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Freitag, 12.10.2018

„Es ist die erwartet schwere Liga“

Trainer Erik Schmidt kam 2013 nach Bischofswerda und führte das Team aus der 6. in die 4. Liga. Der Klassenerhalt ist das Ziel.

BFV-Trainer Erik Schmidt tritt mit seinem Team am Sonntag zum Sachsenpokalspiel in Freiberg an. Danach geht es in der Regionalliga Nordost weiter.
BFV-Trainer Erik Schmidt tritt mit seinem Team am Sonntag zum Sachsenpokalspiel in Freiberg an. Danach geht es in der Regionalliga Nordost weiter.

© Rocci Klein

Fußball-Regionalliga. Vor fünf Jahren kam der heute 39-jährige Erik Schmidt als Trainer nach Bischofswerda. Es war seine erste Männerstation nach einer erfolgreichen Zeit als Nachwuchscoach bei Dynamo Dresden. Schiebock spielte damals noch in der Landesliga. Seit dieser Saison sind die Schmidt-Schützlinge in der 4. Liga unterwegs. Nach zwölf Spieltagen in der Fußball-Regionalliga Nordost, rangiert der Aufsteiger mit 14 Zählern auf einem Nichtabstiegsplatz. Am Sonntag steht das Drittrundenspiel im Sachsenpokal an. Gastgeber ist ab 14 Uhr der BSC Freiberg, Titelfavorit der Landesklasse Mitte (7. Liga). Erik Schmidt gab vor der Partie in der Bergstadt der Sächsischen Zeitung ein Interview zur Lage.

Herr Schmidt, fast ein Drittel der Meisterschaft ist absolviert. Wie fällt ihr Urteil aus?

Wir müssen uns an Niederlagen gewöhnen, was wir ja in den letzten Jahren nur selten hatten. Es ist die erwartet schwere Liga, die individuelle Klasse der Spieler ist viel höher als in der Oberliga. Nimmt man unseren Etat, dann sind wir neben Rathenow der erste Abstiegskandidat. Das alles kommt für uns nicht überraschend, daher sind wir froh, dass wir die 14 Punkte haben. Wir wollen nach dem Ende der Hinrunde bei 20 Zählern stehen und später möglichst mit 23 in die Winterpause gehen. Das ist machbar und wäre eine vernünftige Ausgangsposition für die zweite Halbserie. Auch wir Trainer müssen in dieser Liga lernen. Nicht immer treffen wir die richtigen Entscheidungen und ärgern uns im Nachhinein. Ich bleibe dabei, der Klassenerhalt wäre dem Oberligaaufstieg mindestens gleichzusetzen.

In welcher Partie kam Ihre Mannschaft den Trainer-Vorgaben am nächsten?

Ganz klar im Gastspiel bei Viktoria Berlin – nicht nur, weil wir dort 1:0 gewonnen haben. Dort haben die Jungs alles so umgesetzt, wie wir es haben wollten. Richtig schlecht waren wir dagegen in der ersten Halbzeit in Neugersdorf und zu Hause in den zweiten 45 Minuten gegen Fürstenwalde, als wir durch zwei Standards trotz Führung verloren haben.

Haben Ihre Jungs denn ein Problem, wenn sie selbst die Spielinitiative ergreifen sollen?

Ja, ohne Zweifel ist das so. Auch das ist ein Lernprozess, man muss das genau abwägen. Wir müssen versuchen, in Führung zu gehen und danach möglichst gut zu verteidigen. Das bietet uns dann Räume zum schnellen Umkehrspiel. Ein Gegentor wie gegen Altglienicke nach fünf Minuten ist tödlich. Wir sind nicht mehr in der Oberliga. Da haben wir nach einem Gegentreffer noch drei Tore geschossen und gewonnen.

Wie geht es eigentlich Ihrem verletzten Abwehrchef Fernando Lenk?

Bei ihm war ja fast alles kaputt, Meniskus und Kreuzband sowie ein Knorpelschaden. Die Operation ist gut verlaufen, er hat bereits mit der Reha begonnen. Aber nach einem Kreuzbandriss dauert es lange und ich glaube nicht, dass er uns in dieser Saison noch zur Verfügung steht.

Wird es in der Winterpause Veränderungen im Kader geben?

Mal schauen. Zuletzt konnten wir das Fehlen von Lenk nicht immer kompensieren. Auch auf den Außenbahnen sind wir nicht unbedingt optimal besetzt. Wichtig wird für uns aber die Vorbereitung in der Winterpause. Da können wir einiges üben und sicher auch korrigieren. Wir brauchen eine optimale Vorbereitung mit dem kompletten Kader. Bis dahin müssen wir uns durchmogeln und möglichst viele Punkte holen.

Wird es im Winter auch wieder ein Trainingslager geben?

Ja, das ist geplant. Nach meinen Informationen sind wir vom 19. bis 26. Januar in Belek, und zwar wieder im Hotel Limak Arcadia Golf Resort.

Sie arbeiten als einziger Trainer der Regionalliga Nordost im Nebenjob. Wie lange wollen Sie diese Doppelbelastung durchhalten?

Im Moment geht es noch. Wir sind drei Trainer und teilen uns die Arbeit sehr gut auf. Dennoch ist es kein optimaler Zustand, das wissen wir alle. Ein festangestellter Trainer arbeitet die ganze Woche auf das nächste Spiel hin. Der Aufwand ist größer als in der Oberliga. Kommt dann noch der Druck im Abstiegskampf hinzu, gelangt man schnell an seine Grenzen. Ich muss immer an die Worte von Thomas Hentschel denken, der mal gesagt hat, der Trainerberuf ist so lange schön, bis der Überlebenskampf gegen den Abstieg beginnt. Ich selbst habe es mal bei der B-Jugend von Dynamo Dresden erlebt, als wir in der Bundesliga um den Klassenerhalt kämpften. Die Belastung erhöht sich enorm.

Was erwarten Sie vom Pokalspiel am Sonntag in Freiberg?

Für mich macht es keinen Unterschied, ob wir in Babelsberg oder Freiberg antreten. Ich will das Spiel gewinnen. Der Verein braucht jeden Cent und da ist im Pokal einiges möglich. Natürlich braucht man auch etwas Glück dazu. Sicher werden in Freiberg einige Anschlusskader spielen, denn die Jungs brauchen auch Wettkampfpraxis. Und ich denke, es ist auch wieder mal die Chance, die Partie nach unseren Vorstellungen zu gestalten, also dem Spiel den Stempel aufzudrücken. Diese Möglichkeit gibt es in der vierten Liga eher selten.

Gespräch: Jürgen Schwarz