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Dienstag, 09.03.2004

Familien-Eklat in der Wettiner-Gruft

Von Stefan Locke

Alles war feierlich vorbereitet: Finanzminister Horst Metz (CDU) übergab gestern die Wettiner-Sarkophage an Prinz Alexander von Sachsen. 480000 Euro hatte ihre Restaurierung nach der Flut gekostet. Doch dann brach ausgerechnet in der Gruft der Nachfolgestreit wieder auf.

Grund: Auch Prinz Rüdiger von Sachsen hatte sich zur Feierstunde eingefunden - obwohl er nicht eingeladen war. „Ich habe erst am Tag zuvor davon erfahren.“ Doch ein Häufchen Getreuer vom „Schützenverein König Albert“ hatte sich um ihn geschart, salutierte dem Prinzen mit der Wettiner-Fahne. Rüdiger: „Die haben eben den richtigen Wettiner erkannt.“ Die Feiergesellschaft jedoch nahm von ihm und Frau Diana keine Notiz. Nicht einmal dann, als einer der Schützen lautstark auf Prinz Rüdiger aufmerksam machte.

Minister Metz und Prinz Alexander zeigten sich unbeeindruckt, spulten das Eröffnungsprogramm wie geplant ab. Rüdiger: „Beide sind grußlos an mir und meiner Frau vorübergezogen.“ Auch beim anschließenden Sektempfang musste Rüdiger draußen bleiben - Funkstille zwischen den Wettinern. Prinz Alexander lobte stattdessen die restaurierte Gruft. „Ich bin überwältigt. Sie sah noch nie so schön aus wie heute.“ Die 47 Sarkophage ruhen jetzt auf Granitplatten, die Deckel sind verschraubt und mit Wachs überzogen - bezahlt mit Fluthilfen von Bund und Land.

Beim Hochwasser 2002 waren die Särge umgekippt, die Wettiner-Gebeine schwammen an der Oberfläche. Nur die Kapsel mit dem Herz Augusts des Starken hielt den Fluten stand. Prinz Alexander: „Sein Herz wird heute besonders stark pulsieren.“ Wohl auch wegen des Familienstreits?