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Mittwoch, 14.03.2018

Ertrunkene Wurst, Knödel und Urquell

Die tschechischen Wochen bringen Spezialitäten und Fachkräfte ins Osterzgebirge. Letztere nicht unbegrenzt.

Von Steffen Neumann

Kristyna Kucerova und Adam Turecky von der Hotelfachschule Teplice absolvieren schon seit einer Woche ein Praktikum im Hotel Lugsteinhof in Zinnwald. In den Händen haben sie Gebäck aus ihrer Heimat, das den Gästen serviert wird.
Kristyna Kucerova und Adam Turecky von der Hotelfachschule Teplice absolvieren schon seit einer Woche ein Praktikum im Hotel Lugsteinhof in Zinnwald. In den Händen haben sie Gebäck aus ihrer Heimat, das den Gästen serviert wird.

© Egbert Kamprath

Osterzgebirge. Wer in diesen Wochen das Hotel Lugsteinhof in Zinnwald betritt, wird gleich von den Marionettenpuppen Spejbl und Hurvinek begrüßt. Überall hängen tschechische Fähnchen, und an der Rezeption grüßt der kleine Maulwurf. Und auf der Speisekarte finden sich die legendären Ertrunkenen Speckwürstchen, eingelegter Camembert und natürlich der Klassiker Schweinebraten mit Sauerkraut und Knödeln. Die Preise sind gar nicht so viel höher als in Tschechien, abgesehen vom Bier.

Kein Zweifel, es finden die Wochen der tschechischen Küche statt. Bis Gründonnerstag können Gäste in diesem Jahr nicht nur im Lugsteinhof, sondern letztlich auch im Ahorn Waldhotel in Schellerhau, im Ratskeller Geising und im Elbschlösschen Rathen tschechische Küche genießen. Dazu kommt noch das Haus Am Klein-Erzgebirge in Oederan. Und nicht nur das, sie werden auch von tschechischem Personal bedient. Denn fünf angehende Köche und 13 Servicekräfte aus der Hotelfachschule Teplice (Teplitz) machen ihr obligatorisches Praktikum in den fünf Häusern. Aber auch umgekehrt funktioniert das Praktikum. Im Braurestaurant Monopol in Teplice gastiert Paul Kirsch aus dem Ratskeller Geising.

„Wir decken Tische, räumen ab und haben auch schon bedient. Und in der zweiten Woche beginnen wir, auch die Bestellungen aufzunehmen“, erzählen Kristyna Kucerova und Adam Turecky, die schon eine Woche im Lugsteinhof absolviert haben. Beide lernen im zweiten Jahr an der Schule in Teplice und haben schon Praktika in tschechischen Einrichtungen absolviert. Zwischen Lugsteinhof und tschechischem Restaurant sehen sie keine Unterschiede. „Aber es ist sehr wertvoll für uns, hier zu lernen. Und wir können unser Deutsch testen“, sagt Turecky.

Dass ihnen im Lugsteinhof vieles vertraut vorkommt, könnte auch am tschechischen Personal liegen, das hier bereits ein Drittel ausmacht. Nicht ganz so hoch ist der Anteil im Ahorn Waldhotel in Schellerhau. „Ohne tschechische Mitarbeiter würden wir unsere Stellen nicht besetzt bekommen“, sagt Jochen Löbel, Chef vom Lugsteinhof und Sprecher des Wirtestammtisches Altenberg/Geising, der den Austausch und die tschechischen Wochen in Partnerschaft mit der Hotelfachschule in Teplice seit 2008 organisiert.

Es muss mehr als weise Voraussicht gewesen sein. Denn im schon viel beschriebenen Fachkräftemangel stehen die Hotels und Gaststätten in der Grenzregion dank tschechischer Arbeitskräfte noch gut da. „Wir haben den Vorteil, dass wir für Arbeitspendler aus Tschechien noch gut erreichbar sind. Das ist in Dresden schon schwieriger“, schätzt Christian Hein, Essen- und Getränke-Manager im Ahorn Waldhotel, ein.

Er möchte den Vorteil der tschechischen Arbeitskräfte aber nicht allein auf die Minderung des Fachkräftemangels reduzieren. „Das Erzgebirge ist zweisprachig, und da sind unsere Mitarbeiter eine wertvolle Ressource“, sagt Hein. Wer sich in der Grenzregion heute nur auf Deutschland fokussiere, sei schlecht beraten. Dass sein Hotel gerade richtig für Tagesausflüge nach Dresden und Prag liege, sei ja kein Geheimnis. Und mittelfristig werde das auch für die zunehmend zahlungskräftigere tschechische Klientel interessant.

Doch der Fachkräftezufluss aus Tschechien ist nicht unendlich. Dass in diesem Jahr weniger Einrichtungen an den Aktionswochen teilnehmen, hat auch mit den gesunkenen Schülerzahlen in Teplice zu tun. „Wir haben derzeit nur noch eine Kochklasse“, bestätigt die stellvertretende Schulleiterin Lucie Friclova. Doch mittelfristig sieht es erst einmal wieder besser aus, dank der kommenden geburtenstarken Jahrgänge. „Für das nächste Schuljahr hoffen wir wieder auf die zweite Kochklasse“, ist Friclova optimistisch.