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Donnerstag, 13.09.2018

Es begann mit VHS-Kassetten aus dem Westen

Der Förderverein des Karl-May-Museums wird 30. An neuen Herausforderungen mangelt es auch heute nicht.

Von Rasmus Wittrin

Schon als Kind las René Wagner selbstständig Karl-May-Bücher. Auch in die Verfilmungen hat er sich verliebt. Auf dem Foto zeigt er zwei alte Videokassetten.
Schon als Kind las René Wagner selbstständig Karl-May-Bücher. Auch in die Verfilmungen hat er sich verliebt. Auf dem Foto zeigt er zwei alte Videokassetten.

© Arvid Müller

Radebeul. Sie hatten Glück. Denn sie hatten einen Videorekorder und Westbeziehungen – wichtige Voraussetzung für gemeinsame Film- und Dokumentationsabende über Winnetou und seine Abenteuer. Das war in einer Zeit, in der der Förderverein Karl-May-Museum noch Freundeskreis des Karl-May-Museums Radebeul hieß, vor 30 Jahren. René Wagner ist einer der 85 Gründungsmitglieder. „Manche von uns hatten Bekannte in der Bundesrepublik. Die versorgten uns mit Videomaterial, was es im Osten einfach nicht gab“, erinnert sich der 68-Jährige.

Der Mangel an Werken des sächsischen Schriftstellers Karl May, war in der DDR nicht nur bei Filmen gravierend. „Wenn ein neues Buch von ihm herauskam, waren innerhalb von 24 Stunden schon mal 250 000 Exemplare verkauft“, so Wagner. Das lag nicht nur an dem großen Interesse, das den Abenteuerromanen des sächsischen Schriftstellers entgegengebracht wurde. Die DDR-Führung verhinderte bis in die 80er-Jahre Buchdrucke mit erwähnenswerter Auflage. Begründet wurde das unter anderem damit, dass die christlich geprägten Werke Mays im Sinne eines sozialistischen Bildungsideals obsolet wären.

Von der Gründung des Freundeskreises des Karl-May-Museums ließen sich Wagner und seine Mitstreiter aber nicht abbringen. Ihr Ziel war es, May einer möglichst breiten Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen. „Wir waren nicht politisch. Wir waren einfach Fans, wir hatten Spaß an der Freude“, erzählt Wagner.

Nach der Wende wandelte sich der Freundeskreis zum Verein. Wagner ist seitdem Vorstandsvorsitzender. Damals rutschten die Mitgliederzahlen zunächst um etwa die Hälfte auf 40 ab. Doch der Verein fing sich schnell wieder. „1992 war der 150. Geburtstag Karl Mays. Das wirkte wie eine Triebkraft für uns“, berichtet Wagner.

Heute gehören mehr als 300 Mitglieder dem Verein an, darunter etwa 30 ausländische aus der Schweiz, Österreich, den Niederlanden und sogar den USA. Die meisten aber kommen aus der Region. Trotz der guten Zahlen steht der Verein vor einem Problem. Wagner: „Unser Durchschnittsalter liegt bei knapp 60 Jahren.“ Und auch das Karl-May-Museum hat mit Herausforderungen zu kämpfen. In den besten Jahren sind bis zu 359 000 Besucher jährlich gekommen. Heute sind es 52 000. Wagner weiß um die sinkende Nachfrage nach Werken Karl Mays. Und da kommt es wieder zurück zur ursprünglichen Vereinsidee: May einer möglichst breiten Bevölkerungsschicht zu präsentieren.

Der Förderverein des Karl-May-Museums hilft dabei tatkräftig mit. Neben finanzieller Unterstützung zum Ausbau und zur Instandhaltung der Museumsgebäude werden kostenlose Vorträge angeboten, auf Veranstaltungen geworben und neue Ausstellungsstücke für das Museum angeschafft. Am Freitag, dem 14. September, findet der nächste Vortrag statt. Dann spricht Wagner über die zurückliegenden 30 Jahre Vereinsgeschichte. Beginn ist 18.30 Uhr im Karl-May-Museum. „Kreativität ist jetzt gefordert. Wir brauchen neue Wege, um auch Jugendliche von May zu begeistern“, so Wagner.

Beispielsweise könne man verstärkt andere europäische Länder mit einbeziehen. In Tschechien etwa seien viele Karl-May-Verehrer und in Polen Indianerfans. Trotz aller Sorgen: Der Förderverein Karl-May-Museum ist zurzeit nach der Karl-May-Gesellschaft der größte May-Verein in Deutschland, wahrscheinlich auf der Welt.