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Mittwoch, 07.03.2018

Es reicht vorn und hinten nicht

Bei den Dresdner Eislöwen fehlen Charaktere. Dazu kommen Unsicherheiten – und Profis, die amateurhaft auftreten.

Von Maik Schwert

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„Jeder spielt um seinen Vertrag“, sagt Trainer Franz Steer. Er kündigt nach der Saison entsprechende Konsequenzen an.
„Jeder spielt um seinen Vertrag“, sagt Trainer Franz Steer. Er kündigt nach der Saison entsprechende Konsequenzen an.

© Robert Michael

Gerhard Unterluggauer sagt tatsächlich „auf Wiedersehen“ beim Gehen. Vielleicht meint der Falken-Coach das zweite Duell am Freitag in Heilbronn. Die Journalisten denken an Sonntag in Dresden. Doch diese dritte Partie kommt nur zustande, wenn die Eislöwen das nächste Spiel gewinnen. Unterluggauers Mannschaft benötigt noch einen Erfolg zum Einzug ins Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga 2. Dresden braucht immer noch zwei Siege. Doch während Heilbronn nach drei Triumphen hintereinander einen Lauf hat, fehlt den Eislöwen nach drei Niederlagen in Folge alles für ein Erfolgserlebnis.

Bester Beweis: das 1:3 am Dienstagabend zum Auftakt der Pre-Play-off-Serie im Best-of-3-Modus. Dresden macht Druck in den ersten zehn Minuten. „Da hat unser Goalie brutal gut gehalten“, sagt Falken-Angreifer Henry Martens, der 2010 bis 2012 bei den Eislöwen stürmte. „Es ist kein Tor gefallen, und das ist bei Dresden im Kopf geblieben.“ Die Eislöwen seien frustriert gewesen. „Das hat uns in die Hände gespielt. Wir sind sehr effektiv gewesen.“ Heilbronn benötigt vier Schüsse für zwei Treffer in der 13. und 15. Minute. „Wir sind bereit für die Play-offs und möchten so lange wie möglich dabei bleiben. Es ist die beste Zeit des Jahres. So spielen wir auch.“

Anders als die Dresdner, die das zwar auch wollen, aber bisher nicht können. „Die Falken haben das sehr gut gemacht“, sagt Eislöwen-Trainer Franz Steer. „Wir sind immer einen Schritt zu spät und nicht ins Spiel gekommen. Zwei Tore in vier Heimpartien – bei uns reicht es vorn und hinten nicht. Heilbronns Effizienz fehlt uns. Auch die Charaktere sind nicht so da. Dazu kommen Unsicherheiten.“ Ausgerechnet in der entscheidenden Saisonphase machen alle Fehler – sogar Marco Eisenhut, laut Steer bis Mitte Dezember bester Keeper der Liga, danach nicht mehr so überragend und beim 0:2 mit einem Patzer.

Die Ausländer überzeugen nicht

Mit hinten meint Steer die gesamte Abwehr. Er entscheidet sich bei der ersten Partie für die defensivere Variante mit dem kanadischen Verteidiger Shawn Boutin und gegen dessen Landsmann Matt Siddall im Angriff. Es macht die Abwehr nicht stabiler. Sie kassiert zwei Treffer in Unterzahl – und das gegen das zweitschlechteste Team im Powerplay. Das dritte Tor für die Falken erzielt mit dem Kanadier Jordan Heywood einer der besten Defensivspieler. So ein Verteidiger fehlt Dresden. „Boutin ist nicht der Top-Abwehrspieler“, sagt Steer. „Doch auch über Siddall lässt sich streiten.“

Vorn kann ebenfalls kein Ausländer überzeugen – weder Siddall noch dessen Landsleute Nick Huard und Harrison Reed oder der Litauer Tadas Kumeliauskas. Bei anderen Klubs sind sie die besten Punktesammler und Torjäger. Bei den Falken trägt der Kanadier Brandon Alderson als Topscorer den Goldhelm. Bei den Eislöwen fällt Alexander Höller damit auf – und durch seine Bereitschaft, nach der Niederlage mit den Medienvertretern zu reden. Der von den Reportern angefragte Kapitän René Kramer lässt sich aufgrund von Nackenbeschwerden entschuldigen und geht an der Presse vorbei zum Duschen. Am Mittwoch ist klar: Er muss erst mal zwei Nächte drüber schlafen und die Niederlage verdauen. Ihm fehlen die Worte. Sein Kopf ist leer. Am Donnerstag stehen Kramer und Steer vor der Abfahrt des Teams nach Heilbronn als Gesprächspartner zur Verfügung.

„Das ist sehr frustrierend“, sagt Höller einige Male. Er meint auch mehrere Dinge. Zweimal bekommt Dresden Strafen, weil ein Mann zu viel auf dem Eis steht. Beim ersten Mal kassieren die Eislöwen das 0:1. Beim zweiten Mal und dem Stand von 0:3 brüllen die Fans: „Sie können nicht mal zählen.“ Höller bezeichnet das Verhalten als „amateurhaft, dumm und peinlich“. Das trifft auch aufs Spielerische zu. „Wir haben nichts auf die Reihe bekommen – nicht mal Pässe über zwei Meter – und sind an unserem Unvermögen gescheitert. Da muss sich einiges ändern. So dürfen wir nicht noch einmal auftreten.“

Er kritisiert das Durcheinander auf dem Eis und moniert: „Keiner ist für den anderen da.“ Mannschaftliche Geschlossenheit klingt anders. Doch trotz der Harmlosigkeit im Sturm glauben Spieler wie Trainer noch an die Wende. Offenbar machen das auch die Zuschauer. „Wir sehen uns am Sonntag“, sagen sie nach der Niederlage und hoffen weiter auf das Wunder. Der Satz ähnelt dem Zitat des Falken-Coaches, der sich ebenfalls nicht sicher fühlt.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Hinweis

    Wenigstens ist der Klassenerhalt sicher - zumindest für dieses Jahr. Ein Erfolgserlebnis auch für den Trainer

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