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Freitag, 03.11.2017

„Es fehlt noch ein bisschen was“

Die Niederlage gegen Porto zeigt: Dem RB-Spiel mangelt es an Routine und Cleverness. Gesucht werden die Schnell-Lerner.

Von Daniel Klein, Porto

Der Anzug von Ralph Hasenhüttl feierte sein Comeback, brachte aber erneut kein Glück.
Der Anzug von Ralph Hasenhüttl feierte sein Comeback, brachte aber erneut kein Glück.

© dpa

Wenn es einmal nicht läuft, geht einfach alles schief. Der geplante Rückflug von Porto nach der 1:3-Niederlage in der Champions League verspätete sich am Donnerstag um rund drei Stunden. Der Co-Pilot war erkrankt, die Suche nach Ersatz dauerte. Im minutiös geplanten Ablauf von RB Leipzig eine ärgerliche Verzögerung, die auch die Vorbereitung aufs nächste Spitzenspiel stört: Bereits am Samstag kommt der Überraschungs-Aufsteiger und Tabellenvierte Hannover in die Red-Bull-Arena. Dann soll nach drei Niederlagen in Folge endlich wieder ein Sieg gefeiert werden.

Der wäre wichtig fürs angeknackste Selbstvertrauen, so eine Durststrecke erlebte der erfolgsverwöhnte Verein zuletzt vor zweieinhalb Jahren. Damals hießen die Gegner St. Pauli, Sandhausen und Ingolstadt, die aktuellen waren von anderem Kaliber: der FC Bayern gleich zweimal sowie der FC Porto. „Drei Niederlagen in so kurzer Zeit sind nicht einfach, das tut weh“, erklärte Marcel Sabitzer in den Katakomben des Estadio do Dragao, wo XXL-Fotos an den Wänden an die ruhmreiche Geschichte des Klubs erinnern. RB hätte gewaltige Probleme, solche Flächen zu füllen. Die letzten Titel waren: Regionalliga-Meister und Sachsenpokalsieger 2013.

Der Blick in die junge Geschichte des Vereins ist ganz nützlich, um die drei Niederlagen einordnen zu können. Auffällig ist die fehlende Cleverness, die sich meist erst mit größerer Routine einstellt. Ob die beiden Platzverweise gegen München oder die beiden Standard-Gegentore gegen Porto – alle gehören in die Kategorie: absolut unnötig. Und das frustriert besonders. „Wir machen es uns selbst kaputt, weil wir zwei Standards fressen. Das ist brutal und unerklärlich, wir hatten es vor dem Spiel extra mehrmals angesprochen“, sagte Kapitän Willi Orban. Der Abwehrchef war bis vor anderthalb Jahren noch zweitklassig unterwegs, am Mittwochabend kam er beim 2:1-Kopfballtreffer durch den knapp im Abseits stehenden Danilo zu spät.

„Solche Fehler brechen einem in der Champions League das Genick“, erkannte Angreifer Timo Werner, der drei Minuten nach seiner Einwechslung das zwischenzeitliche 1:1 erzielt hatte. Sein Treffer nach einmonatiger Torflaute war das einzig Positive an diesem frustrierenden Abend, an dem Sturmkollege Jean-Kevin Augustin auch noch mit einer Oberschenkelverletzung ausgewechselt werden musste. „Nach dem 1:1 ist bei uns die Ordnung ein wenig flöten gegangen. Wir haben sehr euphorisch reagiert, wollten gleich das zweite Tor nachlegen“, analysierte der Trainer: „Wenn man gegen eine erfahrene Mannschaft wild drauflos stürmt, ist das gefährlich. Da haben wir uns hinten etwas entblößt und viele Standards zugelassen.“ Auch das zweite Gegentor fiel aus Mangel an Besonnenheit. Hasenhüttls Kurzfazit: „Es fehlt noch ein bisschen was.“

Das trifft nicht nur aufs Verteidigen zu. In der ersten Hälfte hatten die Rasenballer zwar 60 Prozent Ballbesitz, effektiv war das jedoch nicht. Es mangelte am Mut zum Dribbling und den Vertikalpässen – Dingen also, die eigentlich die Stärke des RB-Spiels ausmachen. „Wir haben zu lange hintenrum und in die Breite gespielt anstatt nach vorn“, fand Sabitzer. Dafür ist im RB-System vor allem Naby Keita zuständig, doch der leicht angeschlagene Guineer gönnte sich viele Kreativpausen.

Hasenhüttl fand trotzdem, dass nicht die schlechtere Mannschaft verloren habe, sondern die uneffektivere. „Wir belohnen uns momentan nicht für den enormen Aufwand, den wir betreiben. Aber das dreht sich wieder“, ist sich der Österreicher sicher. Das müsste es auch, um noch eine Chance zu haben aufs Achtelfinale. Zwei Siege gegen Monaco und Istanbul wären dafür wohl nötig. „Es ist noch nicht alles verloren“, meinte Hasenhüttl. Als Gruppendritter würde RB wenigstens in der Europa League überwintern. Auch dort kann man viele Erfahrungen sammeln.

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