erweiterte Suche
Mittwoch, 13.06.2018

EU-Förderung bereitet Kopfzerbrechen

Der Gablenzer Wehrleiter schlägt Alarm und richtet sich an den Gemeinderat: „Ich erbitte mir Hilfe von euch!“

Von Christian Köhler

Dieses Löschfahrzeug der Gablenzer Wehr soll bis 2020 mit den Mitteln der EU und der Gemeinde Gablenz ersetzt werden.
Dieses Löschfahrzeug der Gablenzer Wehr soll bis 2020 mit den Mitteln der EU und der Gemeinde Gablenz ersetzt werden.

© Joachim Rehle

Groß war die Freude über die Fördermittelzusage für neue Löschtechnik ist Anfang März in Bad Muskau und in Gablenz: Der Begleitausschuss für grenzüberschreitende Projekte zwischen Sachsen und Polen hatte seinerzeit 1,6 Millionen Euro freigegeben, um etwa neue Feuerwehrtechnik anzuschaffen. Den Antrag haben beide Kommunen gemeinsam mit Gorzòw Wielkopolski, Zary-Land und Leknica aus Polen gestellt. Dem Gablenzer Wehrleiter Freddy Schmidtke ist die Freude dagegen buchstäblich im Halse steckengeblieben. Am Montagabend hat er sich an die Gemeinderäte gewandt: „Es kommt jede Menge auf meine Kameraden zu. Damit haben wir nicht gerechnet und ich bitte euch: Ich brauche eure Hilfe, um die Männer zu motivieren!“

Denn es ist wie so oft bei EU-Förderprojekten: Das Geld, das eine Kommune für das eine oder andere Vorhaben beantragt hat, fließt nur, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Und hier ist nicht die Rede von dem enormen Dokumentationsaufwand, den jede Förderung mit sich bringt – 85 Prozent der Kosten für das neue Fahrzeug übernimmt die EU. In Gablenz geht es schlicht um „Man-Power“. „Ich weiß nicht, ob euch allen bewusst ist, was da auf uns zukommt“, richtet sich der Wehrleiter warnend an die Gablenzer und Kromlauer Gemeinderäte, „damit bis 2020 ein neues Löschfahrzeug bei uns steht.“

Da wäre zum einen der ungeheure Aufwand, sich ein neues Löschfahrzeug zusammenzustellen, „denn das muss auf unsere Gemeinde und auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten sein“, so der Wehrleiter. Im Zentrum dabei steht die Schaumanlage, die das Herzstück des neuen Wagens bilden wird. „Um die herum müssen wir uns ein Fahrzeug basteln“, erläutert der Wehrleiter. Dabei gelte es, eine ganze Reihe von Fragen zu beantworten, denn die Auswahl an verschiedenen Zubehörteilen ist groß. Für fast alle Bereiche gibt es mehrere Alternativen, sodass allein für die Zusammenstellung des Wagens eigens eine Arbeitsgemeinschaft gegründet wird. Dort sollen Fragen von der Bereifung, des Getriebes bis hin zur Extraausstattung geklärt werden. Schließlich müssen auch die polnischen Projektpartner sowie die Bad Muskauer ebenfalls einbezogen werden. „Wir müssen das über den Sommer klären“, sagt Freddy Schmidtke und wünscht sich, dass dabei auch Gemeinderäte mitwirken. Ohne zu überlegen, hat sich Gemeinderat Axel Paulik – der auch Kromlaus Wehrleiter ist – sofort zur Mithilfe bereit erklärt.

Doch das Feuerwehrfahrzeug ist nicht das einzige Problem, das Freddy Schmidtke auf die Kameraden zukommen sieht. „Es müssen Übungen durchgeführt werden, die geplant, vor- und nachbereitet werden müssen“, erklärt er. Dazu zählt nicht nur die Großübung mit 500 Feuerwehrleuten im Muskauer Park, sondern auch Schulungen, „kleinere Übungen mit 70 bis 100 Mann“, so der Wehrleiter. Das bedeutet für die Freiwilligen der Wehr in Gablenz jede Menge zusätzliche Arbeit – vor allem an den Wochenenden. Und das neben den normalen Einsätzen, der Familie und dem Beruf. Schon am 25. Juni, so berichtet Schmidtke, soll eine große Schulung samt Übung an der Pückler-Grundschule in Bad Muskau mit 100 Einsatzkräften durchgeführt werden. Und weitere folgen bis 2020. „Helft ihr mir, die Kameraden zu motivieren?“, fragt der Gablenzer Wehrchef in die Runde und fügt an: „Ich kann ja nicht immer nur sagen, es gibt ein neues Löschfahrzeug. Das funktioniert auf Dauer einfach nicht.“ Schmidtke sei stolz auf seine Kameraden, wisse, was jeder leiste, „aber ich kann niemandem böse sein, wenn er vielleicht einmal sagt, heute passt es bei ihm nicht.“

Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) entgegnet, dass der Gemeindeverwaltung dieser enorme Aufwand nicht in dem Maße bewusst gewesen sei, als man sich um die Fördermittel bemühte. „Für die Regeln, die aufgelegt sind, können weder wir noch die polnischen Partner etwas.“ Gemeinderat Dirk Thorausch (CDU) ergänzt, dass die Regularien „von Städten sicher angewendet werden können, aber kaum von Dörfern“. Noack sichert dem Wehrleiter dennoch sämtliche Hilfe zu, die er und die Verwaltung zu leisten imstande sind, „aber wir müssen jetzt da durch“.

Bad Muskaus Hauptamtsleiter Dirk Eidtner wiederum versteht, dass es bei den Freiwilligen Feuerwehrleuten schwierig werden wird, alles unter einen Hut zu bekommen. „Aber das Ziel des Projektes ist es, Begegnungen zwischen deutschen und polnischen Kameraden zu ermöglichen“, erklärt er. Das hätten alle Beteiligten vorher gewusst. Die Stadtverwaltung Bad Muskau werde aber ebenfalls so gut wie möglich unterstützen. „Wir haben Jürgen Ennax bereits für die Vorhaben von unserer Seite her mit den Aufgaben betraut“, sagt er, „aber die Arbeit der Fahrzeugauswahl können wir nicht abnehmen.“ Um die Ausschreibung und bestimmte Formalitäten kümmere man sich selbstverständlich. Auch in puncto Sprachförderung gebe es Möglichkeiten, sich auf Schulungen im Rahmen der Ausbildung zu verständigen.