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Dienstag, 31.01.2017

Fanfieber in Blau-Weiß

Der Fanclub „Die Treuen“ stärkt dem BFV 08 den Rücken. Aber nicht nur, wie ein Freizeitturnier am letzten Wochenende zeigt.

Von Constanze Knappe

Fanclub-Chef Tony Krüger (Mitte) mit Franz Fichte (links) und Stefan Kühnert, der 1995 zu den Gründungsmitgliedern der „Treuen“ in Bischofswerda gehörte.
Fanclub-Chef Tony Krüger (Mitte) mit Franz Fichte (links) und Stefan Kühnert, der 1995 zu den Gründungsmitgliedern der „Treuen“ in Bischofswerda gehörte.

© Steffen Unger

Fußball. Einmal Fan, immer Fan. Daran lässt Tony Krüger keinen Zweifel. Schon als Kind nahm ihn sein Vater mit zum Fußball. Seither spielte er in Vereinen wie Putzkau und Bischofswerda, feuert aber inzwischen auch vom Spielfeldrand aus Mannschaften an. Seit dem Herbst ist der 22-Jährige der neue Chef des Fanclubs „Die Treuen“ des Bischofswerdaer Fußballvereins BFV 08. Sein Vorgänger Jörg Schreier, der etwas kürzertreten wollte, hatte ihn gefragt, ob er sich das vorstellen könnte. Tony Krüger ist zwar fast der Jüngste im Fanclub und erst seit zwei Jahren dabei, dennoch waren sich die anderen Mitglieder schnell einig, dass er der Richtige dafür sei.

Jeden Freitag treffen sie sich „zum Training mit Bierchen am Ende“. Entweder auf dem Kunstrasen in Bischofswerda-Süd oder in der dortigen Sporthalle. In den zwei Stunden geht es um den Spaß an der Freude, wie man so schön sagt. Für die meisten ist die Bewegung Ausgleich zur Arbeit und für alle ein liebgewordener Termin, weil man sich sonst unter der Woche ja kaum sieht, wie Tony Krüger erzählt. „Ein gewisser Ehrgeiz ist aber dabei“, sagt er. Denn sie fahren zu Freizeitturnieren anderer Fanclubs und organisieren selber regelmäßig eins. Ihr 22. fand am vergangenen Wochenende statt. Mit zehn Mannschaften – und wie immer mit einer super Stimmung.

Den Fanclub „Die Treuen“ gibt es seit 1995. Gegründet wurde er im Februar jenen Jahres aus einer Biertischlaune heraus, erinnert sich Kassenwart Stefan Kühnert (46). Kühni, wie er genannt wird, ist wie der 41-jährige Kai Stirner Gründungsmitglied. Beide sind noch immer dabei. Spontan hätten sich seinerzeit 15 Leute gefunden, die Fußball spielen wollten, ohne sich an einen Verein binden zu müssen. Und ein bisschen wollten sie auch die Legende hochhalten. In Erinnerung an fußballerische Glanzzeiten in Bischofswerda, als die BSG Fortschritt in der DDR-Oberliga spielte, 1986/87 und 1989/90.

Zwischen 22 und 54 Jahre alt sind die heutigen Mitglieder des Fanclubs. Einige von ihnen erlebten die glorreichen alten Zeiten hautnah mit. Für die Jüngeren wie Tony Krüger ist das Geschichte. Nur wenige Wochen nach der Gründung spielten „Die „Treuen“ aus Bischofswerda bei ihrem ersten Turnier in Schlema. Mittlerweile weist die Statistik des Fanclubs 73 Spiele mit 1 037 Toren aus. Über die Jahre entstanden Freundschaften zu anderen Fanclubs, mit denen man sich gerne trifft. Für jedermann offen sind „Die Treuen“. Ab dem 16. Lebensjahr kann man mitmachen. Für einen geringen Obolus, um Hallenmiete und Versicherungen finanzieren zu können.

Gelegentlich war auch mal die eine oder andere Frau dabei. Die Wanderung zu Männertag, Ausfahrten, Oktoberfest, andere Feiern und manche spontane Aktion sind Teil des Jahresprogramms. Ein eingetragener Verein ist der Fanclub nicht, jedoch als lose Gruppe anerkannt. Etwa die Hälfte der Mitstreiter sind zugleich Mitglieder des BFV 08.

Fußball ist ein Teil des Lebens

„Man muss bei uns kein Experte sein, sollte aber schon wissen, dass das Runde ins Eckige gehört“, erklärt Franz Fichte schmunzelnd. Der 23-Jährige ist erst seit Kurzem dabei. Zum Fanclub fand er, weil Fußball Teil seines Lebens ist. Seit der E-Jugend war er als Torwart aktiv. Ab der Ausbildung fehlt ihm jedoch die Zeit dafür, erzählt der Kfz-Mechatroniker. Er ist froh, dass er im Fanclub dem Fußballspielen als seiner Leidenschaft nachgehen kann. Man verstehe sich gut untereinander, rede hauptsächlich über Fußball, aber eben nicht nur, sagt Franz Fichte.

Gesprächsstoff dürfte es reichlich geben. Denn die „Treuen“ sind auch Fans von Dynamo Dresden, Hansa Rostock, Erzgebirge Aue, Mainz 05, Bayern München, Schalke 04 und was sonst noch so einen Namen hat in den bundesdeutschen Ligen. Vor allem aber eint sie das Ziel, dem heimischen BFV 08 den Rücken zu stärken. „Wir wollen mehr Stimmung ins Stadion bringen“, sagt Tony Krüger. Bei durchschnittlichen 200 bis 300 Zuschauern sei da auf den Rängen nicht allzu viel los.

Bei Heimspielen sind die „Treuen“ fast vollständig dabei. Mit Fanfahne, Schals und Wimpeln – versteht sich. Und so ganz nebenbei haben sie auch ein wachsames Auge, was neben dem Spielfeld passiert. Zwar sei es nicht ihre Aufgabe, im Stadion auf Ordnung und Sicherheit zu achten, doch echten Fans wie ihnen liege das am Herzen, erklärt der Fanclubchef. Zu Auswärtsspielen fahren sie eher selten mit. Bei manchen passt es auch aus beruflichen Gründen nicht. Wie bei Tony Krüger, der als Altenpfleger in zwei Schichten arbeitet.

Der nicht mehr ganz taufrische, aber immer noch aktuelle Song „Die Fans sind eine Macht“, der ist auch ihnen ein Begriff. Da würden sie gern wieder hin. Doch allein mit ihren 13 Mann sind sie dafür „ein bissel wenig“, wie sie selber sagen. Für mehr Stimmung im Stadion wäre es gut, sich mit den anderen Fanclubs – den Schiebocker Jungs und den Schiebock-Rulez – zu gemeinsamen Aktionen zusammenzufinden. Da aber sei das Eis noch nicht gebrochen, erzählt Tony Krüger.

www.bfv08-fanclub-dietreuen.jimdo.com