenhorns mit der Schmetterhand übernahm.

Dem Publikum auf den ausverkauften Bänken dürfte die veränderte Besetzung kaum aufgefallen sein, warum auch, es bekam das versprochene Spektakel auf gewohnt hohem Niveau. Das gilt gleichwohl für alle Inszenierungen auf der Felsenbühne, die allerdings unterschiedlich populär sind, wie Andreas Gärtner weiß, der seit 1990 Chef des Naturtheaters ist. Mit durchschnittlich eintausend Zuschauern pro Aufführung gehören „Winnetou“, „Der Glöckner von Notre Dame“, „Die Zauberflöte“ und „Der Freischütz“ zu den „Quotenbringern“. Weniger nachgefragt waren das Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“, mit dem die Saison am Sonntag zu Ende ging, und das Tanzstück „Momo“.

Mit 63 000 Besuchern bei 82 Veranstaltungen bilanziert Gärtner eine „gute Spielzeit, die sich im oberen Mittel der vergangen zehn Jahre“ einreiht. Nicht zu vergleichen freilich mit dem Rekordjahr 2015, als noch einmal zehntausend Gäste mehr kamen. „So einen Bombensommer gibt es nun mal nicht jedes Jahr“, sagt Gärtner. Fielen im Vorjahr wegen schlechten Wetters nur zwei Vorstellungen aus, waren es in diesem Jahr sechs, darunter auch ein „Winnetou“ und ein „Glöckner“. Besonders schmerzte Gärtner die Absage der „Zauberflöte“ am 31. Juli: „Da musste ich 1 005 Leute wieder nach Hause schicken.“

Aber Andreas Gärtner blickt nach vorn. 2017 bringt mit „Die Sonne“ die Uraufführung eines Musikmärchens von Reinhard Lakomy und Monika Erhardt und mit „Die goldene Gans“ die Premiere eines Märchens von Peter Kube. Einen neuen Karl May gibt es nicht, „Winnetou I“ bleibt im Repertoire. Wenigstens noch einen Sommer lang also besiegeln der berühmteste Indianer der Welt und der schlagkräftige Sachse ihre Freundschaft mit ihrem Blut.

www.landesbuehnen-sachsen.de