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Donnerstag, 26.04.2018

Erneut Brand im Tagebau Reichwalde

Der Wind hat wieder Glutnester in der Grube angefacht. Wieder sind mehrere Feuerwehren im Einsatz.

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Am Donnerstag sind wieder Glutnester aufgeflammt.
Am Donnerstag sind wieder Glutnester aufgeflammt.

© Leag

  • Am Donnerstag sind wieder Glutnester aufgeflammt.
    Am Donnerstag sind wieder Glutnester aufgeflammt.
  • So sah die Einsatzstelle am Mittwoch zwischen 18 und 19 Uhr aus.
    So sah die Einsatzstelle am Mittwoch zwischen 18 und 19 Uhr aus.
  • Die Rauchsäule war schon von Weitem zu sehen.
    Die Rauchsäule war schon von Weitem zu sehen.

Reichwalde. Der Wind hat wieder Glutnester im Tagebau Reichwalde angefacht. Das teilt Kathi Gerstner vom Bergbauunternehmen Leag in Cottbus mit. „Die Werkfeuerwehr hat um Unterstützung bei 13 Feuerwehren gebeten.“

Bilder vom Tagebau-Brand

In der Nacht konnte der größte Brand in der Geschichte des Tagebaus Reichwalde vorerst gelöscht werden. Zumindest oberflächlich. „Es werden die nächsten Tage noch Einsatzkräfte der Werksfeuerwehr vor Ort sein, um die Situation zu beobachten“, sagt Thoralf Schirmer vom Bergbauunternehmen. Falls Glutnester wie diesen Donnerstag aufflammen, könnten sie schnell gelöscht werden. „Wir wissen nicht, was im Flöz vorgeht.“ Auch zwei Hubschrauber der Bundeswehr und Polizei kreisten noch am Vormittag über dem Tagebau und waren mit jeweils 5000 Litern Wassern pro Flug ausgestattet. Aktuell ist noch einer im Einsatz. Die bei dem Feuer laut Schirmer erheblich beschädigte Bandanlage soll repariert werden und ihre Arbeit bald wieder aufnehmen. Bis dahin versorgt der Tagebau Nochten das Kraftwerk Boxberg.

Brand breitet sich auf 2000 Meter aus

Die Ursachen- und Schadensermittlung läuft derzeit. Das übernimmt Leag selbst, das Bergamt als Aufsichtsbehörde ist und wird nach Auskunft von Schirmer über den Stand informiert. Dass sich Kohle oder Kohlestaub auf Grubenebene entzünde, sei möglich, äußert er. Wind und Trockenheit könne so einen Brand dann begünstigen. Es ist der größte seit der Eröffnung des Tagebaus in den 1980er Jahren, wie Schirmer von seit DDR-Zeiten aktiven Feuerwehrkameraden erfuhr. „Am Ende ist wichtig, dass das Feuer eingefangen werden konnte und es keine Verletzten gab“, sagt Schirmer.

Der Brand war am Mittwochnachmittag im Tagebau ausgebrochen. Auf einer Fläche von zehn mal zehn Meter entzündete sich dieser auf der Arbeitsebene der Kohleförderung. Aufgrund stürmischer Böen weitete sich das Feuer auf einer Länge von 2000 Metern aus. Auch die Bandanlage zum Transport der Kohle war auf einer Länge von 700 Metern betroffen. Mithilfe von 240 Einsatzkräften, 48 Löschfahrzeugen und rund 30 Feuerwehren aus den Landkreisen Bautzen und Görlitz sowie dem Spree-Neiße-Kreis in Brandenburg konnte der Brand in den Abendstunden eingedämmt und in der Nacht schließlich gelöscht werden. Die aufsteigenden Rauchschwaden sind laut dem Unternehmen nicht giftig gewesen. Dennoch bat die Leag die Bevölkerung, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Rauchwolke reicht bis Rothenburg

Die Auswirkungen des Großbrandes am Mittwoch waren noch kilometerweit zu sehen und zu spüren. So ist die Rauchwolke noch in Bautzen und Cottbus gut sichtbar gewesen. Sie zog hauptsächlich nach Osten ab und sorgte noch in Rothenburg für eine starke Geruchsbelästigung. Demgegenüber berichteten Anwohner in unmittelbarer Nähe des Tagbaus, sie hätten von dem Brandereignis kaum etwas bemerkt. Der Hafenmeister von Klitten am Bärwalder See, Gerhard Stübner, der gerade mit Vorbereitungen zum Hafenfest am Sonnabend beschäftigt war, meinte, die Rauchwolke sei am Ort vorbeigezogen. Aus dem See kam ein Teil des Löschwassers, mit dem die Rettungskräfte den Brand löschten.

Anders erging es einer Frau aus Hammerstadt. Bei ihr sammelte sich Flugasche nicht nur rund ums Haus, den Fensterbänken und dem Hausdach, sondern auch auf dem Esstisch. Wie sie feststellen musste, hatte sie vergessen, das Küchenfenster zu schließen.

In Rietschen, ebenfalls östlich des Tagebaus Reichwalde gelegen, war der abziehende Rauch sehr intensiv wahrnehmbar. Außerdem lag ein starker Geruch nach verbranntem Gummi – vermutlich von den Förderbändern der Bandanlage – in der Luft, berichtet Rietschens Bürgermeister Ralf Brehmer.

Er schilderte auch, dass der Großbrand Katastrophentouristen anzog, die mit Autos Richtung Hammerstadt fuhren, um den Brand aus der Nähe zu erleben. Um zu verhindern, dass Unbeteiligte auf das Tagebaugelände gelangen, ließ das Bergbauunternehmen Leag kritische Stellen durch zusätzliches Sicherheitspersonal überwachen. Auch Polizeibeamte waren in diesem Zusammenhang im Einsatz, wie Leag-Sprecherin Kathi Gerstner bestätigt.

Der Geruch nach verbranntem Gummi war selbst noch im 27 Kilometer (Luftlinie) entfernten Rothenburg deutlich wahrnehmbar. Tino Kittner hatte gegen 17 Uhr eine Beratung am örtlichen Flugplatz zur Vorbereitung des Neiße Adventure Race in der nächsten Woche. „Schon im Gebäude war dieser intensive Geruch wahrnehmbar. Draußen fiel es teilweise schwer, zu atmen“, sagt er. Auch einige beteiligten Feuerwehren hatten noch am Tag nach dem Einsatz mit der Asche und dem Kohlestaub in den Einsatzfahrzeugen und der -kleidung zu kämpfen.

Feuerwehren kommen bis aus Zittau

Die weitesten Anreisewege hatten unter anderem die Kameraden aus Zittau, Großschönau, Neugersdorf, Hagenwerder und Spremberg. „Für unser Tatra-Tanklöschfahrzeug war es die erste richtig große Feuertaufe“, sagt Großschönaus Gemeindewehrleiter Fabian Hälschke. Bisher war das Fahrzeug nur zu kleineren Einsätzen ausgerückt. Das Fahrzeug hat ein Fassungsvermögen von 4000 Litern. Das gerade mal ein Jahr alte Feuerwehrauto ist eine Spezialanfertigung und Deutschlands erste Tatra-Feuerwehr. „Das Fahrzeug hat sich auf den Kohlehalden im Tagebau bewährt. Wir sind froh, dass wir es haben“, sagt Hälschke. Bis gegen 1 Uhr sind die Großschönauer in Reichwalde im Einsatz gewesen. Danach lag noch eine etwa zweistündige Heimfahrt vor ihnen und eine Stunde, um die Technik wieder einsatzbereit zu machen.

Am Mittwoch, 14.37 Uhr hat die Feuerwehr in Weißwasser eine Alarmierung zum Brand im Tagebau erhalten. Sofort sind 13 Kameraden mit zwei Löschfahrzeugen ausgerückt. „Wir haben um 15.40 Uhr eine Nachalarmierung veranlasst“, sagt Stadtwehrleiter Marcel Nestler. Insgesamt war die Feuerwehr Weißwasser mit drei Fahrzeugen und 24 Kameraden in zwei Schichten beim Löschen des brennenden Kohleflözes beteiligt. „Für unsere Leute war es ein Ereignis, was sie so noch nicht erlebt haben“, schildert der Stadtwehrleiter, der erst seit zwei Monaten im Amt ist. Erst um 1 Uhr in der Nacht war der Einsatz für die Weißwasseraner Feuerwehrleute beendet. Wie auch andere Wehren haben sie die Leag-Feuerwehr unterstützt und klare Aufgaben in ihrem zugeteilten Bereich erhalten: Die Sicherung der Bandanlage, das Freihalten des Fahrtweges für weitere Lastwagen und Rettungskräfte sowie die eigentliche Brandbekämpfung. „Das Löschen war nicht einfach“, sagt Nestler. Immerhin musste der brennende Kohlestaub mit viel Schaum gelöscht werden, weil Wasser sich nicht gut mit dem Staub verbindet und so schnell über die Glut hinweg fließt und verdampft. Die Feuerwehrleute berichteten zudem davon, dass sie aufgrund des Windes und des Rauches in ihrer Sicht stark eingeschränkt waren. Mit Atemschutztechnik sind sie an die Glutnester vorgerückt und haben die Flammen bekämpft.

Die Freiwillge Feuerwehr von Schleife rückte ebenfalls zu dem Feuer aus. Wie Roberto Domel erklärt, waren sechs Kameraden und ein Löschfahrzeug im Einsatz. Zudem waren die Wehren von Trebendorf und Weißkeißel im Einsatz. Die Freiwillige Feuerwehr in Bad Muskau war in Alarmbereitschaft versetzt, teilt Stephan Ennax von der Stadtverwaltung mit.

Rainer Göthert von der Feuerwehr Hagenwerder/Tauchritz ist am Mittwoch ebenfalls in Reichwalde vor Ort gewesen, zusammen mit zwei Kameraden. „Wir gehören zu denen, die ein Tanklöschfahrzeug haben, das bergbautauglich ist“, erzählt er. 5000 Liter Wasser und 500 Liter Schaum fasst es und sei voll geländefähig. 1991 hat es die Feuerwehr vom Bergbausanierer LMBV geschenkt bekommen. Eine Stunde und 15 Minuten brauchte Göthert mit seinen Kollegen gestern bis nach Reichwalde. Was er dort sah, bezeichnet er als den größten Einsatz, den er bisher erlebt hat. Bis 3 Uhr nachts halfen die Männer aus Tauchritz. Ihr Fahrzeug ging dabei kaputt, die Pumpe erwischte es. „Das kann man wieder reparieren“, ist Göthert aber zuversichtlich. (SZ/tc/hg/ckx/sdt/dan)

Aktualisiert: 16.34 Uhr

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