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Mittwoch, 07.03.2018

Es gibt noch viel zu tun für „Drängelbert“

Engelbert Lütke Daldrup ist seit einem Jahr Chef des Berliner Pannenflughafens BER. Auch er hat die Komplexität des Vorhabens unterschätzt.

Von Burkhard Fraune, Schönefeld

Selbstbewusster Manager: Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup steht in einem Terminal des Flughafens Berlin Brandenburg (BER).
Selbstbewusster Manager: Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup steht in einem Terminal des Flughafens Berlin Brandenburg (BER).

© dpa/Bernd Settnik

Berlins Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup holt ein wenig aus, um seinen Namen zu erklären: Als vor Generationen im Münsterland der Bauernhof Daldrup unter Erben geteilt wurde, zu ungleichen Teilen, wurden daraus der Große Daldrup und der Lütke Daldrup – „lütke“ für „klein“. Man nannte auch die Bauernfamilien so. Flughafenchef Lütke Daldrup schließt mit einem Lächeln: „Inzwischen ist der Lütke Daldrup der Größere.“

Seit einem Jahr arbeitet der 61-Jährige daran, am vermaledeiten neuen Hauptstadtflughafen „der Größere“ zu werden. Größer als seine Vorgänger Schwarz und Mühlenfeld und Mehdorn. Sie alle scheiterten daran, den vermurksten Bau zu ihren Amtszeiten ans Netz zu bringen. Der Neue sagt: „Wir haben uns dieses Mal vorgenommen, den Termin auch wirklich einzuhalten.“ Doch man ist skeptisch geworden. Für ein Urteil ist es noch zu früh. Und der Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider sagt: „Er hat es am Anfang unterschätzt, wie viele andere auch.“

Schließlich hatte Lütke Daldrup erstmal daran festgehalten, 2018 die ersten Passagiere im Neubau einchecken zu lassen. Heute sagt er: „Das größte Schockerlebnis war, dass ich dachte, mit einem Dreijahresvertrag kommst du bequem zur Inbetriebnahme.“ Ein Irrtum und keine leichte Erfahrung für den ehrgeizigen Ingenieur, wie er selbst bekennt. „Aber er war Manns genug, das auch zu korrigieren“, gesteht Bretschneider zu. Lütke Daldrup verschob die Eröffnung um ganze zwei Jahre, auf Herbst 2020 – neun Jahre nach dem ursprünglichen Termin.

Damit hat sich der Ex-Staatssekretär erst mal Spielraum geschaffen am politisch umkämpften Projekt; nicht nur damit. Er holte Gefolgsleute nach Schönefeld, schickte die Berater von Roland Berger fort, baute die Flughafengesellschaft um – und beförderte so den Bauleiter Jörg Marks geräuschlos von der Terminal-Baustelle. Daran war der vorige Chef Karsten Mühlenfeld gescheitert, er wurde geschasst.

Lütke Daldrup war Flughafenkoordinator im Roten Rathaus, machte die Detailarbeit für den früheren Aufsichtsratschef, Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD). Er hat gute Drähte in die Machtzentrale. Ihm hilft aber auch, dass keine Spitzenpolitiker mehr im Aufsichtsrat hocken, nur Staatssekretäre, und dafür mehr Manager.

„Drängelbert“ soll man Lütke Daldrup im Rathaus genannt haben, weil Geduld nicht seine Stärke sei. Am Flughafen machte er Schluss mit mancher Illusion, etwa dass Berlin bald ein Luftdrehkreuz werde. Nach der Air-Berlin-Pleite dürfte der BER mehr und mehr zum Billigflieger-Airport werden, mit insgesamt bis zu 55 Millionen Passagieren 2040, so die Prognose des Betreibers. Heute sind es in Tegel und Schönefeld 33 Millionen. Der gelernte Stadtplaner Lütke Daldrup ist oft kurz angebunden, aber ins Reden kommt er, wenn es darum geht, den Flughafen nach dem Start 2020 weiter auszubauen, samt Büro- und Gewerbepark.

Von 40 Gebäuden seien 39 fertig, sagt Lütke Daldrup. Doch das hat genauso auch der glücklose Hartmut Mehdorn gesagt. Der frühere Bahnchef hatte auf der Baustelle viel Staub aufgewirbelt, war aber kaum vorangekommen. Lütke Daldrup ist nüchterner, ja trocken – und kontrolliert. Wenn sich kritische Fragen wiederholen, wiederholt er gleichlautend seine Antwort. Bis die Eröffnung 2020 gelingt, gilt seine Ansage: „Wir müssen auch die nächsten zweieinhalb Jahre Ihre Nerven strapazieren.“

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