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Montag, 15.10.2018

Fanta 4 spenden für Seenotretter

Die Dresdner Hilfsorganisation Mission Lifeline hat sein Spendenziel erreicht. Das fehlende Geld schenkten am Wochenende die mit dem Grimm-Preis ausgezeichneten Rapper.

Die ausgezeichneten Fantastischen 4 vorm grimmigen Porträt: And.Ypsilon (l-r), Smudo, Michi Beck und Thomas D.
Die ausgezeichneten Fantastischen 4 vorm grimmigen Porträt: And.Ypsilon (l-r), Smudo, Michi Beck und Thomas D.

© Göran Gehlen/dpa

Dresden/Stuttgart. 100 Prozent – der Kreis hat sich geschlossen. Wo vorm Wochenende noch eine kleine Lücke klaffte im roten Rund der Spendengrafik auf der Lifeline-Homepage, zeigt sich seit Samstag ein geschlossener Ring. Möglich machten das Die Fantastischen Vier aus Stuttgart. Am Wochenende erhielten die Hip Hopper der ersten Stunde bei einer Gala in Kassel den mit 30 000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis „Deutsche Sprache“. Das Quartett bedankte sich bei den Stiftern, dem Verein Deutsche Sprache, und reichte den Gewinn noch am gleichen Abend weiter nach Dresden.


Screenshot von der Mission-Lifeline-Homepage.

Damit bekamen die Seenotretter von Mission Lifeline innerhalb von zwei Wochen bereits die zweite private Großspende und können sich damit weiter dem Projekt „Lifeline 2“ widmen – der Beschaffung eines Ersatz-Schiffes zur Bergung von Schiffbrüchigen im südlichen Mittelmeer. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hatte jüngst 50 000 Euro überweisen lassen, um den Kauf eines neuen Schiffes zu beschleunigen. Nach der himmlischen Zahlung fehlte auf dem Spendenkonto der NGO nur noch ein vierstelliger Betrag und den deckten jetzt das Geld der Musiker.

Allerdings werde es noch eine kleine Weile dauern, bevor Mission Lifeline wieder die Leinen losmache, sagt Vereinsvorstand Axel Steier. Beim aktuellen Projekt bremse noch die Bürokratie in Deutschland, doch sei ein Ende absehbar. Ganz anders dagegen die Situation auf Malta, wo die eigentliche „Lifeline" seit Anfang Juli im Hafen von Valletta an der Kette liegt. Das Schiff dürfe weiterhin nicht auslaufen und der Prozess gegen Kapitän Claus-Peter Reisch geht am 19. November in die nächste Runde.

Die Wahrscheinlichkeit sei sehr groß, dass auch der sechste Verhandlungstag wie die vorherigen drei ohne Ergebnis vertagt werde, weil die niederländischen Behörden die an sie gestellten Fragen nicht beantwortet hätten. „Das wird wohl die vierte Nullnummer. Wir haben jetzt zum Glück noch unschlagbare Beweise für die Korrektheit der Registrierung in den Niederlanden bekommen", sagt Steier und hofft auf einen baldigen Richterspruch zugunsten der privaten Seenotretter.

Die seit Monaten alle mit dem gleichen Problem kämpfen: Malta und Italien blockieren die Schiffe und verweigern ihnen samt den aus Seenot geretteten Migranten das Anlanden in den Häfen. Die Hilfsorganisationen aber geben nicht auf, sondern ändern ihre Strategie. Um weiter erste Hilfe im Mittelmer leisten zu können, schickte zum Beispiel die NGO „Sea-Watch" zusammen mit italienischen Partnern den Schlepper „Mare Jonio" ins südliche Mittelmeer.


Hilfsorganisationen haben gegen den Willen der italienischen Regierung ein neues Schiff aufs Mittelmeer geschickt. Foto: dpa

Das 37 Meter lange und unter italienischer Flagge kreuzende Schiff will im Rahmen des zivilgesellschaftlichen Projekts „Mediterranea“ die private Seenotrettung weiterführen. Unterstützt werden die Berliner von der Crew des spanischen Seglers „Astral" der NGO Proactiva Open Arms. Seit die beiden Schiffe vor der libyschen Küste patrouillieren, konnten sie bereits an die 200 Menschen in Seenot sichten und Schiffe der Küstenwache zu den gefährdeten Booten lotsen.

Schon bald soll ein weiterer Segler bei der Aufklärung helfen: „Bavaria One" heißt das neue Schiff der Hilfsorganisation „Sea Eye". Die Regensburger schicken wahrscheinlich noch diesen Monat ihr Schiff auf die Reise zur tödlichsten Grenze der Welt. Nach einer Hochrechnung des italienischen Instituts für internationale politische Studien liegt die Todesrate unter den Flüchtlingen gegenwärtig bei 20 Prozent. 70 Prozent der Flüchtenden werden von der libyschen Küstenwache geborgen und zurück gebracht ins Bürgerkriegsland und 10 Prozent kämen in Europa an. (szo/stb)