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Donnerstag, 30.08.2018

Euphorie nach dem Abstieg

Der Hamburger SV freut sich über Mitgliederzuwachs und drei Siege in Folge. Dynamos Gegner ist in Liga 2 angekommen.

Von Daniel Klein

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Pierre-Michel Lasogga ist zurück und trifft wieder für den HSV. Das letzte Duell gegen Dynamo gab es vor 15 Jahren im DFB-Pokal: Hamburg gewann 1:0.
Pierre-Michel Lasogga ist zurück und trifft wieder für den HSV. Das letzte Duell gegen Dynamo gab es vor 15 Jahren im DFB-Pokal: Hamburg gewann 1:0.

© dpa/Axel Heimken

Die Frage nach der möglichen Tabellenführung wischt Christian Titz mit einem Satz vom Tisch. „Das wäre ein netter Nebeneffekt, nicht mehr“, erklärt der Trainer hanseatisch knapp. Anderes ist wichtiger beim Hamburger SV gut drei Monate nach dem ersten Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte. Der Sprung an die Spitze könnte da sogar hinderlich sein.

Titz hat seiner mit einem Durchschnittsalter von 22,9 Jahren jüngsten Zweitliga-Mannschaft vor allem Demut verordnet. Der klangvolle Name, die glorreiche Vergangenheit – all das hilft nichts, die Gegner sind dadurch eher noch motivierter. „Wir wissen, dass uns keiner etwas schenkt, dass wir immer alles abrufen müssen, um unsere Ergebnisse zu erzielen“, erklärt der von Holstein Kiel gewechselte Sportchef Ralf Becker.

Gegen seinen Ex-Verein verlor der HSV die Zweitliga-Premiere deutlich, danach gab es drei Siege, zwei davon in der Liga gegen Sandhausen und Bielefeld. Die Hamburger scheinen angekommen zu sein in ihrem neuen Umfeld. Bei einem Erfolg am Samstag in Dresden winkt – zumindest vorübergehend – sogar die Tabellenspitze.

Der Trainer sagt, was man halt so sagt zwei Tage vor dem Spiel. Titz warnt vor Dynamo, dem nach den Niederlagen angeschlagenen und dennoch spielstarken Gegner: „Das wird kein Selbstläufer für uns.“ Es klingt nicht aufregend, sondern eher nüchtern-zurückhaltend. Vielleicht tut Titz genau deshalb dem HSV gerade so gut.

Die Euphorie ist trotz der Dauerkrise der vergangenen Jahre gewaltig. 7 000 Mitglieder traten seit dem Abstieg in den Verein ein, mehr als 26 000 Dauerkarten wurden abgesetzt, das Heimspiel gegen Kiel war mit 57 000 Zuschauern lange vorher ausverkauft. „Als wir hier vor einigen Monaten angefangen haben, herrschte gefühlt eine Untergangsstimmung. Das ist nun umgekehrt der Fall“, hat Titz beobachtet. „Jeder spürt, dass die Zweite Liga eine echte Chance für einen Neuanfang ist.“

Man könnte es auch Umbruch nennen. 16 Spieler sind gegangen, mit Walace, Bobby Wood, Albin Ekdal und André Hahn waren prominente Namen darunter. Aber auch diejenigen, die geblieben sind, haben den Großteil ihrer Karriere erstklassig gekickt. Um die erfahrenen Aaron Hunt, Lewis Holtby, den derzeit verletzten Kyriakos Papadopoulos und vor allem Rückkehrer Pierre-Michel Lasogga hat Titz Talente formiert, die größtenteils aus dem eigenen Nachwuchs kommen, darunter die 18-jährige Sturm-Hoffnung Jann-Fiete Arp. 48 Millionen Euro soll der Kader wert sein, bei Dynamo sind es 30 Millionen weniger.

In den ersten Partien stach Lasogga hervor. Zwei Tore in der Liga, zwei Tore im Pokal erzielte er, doch es sind nicht allein die Treffer, die ihn so wertvoll machen. „Er ist wichtig für die Mannschaft, hat Erfahrung, ist ein Bulle. In England hat er gelernt, seinen Körper brutal einzusetzen“, sagte Holtby. Dabei war Lasogga beim HSV nicht nur Held und Hoffnungsträger, sondern auch Prügelknabe. Vor vier Jahren erzielte er in seiner Premieren-Saison 13 Tore in 20 Spielen, bewahrte den Klub mit seinem Treffer in der Relegation in Fürth vor dem Abstieg. Er wurde der Top-Verdiener, konnte die großen Erwartungen aber nie wieder richtig erfüllen. Als Sündenbock musste er herhalten, landete vor einem Jahr bei Leeds United in der zweiten englischen Liga.

Nach seiner Rückkehr ist sein Gehalt von angeblich drei Millionen Euro pro Saison kein Thema mehr, genauso wie ein Verkauf des 26-Jährigen. Er soll die Stütze sein bei der Mission Wiederaufstieg. Wobei Vorstandschef Bernd Hoffmann durchblicken ließ, dass die direkte Bundesliga-Rückkehr „keine Notwendigkeit“ sei. Er will damit wohl den Druck nehmen, doch den gibt es ohnehin. Sämtliche Zweitliga-Trainer nannten neben dem 1. FC Köln den HSV als größten Aufstiegsanwärter.

Nach Dresden werden am Samstag mindestens 3 000 Hamburger Fans kommen. Trotzdem wird es auch akustisch ein Auswärtsspiel, „das erste für uns in dieser Saison“, wie Titz vermutet. „Wir müssen wirklich auf der Hut sein.“ (mit dpa/sid)

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. chef24

    Grössus hin oder her ... Es spielen hoffentlich 11 vs. 11 und nicht wie gegen Heidenheim unverhofft 14 "Gegner" gegen Dynamo. Wenn man aber "Krieg mit dem DFB" will, dann muss man auch damit leben, dass nicht immer Champions-Ligue-Schiris nach Dresden kommen. Ist das das Ziel? Einen Eimer Wasser nach oben schütten macht selbst nass. Egal wie - es zählt nur mit Mut und Leidenschaft gegenzuhalten und da keiner eine Überraschung erwartet kann man nur gewinnen. Der Pokal hat gezeigt, was möglich ist, wenn man 95 Minuten kämpft und grätzscht... Also auf Dynamo - kämpfen und siegen.

  2. Der Alte

    Ich erinnere mich noch zu gut an die Relegation 2013/2014 als der HSV mit einen 0:0 zu Hause und einem lächerlichen 1:1 in Fürth die Klasse hielt und ein Lassoga damals in die Kameras jubelte als er hätte er gerade die CL gewonnen. Manchmal wäre Demut besser, in dem Sinne, haut die Rothosen aus dem Stadion, auf Dynamo!!!

  3. Holger

    Nach den letzten Auftritten kann man hier nur hoffen, dass sich die Höhe der Niederlage in Grenzen hält. Dann die Pause nutzen und danach versuchen, wieder den Anschluss zu finden.

  4. dynapower74

    Schuldentechnisch sind die auch Krösus in Liga2, da war unser Kölmel Darlehen ein Taschengeld. Ein hartumkämpfter knapper Sieg der Moral für die Guten...wäre mal wieder an der Zeit die Selbstbedienungsbude Dynamo Stadion zu schließen!

  5. ICH

    Ob der HSV wieder aufsteigt ist mir völlig egal. Wichtig war der Abstieg des ,,Dinos". Wenn man sich die ewige Tabelle ansieht, waen Mannschaften mit weniger Bundesligazugehörigkeit schno davor.

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