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Montag, 17.09.2018

Erinnerung an die Zerstörung

Von Uwe Schulz

Dieses Diorama befindet sich im Besitz des Stadtmuseums Hoyerswerda – ein fiktiver Moment nach der Zerstörung der Stadt. Foto: Gernot Menzel
Dieses Diorama befindet sich im Besitz des Stadtmuseums Hoyerswerda – ein fiktiver Moment nach der Zerstörung der Stadt. Foto: Gernot Menzel

© HY-photo Gernot Menzel

Es gibt Themen, die kann man nicht in einen kurzen Beitrag pressen. Nicht den Zweiten Weltkrieg, nicht das kleine Stück Zeitgeschichte, als die Kampfhandlungen im April 1945 Hoyerswerda erreichten und auch hier das bis dahin bekannte Stadtbild binnen weniger Tage verändert wurde. Tode, Zerstörung, Leid. Wir haben uns im Tageblatt dem Thema regelmäßig gewidmet, haben uns ihm von verschiedenen Seiten genähert. Und auch im Stadtmuseum Hoyerswerda wird diese Zeit dargestellt. Nicht in der ständigen Ausstellung zu sehen, aber im Fundus eingelagert ist ein Diorama, das den Hoyerswerdaer Marktplatz zeigt, die Südseite mit dem Hotel „Zum Goldenen Löwen“ zerstört, auch die Ecke Kirchstraße/Senftenberger Straße steht nicht mehr. Rotarmisten auf dem Platz an der Gulaschkanone. An einem sowjetischen Panzer wird an einer Kette gebaut. Geschaffen hat das Diorama wie so einige andere im Stadtmuseum der ehemalige Museumsleiter Karl-Heinz Hempel, lange Jahre Vorsitzender des Vereins „Freunde der kulturhistorischen Zinnfiguren der Lausitz“. Solche Dioramen sind wie ein Foto, ein Bild Momentaufnahmen einer ganzen bestimmten Szene der Geschichte, allerdings dreidimensional und daher mit einer ganz besonderen Wirkung auf den Betrachter. Hempel beschäftigt sich seit den 1950er-Jahren mit den Zinnfiguren.

Es gibt nicht allzu viele Fotos von Hoyerswerda aus den Kriegstagen. Was die Zeit überdauert hat, hat zumindest als Kopie seinen Weg ins Stadtmuseum gefunden. Ebenso die Erlebnisberichte von Zeitzeugen. Sie erzählen, wie im April die arbeitsfähigen Bürger zum Bau von Panzersperren und Panzergräben herangezogen wurden. Es ist dokumentiert, wiewohl die meisten Menschen vor der herannahenden Front geflüchtet sind. Es sind natürlich sehr individuelle Berichte. Und es sind Erlebnisse, die die Betroffenen nie wieder losgelassen haben. Egal, wie viele Jahre vergingen. Manfred Martschink beispielsweise war damals zehn Jahre alt, stammte aus Berlin, kannte schon Fliegerangriffe und Bombardierungen. Zusammen mit seiner Mutter kam er bei den Großeltern in Hoyerswerda unter. Er schildert, wie es nach Rohna und wieder zurückging, berichtet von Plünderungen, Vergewaltigung und Bombentoten. Hoyerswerda war zunächst bombardiert und dann auch noch unter Artilleriebeschuss genommen worden.

Andreas Noack hat für seine Stoffsammlung zu Hoyerswerda im April 1945 eine Zusammenstellung der Opfer des Bombenangriffs vom 18. April 1945 vorgenommen. Demnach kamen an jenem Tag 45 Menschen ums Leben, darunter auch einige Kinder. In den folgenden Tagen und Wochen starben weitere Menschen unter anderem durch Kampfhandlungen und auch Selbsttötung. Andere Zeitzeugen wissen von ihren Einsätzen beim Volkssturm zu berichten.

Das Diorama indes zeigt nicht dem Moment des Todes. Es ist ein fiktiver Moment eines Tages irgendwann nach den direkten Kampfhandlungen – nicht mehr und nicht weniger.