erweiterte Suche
Montag, 11.06.2018

EU-Kuh Penka bleibt am Leben

Von Thomas Roser, SZ-Korrespondent in Belgrad

EU-Kuh Penka auf einer vertrauten bulgarischen Weide.
EU-Kuh Penka auf einer vertrauten bulgarischen Weide.

© Bulgarisches Nationalfernsehen B / dpa

Sofia.Rindvieh gerettet: Die achtjährige Milchkuh Penka wird nicht geschlachtet. Das Schicksal des gutmütigen Wiederkäuers aus dem westbulgarischen Grenzweiler Kopilovtsi hatte seit Monatsbeginn nicht nur Bulgarien in Atem gehalten. Immerhin sollte das Hausrind einen leichtsinnigen Ausflug über die EU-Außengrenze nach Serbien mit dem Leben bezahlen. Am Montag bescheinigten die bulgarischen Behörden dem Tier einen makellosen Gesundheitszustand. So darf es weiterleben.

Mitte Mai war die dunkelbraune Penka aus der siebenköpfigen Herde des 60-jährigen Bauern Iwan Charalampiew plötzlich verschwunden. Vielleicht habe sie die Witterung eines Wolfs oder Bärs verschreckt, vermutete ihr Besitzer. Groß war seine Freude, als ihn zwei Wochen später ein Anruf aus dem nahen Serbien mit der frohen Kunde erreichte, dass Penka auf einer Weide im 40 Kilometer entfernten Bosilegrad gefunden worden sei: Ihre bulgarische Ohrmarke hatte die serbischen Behörden auf die Spur ihres Besitzers gebracht.

Erleichtert machte sich Bauer Iwan zur Heimholung seiner verlorenen Herdentochter ins Nachbarland auf. Doch bei der Rückführung seines vermeintlich trächtigen Lieblings wurde ihm von Bulgariens Veterinärbehörden eröffnet, dass Penka als illegal eingeführte Kuh ihr Leben aushauchen müsse: Laut EU-Vorschriften sei die unkontrollierte Einfuhr von Rindern aus Nicht-EU-Staaten verboten. Von einer „enormen Verletzung“ der europäischen und heimischen Gesetze spricht unerbittlich die zuständige Veterinärin Alexandra Mitewa: „Die Kuh wird getötet und begraben.“

Die Kunde von der drohenden Todesstrafe für die „Flüchtlingskuh“ sorgte auf dem ganzen Kontinent für heftige Proteste von Tierschützern – und empörtes Rascheln im Medienwald. Die vom britischen Daily Telegraph initiierte Petition „Rettet Penka, die schwangere Kuh“ wurde von über 27 000 Penka-Sympathisanten unterzeichnet. Sogar Paul McCartney machte sich für Bulgariens bedrohtes Medienrind stark. Es wäre schön, wenn Penka begnadigt würde, so die besorgte Twitter-Botschaft des Alt-Beatles: „Sie hat nichts Schlechtes getan.“

Zur positiven Nachricht sagte EU-Kommissionssprecher Margaritis Schinas am Montag: „Lang lebe Penka, die Kuh! Die Europäische Union zu verlassen und dann zurückzukommen, das ist ok.“ Gefragt hatte ein Reporter aus Großbritannien, das die EU 2019 verlassen will. Den „unwiderstehlichen Freiheitsdrang“ der Kuh würdigt derweil auch die Agentur Monitor: „Penka ist ein Held. Macht sie nicht zum ersten Märtyrer des vereinten Europas.“

Ein überraschender Befund aus ihrer Quarantäne hat ihre besorgten Sympathisanten bereits vorige Woche erreicht: Trächtig ist die angeblich im dritten Monat schwangere Penka keineswegs. (mit dpa)