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Samstag, 14.07.2018

Essen für die halbe Stadt

Mehrere Millionen hat Inhaber Steffen Bischoff in den Neubau seines Rollenden Gastmahls investiert. Neue Kunden haben sich schon gemeldet.

Von Sven Görner

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Sabine Ernst (l.) und Jana Schrimpf bereiten Portionen zum Verpacken vor. Bis zu zehn verschiedene Gerichte werden pro Tag gekocht.
Sabine Ernst (l.) und Jana Schrimpf bereiten Portionen zum Verpacken vor. Bis zu zehn verschiedene Gerichte werden pro Tag gekocht.

© Norbert Millauer

  • Sabine Ernst (l.) und Jana Schrimpf bereiten Portionen zum Verpacken vor. Bis zu zehn verschiedene Gerichte werden pro Tag gekocht.
    Sabine Ernst (l.) und Jana Schrimpf bereiten Portionen zum Verpacken vor. Bis zu zehn verschiedene Gerichte werden pro Tag gekocht.
  • Den Neubau des Rollenden Gastmahls verlassen von Montag bis Freitag jeweils rund 3 000 Essen. Etwa die Hälfte davon geht an Schulen und Kitas.
    Den Neubau des Rollenden Gastmahls verlassen von Montag bis Freitag jeweils rund 3 000 Essen. Etwa die Hälfte davon geht an Schulen und Kitas.

Radeburg. Viele Radeburger stehen natürlich noch selbst in der Küche und bereiten ihr Mittag zu. Mit den 3 000 Portionen, die montags bis freitags täglich in der Großküche des Rollenden Gastmahls auf dem Meißner Berg gekocht werden, könnten Steffen Bischoff und seine Mitarbeiter allerdings fast die Hälfte der knapp 8 000 Zille-Städter versorgen. Tatsächlich sind es deutlich weniger, denn das Radeburger Unternehmen beliefert auch Schulen, Kitas und Betriebe außerhalb der Stadt. Etwa in Radebeul, Dresden und dem angrenzenden Großenhainer Gebiet. Dort sind es die Schönfelder Schule und mehrere Betriebe. Auch die Kurfürst-Moritz-Schule Boxdorf gehört zu den Kunden. Die beiden Radeburger Schulen bekommen ebenso ihr Essen vom Meißner Berg wie alle Kindereinrichtungen in der Stadt und den Ortsteilen. Und das nun schon seit vielen Jahren.

Nur eine Dresdner Grundschule hätte in der Vergangenheit einmal den Vertrag mit dem Rollenden Gastmahl nicht verlängert, „weil sie auf Buffet-Versorgung umgestellt hat“, so Steffen Bischoff. Übrigens wird das Essen – für die Schulen gibt es drei Wahlessen täglich, eines davon ohne Fleisch – nicht nur geliefert, sondern auch ausgegeben. Ein Grund, dass von den über 40 Mitarbeitern rund die Hälfte nicht in Vollzeit arbeitet. Das betrifft das Ausgabepersonal ebenso wie die Fahrer. Zum Fuhrpark gehören aktuell 15 Fahrzeuge.

Mit dem neuen Schuljahr kommt nun eine weitere Schule hinzu – in Königsbrück. Und weil sich das bereits herumgesprochen hat, gibt es aus dieser Richtung inzwischen auch schon Anfragen von Betrieben. „Bisher hatten wir keine Möglichkeit, darauf zu reagieren“, sagt Steffen Bischoff. „Denn die Kapazität der Küche in dem alten Gebäude war eigentlich auf 2 000 Portionen pro Tag ausgelegt. Gekocht wurden dort zuletzt aber 2 800.“ Nach dem Umzug in den benachbarten Neubau sind es nun rund 3 000. Mit weiterem Potenzial zum Wachsen. „Die Küche bietet jetzt die Möglichkeit für noch 1 000 bis 1 500 Essen mehr am Tag“, sagt der Inhaber, der in Bärnsdorf aufgewachsen ist und dort noch immer lebt. Pro Tag werden übrigens bis zu zehn verschiedene Gerichte gekocht. Das Abo-Essen wechselt täglich, sieben weitere Wahlessen gibt es an allen Tagen.

Um das Unternehmen, das er 2012 von Werner Buchheim übernommen hat, für die Zukunft fit zu machen, hat der 41-Jährige mehrere Millionen Euro investiert. Fördertöpfe konnte er dafür im Gegensatz zu manchen großen Unternehmen nicht anzapfen. Stattdessen hat er einen KfW-Kredit mit 20 Jahren Laufzeit aufgenommen.

Wichtig ist dem gelernten Koch – seine Ausbildung hat er in der Waldschänke Moritzburg absolviert – dass bei der der Zubereitung der Essen möglichst viele Zutaten aus der Region kommen. So kauft er die pro Tag benötigten 500 bis 600 Kilo Kartoffeln in Großenhain. Gemüse kommt aus Lommatzsch und auch das Fleisch ist frisch und nicht abgepackt. Zwei angestellte Fleischer kümmern sich um die fachgerechte Verarbeitung. „Und die Buchteln bäckt ein Radeburger Bäcker.“ Feststehende Rezepturen gebe es nicht. „Der Koch kann also noch selbst kreativ werden, sodass die Gerichte immer etwas anders schmecken“, ergänzt Steffen Bischoff.

Auch beim Bauen hat der Radeburger auf lokale Firmen gesetzt und ist damit gut gefahren. Begonnen wurde mit dem Bau des neuen Domizils gleich neben dem alten im März 2017, Ende Januar war es fertig. Nach dem Umzug, der Einarbeitung und dem Abriss des ursprünglich als Kaufhalle gebauten Gebäudes entsteht an dessen Stelle nun der Betriebshof.

Die Parkplätze für die Kantine, die viele Handwerker, Mitarbeiter anderer Betriebe und Anwohner vom Meißner Berg nutzen, sind indes schon fertig. Hier kann montags bis freitags aus sieben Gerichten gewählt werden. Die von 8 bis 14 Uhr geöffnete Kantine ist mit dem Umzug um 20 Plätze gewachsen. Und für Familienfeiern an Wochenenden – dieses Angebot werde seit Jahren gut genutzt – können die 60 Plätze sogar noch um bis zu 30 erweitert werden. „Die gesamte Ausgabetheke besteht aus mobilen Modulen, die problemlos rausgerollt werden können“, erklärt Steffen Bischoff.

Immer mittwochs öffnet die Kantine auch ab 18 Uhr als Gaststätte. „Dann erledige ich auch die Absprachen für die Familienfeiern und Cateringaufträge.“ Bis zu 500 Leuten können Steffen Bischoff und seine Mitarbeiter bewirten. Deutlich mehr, nämlich 700 – waren es bei dem mithilfe des MDR relativ kurzfristig organisierten Vereinsfest in Berbisdorf, beim ersten deutschen WM-Spiel.

In den vergangenen Jahren wurden beim Rollenden Gastmahl sechs junge Leute ausgebildet. „Ich würde auch kurzfristig noch einen Azubi nehmen, aber leider fehlt es an geeigneten Bewerbern“, so der Chef. Dabei habe die Arbeit in seiner Küche gegenüber der Gastronomie einen erheblichen Vorteil: „Wir fangen zwar zeitig an, abends hat man aber dafür frei.“