erweiterte Suche
Donnerstag, 11.01.2018 Gerichtsbericht

„Es sind doch nur Comics“

Eine Frau soll Bilder ihrer Tätowierungen ins Internet gestellt haben. Das Fatale: Sie zeigen Nazi-Symbole.

Von Yvonne Popp

© dpa

Pirna. Auf ihren Facebook-Seiten scheut die Angeklagte die Öffentlichkeit nicht. Teilweise recht freizügig stellt sie dort ihren kurvenreichen, tätowierten Körper zur Schau. Am Amtsgericht in Pirna wäre es ihr nun aber lieber gewesen, wenn die Richterin die Zuschauer aus dem Gerichtssaal verbannt hätte, denn die junge Frau sorgt sich um ihr Image. Angeklagt ist die selbstständige Unternehmerin aus der Sächsischen Schweiz, weil die Tätowierungen auf ihrem Körper verbotene Nazi-Symbole wie Hakenkreuz und Siegrune zeigen. „Es stimmt, dass ich die Bilder gepostet habe“, räumte die 30-jährige ein. Sie habe aber nicht vordergründig die verbotenen Zeichen, sondern immer das jeweilige Gesamtbild ins Netz gestellt. Die Bilder stellen Comic-Motive dar. Eines davon zeigt die Figur „Red Scull“, welche im Comic-Universum gegen Captain America antritt. Dieser „Red Scull“ ist eindeutig der Nazi-Szene zuzuordnen, trägt er doch eine SS-Uniform. Auch auf dem Bein der Angeklagten war er in seiner typischen Aufmachung mit Hakenkreuzbinde am Oberarm verewigt.

Dass das Hakenkreuz verboten ist, habe sie schon gewusst, gab die Angeklagte dann zu. Nur habe sie angenommen, dass sie sich rechtlich in einer Grauzone bewege, da sie es ja im Zusammenhang mit den Comic-Motiven auf dem Körper trägt. „Bei den Runen ging ich aber davon aus, dass sie nicht verboten sind“, sagte sie. Das sei aber kein Thema mehr, versicherte sie, denn alle Symbole habe sie inzwischen überdecken lassen.

Ob das stimmt, bleibt dahingestellt, da bei den erkennungsdienstlichen Maßnahmen im Vorfeld des Verfahrens die korrigierten Tätowierungen noch frisch und von Verbänden verdeckt waren. Da es damals für die Beamten keinen Grund gab, der Beschuldigten zu misstrauen, hatte man davon abgesehen, unter die Verbände zu schauen. Aus dem Internet sind die Bilder aber tatsächlich verschwunden. Lediglich das von „Red Scull“ ist noch zu sehen. Das Hakenkreuz an seiner Armbinde sieht nun aus wie ein Fensterrahmen.

Mit der Neonazi-Szene möchte die Angeklagte jedoch nicht in Verbindung gebracht werden. Zwar gab sie auf Nachfrage zögernd an, der aktuellen Flüchtlingspolitik kritisch gegenüber zu stehen und auch Freunde zu haben, die dem rechten Spektrum zuzuordnen sind, rechtsradikal sei sie deshalb aber nicht.

Das zur Schau stellen verbotener Nazi-Symbole war unterdessen nicht der einzige Anklagepunkt gegen die junge Frau. Daneben wurde ihr noch Fahren ohne Führerschein vorgeworfen. Im November vergangenen Jahres soll sie, obwohl sie schon lange keinen Führerschein mehr besitzt, mit dem Auto ihres Vaters in Thüringen unterwegs gewesen sein. Aufgefallen war das, weil sie auf der Autobahn zwischen Jena und Erfurt in eine Geschwindigkeitskontrolle geraten war. Obwohl die Bilder eindeutig keinen Mann hinter dem Steuer zeigen, sondern eine Frau, die ihr sehr ähnlich sieht, schwieg die Angeklagte zu diesem Vorwurf. Ein Urteil gibt es noch nicht. Bei einem Fortsetzungstermin Ende Januar sollen weitere Zeugen gehört werden.