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Sonntag, 22.04.2018

Entsetzen und Gedenken in Niederkaina

Eine Gedenktafel erinnert in Niederkaina an Opfer, die kurz vor Ende des 2. Weltkrieges in einer Scheune verbrannt waren. Jetzt wurde die Tafel zerstört.

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Bürgermeister Dr. Robert Böhmer und die Ortschaftsräte Norbert Haupt und Gunter Mittag gedenken der Opfer von Niederkaina.
Bürgermeister Dr. Robert Böhmer und die Ortschaftsräte Norbert Haupt und Gunter Mittag gedenken der Opfer von Niederkaina.

© Stadtverwaltung Bautzen

  • Bürgermeister Dr. Robert Böhmer und die Ortschaftsräte Norbert Haupt und Gunter Mittag gedenken der Opfer von Niederkaina.
    Bürgermeister Dr. Robert Böhmer und die Ortschaftsräte Norbert Haupt und Gunter Mittag gedenken der Opfer von Niederkaina.
  • Die Überreste der Gedenktafel.
    Die Überreste der Gedenktafel.

Bautzen. Das Entsetzen war groß, als sich Bürgermeister Robert Böhmer und die Niederkainaer Ortschaftsräte am Sonnabendmorgen zum Gedenken an Opfer des 2. Weltkrieges trafen. Am 22. April 1945 hatten Angehörige der 1. Ukrainischen Front in Niederkaina 195 Menschen in eine Scheune getrieben und das Gebäude anschließend in Brand gesetzt. Eine Gedenktafel erinnert an diese Gräueltat, und die Stadt gedenkt jedes Jahr der Opfer.

Doch in der Nacht zum Sonnabend hatten unbekannte die Granittafel komplett zerstört, teilt die Pressestelle der Bautzener Stadtverwaltung mit. „Als pietätlos bezeichnete ein sichtlich bewegter Bürgermeister Robert Böhmer diesen Akt“, heßt es in der Mitteilung. „Hier wird Niederkainaer Bürgern gedacht, die in den Kriegswirren gewaltsam um ihr Leben gebracht wurden. Dieser zerstörerische Akt hier ist ein Schlag in das Gesicht derer Nachkommen, die heute noch in dem Bautzener Ortsteil leben“, sagte Böhmer.

Ortschaftsrat Norbert Haupt und die anderen Ortschaftsräte waren ebenso entrüstet. Sie setzten die Trümmerstücke der Steintafel auf dem Boden zusammen und legten anschließend ein Gebinde nieder. In einer Schweigeminute gedachten sie der Toten von Niederkaina und der vielen anderen zivilen Opfer des 2. Weltkrieges.

Auf dem Internetportal Indymedia hat sich mittlerweile eine linke Gruppe zu der Tat bekannt. Sie begründet diese unter unter anderem mit den Aktionen rechter Gruppen, die in der Vergangenheit mehrfach sogenannte Gedenkmärsche in Niederkaina veranstaltet hatten. (szo)