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Samstag, 02.12.2017

Fast 30 000 neue Nachbarn

Dresden wächst weiter, allerdings nicht so stark, wie erhofft. Fünf Trends für die nächsten zwölf Jahre.

Von Sandro Rahrisch

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Blick auf Schloss und Hausmannsturm in Dresden. Die Stadt wächst weiterhin.
Blick auf Schloss und Hausmannsturm in Dresden. Die Stadt wächst weiterhin.

© Robert Michael

In den Straßenbahnen wird es enger, in den Einkaufszentren voller und auch beim Arzt wird man länger sitzen müssen: Dresden wächst. Doch nicht alle Stadtteile dürfen sich über neue Nachbarn freuen. In einigen wird es sogar einsamer.

Trend 1: Dresden wird größer, aber langsamer als gedacht.

Rund 582 600 Einwohner wird Dresden im Jahr 2030 zählen, wenn man der neuesten Bevölkerungsprognose glaubt, die das Rathaus am Freitag vorgestellt hat. Das wären etwa 29 250 Menschen mehr als heute. Noch vor zwei Jahren hatten die Statistiker vorhergesagt, dass die 600 000-Einwohner-Marke deutlich schneller in Reichweite rücken würde. Damals gingen sie von rund 40 000 zusätzlichen Einwohnern aus. Durch den abgerissenen Flüchtlingsstrom kommen zum Beispiel weniger Menschen in die Stadt. Außerdem verliert Dresden Einwohner ans Umland und weniger Frauen bekommen Kinder. Gestützt wird das Wachstum dagegen durch geplante Unternehmensansiedlungen wie Bosch und Philipp Morris. Die Stadt erwartet vor allem Zuzüge aus den neuen Bundesländern. Leipzig rechnet 2030 mit knapp 722 000 Bürgern in der Stadt.

Trend 2: Das Ende des langjährigen Babybooms rückt näher.

Wie jung Dresden eigentlich ist, lässt sich auch daran ablesen, dass im Jahr mehr Kinder zur Welt kommen, als alte Menschen sterben. Doch ein Ende des Babybooms ist absehbar: Bis 2019 werden in Dresdens Krankenhäusern etwa 6 400 Kinder jährlich geboren. Bis 2024 nimmt die Zahl der Geburten dann langsam ab. Sie schrumpft auf etwa 6 000 und wird sich anschließend auf diesem Niveau einpendeln, vermuten die Statistiker.

Der Grund ist einfach: Es wird in Zukunft immer weniger Frauen im gebärfähigen Alter geben. Der Geburtenknick nach der Wende wirkt nach. Gleichzeitig sterben mehr Menschen. Das Ergebnis: Wahrscheinlich im Jahr 2026 verlieren fast genauso viele Dresdner ihr Leben, wie zur Welt kommen.

Trend 3: Mehr Kinder und Jugendliche in der Stadt als heute.

Dresden wird auch in Zukunft eine vergleichsweise junge Stadt bleiben. Zwar werden 2030 weniger Kinder im Vorschulalter in der Stadt leben als heute, weil der Babyboom abflaut. Dafür sind die vielen Kinder aus den Boomjahren dann im Teenager- und Jugendalter. Diese Gruppe wird um 18 Prozent wachsen. Rund 154 000 Dresdner im Alter bis zu 24 Jahren soll es dann geben. Doch auch die Zahl der Rentner steigt – plus acht Prozent. Knapp 130 000 Senioren werden prognostiziert.

Trend 4: Familien zieht es stärker ins Dresdner Umland.

Bislang bestanden große Unsicherheiten, wie viele Menschen aus dem Umland nach Dresden ziehen, und wie viele es zum Beispiel nach Radebeul, Meißen und Freital zieht. Inzwischen gehen die Statistiker davon aus, dass die Stadt Dresden in ähnlichem Umfang Einwohner an die Nachbarn verlieren wird wie heute. „Das betrifft vor allem Familien mit Kindern“, so die Verwaltung. Vom Sommer 2016 bis zum Sommer dieses Jahres sind laut Verwaltung gut 1 000 Menschen mehr ins Umland gezogen, als in die Stadt kamen. Ein Grund: In Dresden ist es schon jetzt schwierig, kleinere Wohnungen für Singles und größere für Familien zu finden. Für etwa jeden Fünften sind günstigere Mieten ausschlaggebend für einen Umzug, wie aus der letzten Bürgerumfrage hervorgeht.

Trend 5: Die Altstadt wächst am stärksten, Prohlis schrumpft.

Die Dresdner Stadtteile werden sich in den nächsten Jahren sehr unterschiedlich entwickeln, je nachdem, wie viele neue Häuser gebaut werden und wie stark die Mieten steigen. Am stärksten wachsen werden bis 2025 die Altstadt und die Friedrichstadt, wo derzeit Tausende neue Wohnungen entstehen. Etwa 24 Prozent mehr Einwohner werden dort erwartet. Auch in Trachau, Kaditz und Mickten dürfen sich die Menschen auf neue Nachbarn freuen. Kräftig gebaut wird unter anderem an der Flutrinne. Dagegen werden fünf Stadträume leicht schrumpfen. Prohlis und Reick verlieren rund 400 Einwohner, Tolkewitz, Seidnitz und Gruna um die 600.



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Insgesamt 25 Kommentare

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  1. Bogdan K.

    Und wenn es nicht so wird, haben sich die Experten eben geirrt. Das erleben wir jedes Jahr zweimal, wenn die Wirtschaftsweisen begründen, warum alles anders wurde als vorhergesagt.

  2. Martin Schmidt

    Wächst nicht wie erhofft? Wieso erhofft? Eigentlich steht es ja gleich im allerersten Satz in diesem Artikel. Fakt ist, ich fand es wesentlich angenehmer und entspannter, in einer Stadt mit 480.000 Einwohnern zu leben als jetzt. Zumal der rot-grüne Stadtrat auch am liebsten noch vorhandene Infrastruktur rückbauen will...

  3. Kein Fan

    Sind das die selben Prognoseexperten, die schon für die Lehrerbedarfe verantwortlich waren? Interessant finde ich die Genauigkeiten, mit denen prognostiziert wird, zB. 29250 Menschen dann mehr als jetzt. Und wenn’s dann 29260 sind, bricht alles zusammen, siehe Lehrer.

  4. Berg

    Eingemeindungen bringen allerdings ganz schnell Tausende neue Einwohner. Doch so einen Happen wie Schönfeld/Weißig gibt es nicht alle Tage. Oder: wie wärs mit Freital, Heidenau oder Radebeul?

  5. "Nicht so stark wie erhofft"

    Wieso hofft man auf eine stark wachsende Einwohnerzahl? Welche Vorteile bringt das? Mehr verkehr, steigende Mieten, weniger Platz für Grün, ...)

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