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Donnerstag, 14.06.2018

Erinnern an schwere und an schöne Zeiten

Von Katrin Demczenko

Andreas Schulze mit einem Einscharpflug, der zu den Ausstellungsstücken am Sonntag zählen wird.Foto: Katrin Demczenko
Andreas Schulze mit einem Einscharpflug, der zu den Ausstellungsstücken am Sonntag zählen wird.Foto: Katrin Demczenko

Anno 1568 wurde Kühnicht als Vorwerk der Standesherrschaft Hoyerswerda erstmals erwähnt, und dieses Jubiläum begehen die Bewohner vom 15. bis 17. Juni mit ihrem Dorffest. Dieses wird vom Ortsverein organisiert und an allen Tagen entführt das Budissiner Marktgesinde am Festplatz mit Vorführungen des Spinnens und Flechtens, Feuerschluckern und einer Greifvogelschau ins Spätmittelalter.

An die mehrheitlich sorbische Besiedlung des Dorfes bis zum Aufbau von Hoyerswerda-Neustadt im Jahr 1955 werden Beatrice Bramborg-Schulz und ihr Ehemann erinnern. Sie öffnen am Sonntag, dem 17. Juni, ab 11 Uhr erstmals ihren denkmalgeschützten Vierseitenhof am Lindenweg Nr. 4 für Besucher. Die Besitzerin und Kornelia Fischer, deren Vater Hermann Schoradt in dem ca. hundert Jahre alten Gehöft aufgewachsen ist, tragen an diesem Nachmittag eine sorbische Arbeits- und eine Alltagstracht. „Meine Oma war Trachtträgerin im Dorf, und selbst bei der Arbeit in der Futterküche, in der Scheune, im Schweinestall und beim Hühnerfüttern war ihr die Tracht selbstverständliche Kleidung“, erzählte Kornelia Fischer von den 1970er-Jahren. Damals besuchte sie ihre Großmutter und den Onkel in den Ferien.

Arbeitsstunden für 17 000 Klinker

Kornelia Fischers Vater Hermann Schoradt erinnerte sich an die elf Hektar große Landwirtschaft samt einem Pferd und einem Ochsen, die in den 1950er-Jahren seine Mutter, sein Bruder Max Schoradt mit Ehefrau Helene und er als Jugendlicher bewirtschaftet haben. „Der Vater war im Krieg geblieben“, erzählte der heutige Rentner. Die Zugtiere wurden auch von der Schwägerin vor den schweren metallenen Einscharpflug gespannt, um die Felder umzubrechen. Dort wuchsen dann Roggen, Kartoffeln und Luzerne als Viehfutter. Das war vor der Zeit, als in Kühnicht die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft gegründet wurde, ordnet Herrmann Schoradt seine Erinnerungen ein. Als Bruder Max Schoradt auf dem Grundstück 1953 den Anbau begann, stellte er schnell fest, dass die vorhandenen Klinker nicht ausreichten. Kurzerhand trommelte er die Familie zusammen, die in der Ziegelei Bröthen Arbeitsstunden leisten musste. „Weil nach dem Krieg überall Arbeitskräfte fehlten, gab es diese Regelung“, erklärte Herrmann Schoradt. Im Gegenzug war dann der Kauf der fehlenden 17 000 Klinker möglich.

Den Einscharpflug hat der jetzige Hofbesitzer Andreas Schulz vom Boden geholt, ebenso wie andere Kühnichter Bewohner landwirtschaftliche Geräte ihrer Vorfahren. Am Sonntag werden alle Objekte im Vierseitenhof Lindenweg Nr. 4 als Ausstellung gezeigt. Die Hobby-Stellmacher der Trachtengruppe Seidewinkel, die Holzrechen bauen, und die Butterfrau aus Weißwasser, die das Streichfett in Handarbeit herstellt, zählen zu den Mitwirkenden.