erweiterte Suche
Dienstag, 15.05.2018

Fast wie an der Ostsee

Zum Start der Badesaison am Bärwalder See ist auch die Wasserwacht wieder da. Noch immer nur im Ehrenamt.

Von Constanze Knappe

Bild 1 von 2

Die Rettungsschwimmer Joachim und Anne Weiß am Klittener Ufer des Bärwalder Sees. Zur Ausrüstung gehören neben dem Boot auch zwei Water Rescue Crafts, die ein Unternehmen zur Verfügung stellt. Die Menschenrettung mit den umgebauten Jetskis muss regelmäßig trainiert werden.
Die Rettungsschwimmer Joachim und Anne Weiß am Klittener Ufer des Bärwalder Sees. Zur Ausrüstung gehören neben dem Boot auch zwei Water Rescue Crafts, die ein Unternehmen zur Verfügung stellt. Die Menschenrettung mit den umgebauten Jetskis muss regelmäßig trainiert werden.

© Joachim Rehle

  • Die Rettungsschwimmer Joachim und Anne Weiß am Klittener Ufer des Bärwalder Sees. Zur Ausrüstung gehören neben dem Boot auch zwei Water Rescue Crafts, die ein Unternehmen zur Verfügung stellt. Die Menschenrettung mit den umgebauten Jetskis muss regelmäßig trainiert werden.
    Die Rettungsschwimmer Joachim und Anne Weiß am Klittener Ufer des Bärwalder Sees. Zur Ausrüstung gehören neben dem Boot auch zwei Water Rescue Crafts, die ein Unternehmen zur Verfügung stellt. Die Menschenrettung mit den umgebauten Jetskis muss regelmäßig trainiert werden.
  • Seit dem 1.Mai sind die 21 Notrufsäulen um den Bärwalder See wieder in Betrieb. Von da aus ist man direkt mit der Rettungsleitstelle verbunden.
    Seit dem 1. Mai sind die 21 Notrufsäulen um den Bärwalder See wieder in Betrieb. Von da aus ist man direkt mit der Rettungsleitstelle verbunden.

Sonne, Strand und mehr. Es hat etwas von Urlaub. Nur, dass von Meer weit und breit nichts zu sehen ist. Die Wellen kräuseln sich leicht auf dem Bärwalder See. Durch sein Fernglas lässt Joachim Weiß den Blick über Sachsens größten Binnensee gleiten. Als Referent beim DRK-Landesverband für die Wasserwachten zuständig, kann der Dresdner auch in seiner Freizeit nicht davon lassen. Der 42-Jährige ist im Ehrenamt oberster Wasserwächter am Bärwalder See. Als solcher war er am Wochenende im Dienst. Wenn dieser ohne besondere Vorkommnisse vonstattengeht, sei es ein bisschen wie Urlaub, sagt er. Trotz aller Konzentration auf die Aufgabe könne er die Zeit genießen. Zumal seine Frau Anne, selbst ausgebildete Rettungsschwimmerin und in der Wasserwacht, Verständnis dafür hat. Seit April seien sie an den Wochenenden öfter am See als zu Hause gewesen, so die 25-Jährige. Töchterchen Ronja (10 Monate) immer dabei. Ebenso Familienhund Coffee, der ihnen an der Ostsee zulief.

Dort war Joachim Weiß regelmäßig als Rettungsschwimmer im Einsatz, bevor er an den Bärwalder See kam. Die Umgewöhnung sei ihm nicht schwergefallen. „Meine kleine Ostsee“, so nennt er das einstige Tagebaurestloch in der Lausitz. Nur dass hier die Wellen nicht ganz so hoch wären wie dort. Am Wochenende haben Joachim und Anne Weiß das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden. Sie waren mit den Dienstfahrrädern am See unterwegs, die Notfallausrüstung dabei. Es sei wichtig, sich sehen zu lassen. „Es gibt Touristen und Urlaubern das Gefühl, dass im Ernstfall jemand in der Nähe ist“, sagt Joachim Weiß.

Wohlwissend, dass dies mit Einschränkungen gilt. Der DRK-Landesverband hat die Wasserwache am Bärwalder See gemietet. Einen Wachvertrag gibt es allerdings auch für die Saison 2018 nicht. Und ohne Vertrag keine Bezahlung! Deshalb werden die Dienste wiederum nur ehrenamtlich ausgeführt. Mit 26 Mitgliedern, vorwiegend im Nachwuchsbereich, könnte die Wasserwacht Boxberg aus eigenen Kräften die Dienste nicht absichern, sagt Sabine Littwin, die Leiterin der DRK-Ortsgruppe. Die Wasserwacht Weißwasser ist nach Aussage von Frank Brosius am Halbendorfer See unter Vertrag. Dem stellvertretenden Leiter der OG Boxberg liegt das Interesse für die Tätigkeit als Rettungsschwimmer irgendwie im Blut. Er sei familiär vorbelastet, so der 33-Jährige, dessen Vater Michael Schwimmmeister ist. Den Spaß in der Gemeinschaft und die Freude, anderen helfen zu können, bezeichnet er als das Spannende in der Wasserwacht. Als Rettungsassistent in Weißwasser habe er sein Hobby zumindest teilweise zum Beruf gemacht. Einmal die Woche ist die Wasserwacht Boxberg, die ansonsten in der Schwimmhalle Weißwasser trainiert, am Bärwalder See.

Dort wechselt sie sich in den Diensten mit anderen Wasserwachten ab. Die trainieren gern am Bärwalder See. Vor allem, wenn sie selbst keinen See vor der Haustür haben. Wasserwachten aus Freital, Dippoldiswalde und Bayern übten 2018 schon mit dem Rettungsboot. Zwei, besser drei Mann Besatzung braucht man dafür. Einer bleibt außerdem im Rettungsturm. Wenn die Gruppen größer sind, ist auch der Strand besetzt. „Dann ist es wirklich wie an der Ostsee“, erklärt Joachim Weiß. Die Gruppen melden sich für das jeweilige Wochenende bei der Leitstelle an – und später wieder ab. So sind sie voll integriert.

Eine Kompromisslösung. Wenn die Woche über etwas passiert, wird die Freiwillige Feuerwehr Boxberg alarmiert. Ehe dann jedoch deren Boot auf dem See ist, könne eine halbe Stunde vergehen. Zeit, die ein in Not geratener Segler oder Surfer womöglich übersteht, ein Schwimmer sicher nicht. Auch deshalb sieht Joachim Weiß den Freistaat in der Pflicht.

Kurs für Rettungsschwimmer

Mit dem touristischen Ausbau des Lausitzer und des Leipziger Seenlands müsste hier wie da die Gefährdung neu bewertet werden, fordert der DRK-Landesverband. Erst recht, wenn 2019 tatsächlich ein Fahrgastschiff auf dem Bärwalder See fährt, sagt Joachim Weiß. Bisher sei lediglich in Südwestsachen die Wasserwacht offiziell ins System des Rettungsdienstes integriert und damit auch hauptamtlich besetzt.

An 46 Tagen waren 2017 Wasserwachtler am Bärwalder See im Einsatz. Zu Buche stehen 17 Erste-Hilfe-Leistungen vom Pflaster bis zur Rettung eines erschöpften Schwimmers. Eine Person musste sogar in eine Klinik gebracht werden. Vier Segelbootbesatzungen wurden an Land geholt, auch sechs Surfer. „Alles zusammengezählt, erscheint es nicht viel“, so Joachim Weiß. Was aber in diesem oder jenem Fall ohne Eingreifen der Wasserwacht passiert wäre, darüber mag er lieber nicht nachdenken. Ohnehin verstünden sie sich allesamt mehr als Teil der präventiven Hilfe. Sie wollen vorbeugend da sein, „damit alle Urlauber wieder heil nach Hause kommen“.

Die Rettungsschwimmer investieren ihre Freizeit. Würde man ihren Aufwand berechnen, stünden für den regulären Betrieb der Wasserwacht am Bärwalder See 25 000 Euro zu Buche. Geld, das so nicht vorhanden ist. Immerhin habe man sich mit der Gemeinde Boxberg darauf einigen können, dass der DRK-Landesverband für die Nutzung der Wasserwacht am Klittener Hafen lediglich die Betriebskosten für Wasser, Strom und Heizung zahlt. Aber allein für die Notrufsäulen an den 21 Rettungspunkten um den See werden pro Saison Kosten von 500 bis 600 Euro fällig.

Seit dem 1. April, dem Beginn der Wassersportsaison am Bärwalder See, sind auch die Wasserwachtler da. Am 22. April waren sie zu sechst und schon ein paar Badegäste am Strand. Im Wachbuch ist zu lesen, dass einem Radfahrer technisch geholfen und jemandem ein Pflaster aufgeklebt wurde. Seit Himmelfahrt füllt sich der Hafen in Klitten. Das DRK Freital war mit fünf Leuten da, die mit ihrem Boot auf dem See Patrouille fuhren. Zu tun gibt es auch ohne Badewetter. Immer dann, wenn Segler oder Surfer, die nicht so oft da sind, das Wetter falsch einschätzen. Heute beginnt offiziell die Badesaison am Bärwalder See.

Einen Kurs zur Ausbildung von Rettungsschwimmern veranstalteten der DRK-Landesverband und die Wasserwacht Boxberg 2017. Ein solcher ist für die erste Woche der großen Ferien geplant. Man sollte gut Brustschwimmen können und 13, aber besser 15 Jahre alt sein.

Besetzt ist die Wasserwacht am Bärwalder See jeweils sonnabends 10 bis 18 Uhr und sonntags 10 bis 17.30 Uhr

Informationen und Anmeldungen zum Rettungsschwimmerkurs unter brosius.frank@web.de