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Donnerstag, 14.06.2018

„Facebook-Kommentare ändern nichts!“

Das Soziale Netzwerk Lausitz will mit dem Projekt „Lausitzer Sterne“ wachrütteln. Am 23. Juni geht es um das Ehrenamt.

Von Christian Köhler

Dieses Banner am Weißwasseraner Rathaus hängt seit einigen Tagen. Es sollen noch weitere Transparente in Weißwasser platziert werden.
Dieses Banner am Weißwasseraner Rathaus hängt seit einigen Tagen. Es sollen noch weitere Transparente in Weißwasser platziert werden.

© Joachim Rehle

Es ist einfach, die Schuld immer anderen zu geben. Rasch ist das Handy gezückt und in einer der vielen Gruppen bei Facebook ein Post abgesetzt: „Der Oberbürgermeister ist schuld!“, heißt es schnell in Weißwasser. Oder: „Hier ist eh nichts los!“ Dabei, und das betont Robert Seidel vom Sozialen Netzwerk Lausitz (SNL), einer gemeinnützigen GmbH eines Pflegedienstes in Weißwasser, „sind wir alle Souverän“. Jeder könne sich auf verschiedenen Wegen in das Gemeinwesen einbringen: über die Feuerwehr, über Vereine und Initiativen. Damit dies künftig noch besser gelingt, hat das SNL ein Projekt namens „Lausitzer Sterne“ auf den Weg gebracht. Am Sonnabend, dem 23. Juni, geht es ans Eingemachte.

Sterne sollen funkeln

„Wir wollen, dass sich nicht immer die Gleichen bei Projekten in der Stadt engagieren“, sagt SNL-Geschäftsführerin Manuela Thomas über die „Lausitzer Sterne“. Ehrenamt dürfe nicht verbrannt und als Lückenbüßer genutzt werden, findet die Geschäftsführerin. Deshalb soll es eine Art Wunsch-Tausch-und-Erfüll-Börse geben. Die nämlich versteckt sich hinter den „Lausitzer Sternen“. Und geht so: Ein Weißwasseraner hat einen Wunsch – zum Beispiel soll der Tierpark in Weißwasser aufgeräumt werden. Dafür stellt der Tierpark eine Spende oder einen Gutschein oder eine andere Gegenleistung in den „Sternetopf“, der vom SNL verwaltet wird. Wird der Tierpark aufgeräumt, erhalten die, die dies bewerkstelligt haben, eine Gegenleistung aus dem „Sternetopf“. „Die Sterne sollen funkeln“, wünscht sich Manuela Thomas.

Ziel müsse sein, ein am besten nachhaltiges Konzept zu entwickeln, wie es ohne ausufernde Strukturen möglich ist, ehrenamtliches Engagement und Teilhabe zu ermöglichen. „Viele wollen sich vielleicht nicht langfristig in Vereinen binden“, meint Robert Seidel, „und über dieses System ist es einfach, einer Aktion beizuwohnen.“ Die Hoffnung aufseiten der Stadtverwaltung ist zudem, dass sich so viel wie möglich soziale Träger an dem Projekt „Lausitzer Sterne“ beteiligen. „Es muss gelingen, wenn das Projekt beim SNL endet, auch danach eine solche Börse aufrechtzuerhalten“, sagt Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext).

Angebote am 23. Juni

Er selbst beteiligt sich am Sonnabend, dem 23. Juni, als Ideengeber. An der ehemaligen Turnhalle am Kreisverkehr an der Juri-Gagarin-Straße wünscht sich der OB, dass dort die Wand verschönert wird. „Ich bin froh, dass sich auch Unternehmen daran beteiligen“, sagt er. In Vorbereitung dessen wird die dicke Schicht Lack, die durch endlose Graffiti entstanden ist, abgetragen. „Vielleicht haben dann auch Jugendliche Lust, dort etwas Schönes zu gestalten“, wirft Manuela Thomas ein. Erst vor einigen Wochen hatten Unbekannte – sehr zum Ärger der WBG, der Wohnungsbaugesellschaft Weißwasser mbH – das Wandbild an der Rosa-Luxemburg-Straße beschmiert. „So können sich Jugendliche auch am Stadtbild beteiligen, ohne so einen Quatsch zu machen“, sagt die SNL-Geschäftsführerin.

Am Sonnabend nun soll es insgesamt sechs Stationen geben, die von Weißwasseranern zwischen 13 und 16 Uhr für „Lausitzer Sterne“ besucht werden können. Turnhalle und Graffiti wurden ja bereits erwähnt. Als „Wunschgeber“ beteiligen sich auch das Kreiskrankenhaus Weißwasser (dort wird für Neugeborene genäht), das Soziokulturelle Zentrum Weißwasser (Aufräumen im Jahnbad), die Aktion Weißwasser um Robert Ehmann und die Stadtgärtner am Boulevard (dort soll die Flaniermeile aufgehübscht werden) sowie die Physiotherapie-Praxis Seidel (dort soll sich bewegt werden). Als Gegenleistung gibt es zum Beispiel Eintrittskarten für das Jahnbad, eine halbe Stunde Musik vom DJ OB Torsten Pötzsch bei einer Veranstaltung oder Massage-Gutscheine.

„Wir könnten damit eine Modellstadt und Vorbild für andere werden“, hofft Manuela Thomas. Schließlich sei das System der Wünsche und der Gegenleistung erweiterbar. Damit die Aktion bekannt wird, „werden wir zahlreiche Flyer verteilen und Plakate in der Stadt anbringen“, kündigt Robert Seidel an, der für das Projekt „Lausitzer Sterne“ verantwortlich ist.

Wie nachhaltig das Vorhaben ist, müsse sich allerdings noch zeigen. Doch einen Anschub – wie etwa mit der Aktion am 23. Juni – müsse es geben, sind sich die Verantwortlichen einig. Aber eines Tages werden die Projektgelder aufgebraucht sein. „Wir hoffen, dass wir bis dahin mit Trägern der Jugendhilfe im Gespräch sind, die dann abwechselnd, jeweils für ein Jahr, das Projekt weiterführen“, so Torsten Pötzsch.

Ehrenamtliche werden gewürdigt

Am Abend wird – wie im vergangenen Jahr auch – den Ehrenamtlern in der Stadt gedankt. „In der Stadt gibt es so viele, die sich einbringen“, ist sich Manuela Thomas sicher. Insofern sei sie sehr froh, dass sich mehrere Unternehmer bereit erklärt haben, ab 17 Uhr am 23. Juni Ehrenamtliche im Soziokulturellen Zentrum Telux zu bewirten. „Auch die Unternehmen wissen, dass für ihre Angestellten eine gute Sozialstruktur vorhanden sein muss“, erklärt Torsten Pötzsch. Auch die, die bereits tagsüber bei den Aktionen der „Lausitzer Sterne“ mitgemacht haben, sollen Zugang zu der Veranstaltung erhalten. „Es geht eben auch darum, sich auszutauschen und miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagt Robert Seidel. Sogar Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) habe sein Erscheinen zugesagt. 2017, im Jahnbad, hatte er ebenfalls zu den Ehrenamtlern gesprochen. Damals allerdings hatten einige Ehrenamtler moniert, dass es sich dabei um Wahlkampf gehandelt hatte. Dieser steht aber zumindest auf Landesebene erst für 2019 wieder an.

Informationen gibt es auch unter 03576 218270 und beim Sozialen Netzwerk Lausitz in Weißwasser.