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Dienstag, 06.03.2018

Entscheidung mit Perspektive

Markus Schubert löst Marvin Schwäbe als Nummer 1 bei Dynamo ab. Doch das muss nichts heißen, sagt der Trainer.

Von Cornelius de Haas

Dresdner Torwartwechsel

Markus Schubert zeigt die Richtung an – nach vorn. Dahin geht es auch für den 19 Jahre alten Keeper. Vor der Saison zur Nummer 2 hinter Marvin Schwäbe ausgerufen, hat er dessen Verletzungspause genutzt und trägt die 1 nicht mehr nur auf dem Trikot.
Markus Schubert zeigt die Richtung an – nach vorn. Dahin geht es auch für den 19 Jahre alten Keeper. Vor der Saison zur Nummer 2 hinter Marvin Schwäbe ausgerufen, hat er dessen Verletzungspause genutzt und trägt die 1 nicht mehr nur auf dem Trikot.

© Robert Michael

Die Partie gegen Darmstadt ist für Dynamos Torwart Markus Schubert eine besondere. Zwar absolviert der 19-Jährige bei der 0:2-Niederlage schon sein siebentes Zweitligaspiel, doch zum ersten Mal ist er im eigenen Stadion die klare Nummer eins. Erst vor dem Auswärtssieg in Bielefeld eine Woche zuvor hatte sich Uwe Neuhaus für das Talent aus dem eigenen Nachwuchs entschieden – und damit gegen Marvin Schwäbe. Der war bis zu seiner Verletzung im Wintertrainingslager in Marbella als Stammkeeper gesetzt.

Im Sommer 2016 kam Schwäbe nach Dresden – als bester Schlussmann der dritten Liga. Um Spielpraxis zu sammeln, hatte sich Schwäbe von der TSG Hoffenheim zum VfL Osnabrück ausleihen lassen. Für den nächsten Entwicklungsschritt folgte die Leihe nach Dresden. Und bis zur Winterpause lief für den 22-Jährigen alles nach Plan. Doch dann stoppte ihn in Marbella ein Meniskusriss.

Durch den Ausfall des Stammtorhüters trat eine Situation ein, „in der wir über die nächsten zwei, drei Spiele hinaus denken konnten – was wir perspektivisch für diese Position in der nächsten Saison ohnehin gemusst hätten“, erklärt Trainer Uwe Neuhaus. Die Nummer zwei musste zeigen, ob es für sie zur Nummer eins reicht.

Dresdner Torwartwechsel

Offiziell galt Schubert schon lange als Mann für die Zukunft. Die ist nun schneller da als erwartet. Vor der Saison zur Nummer zwei aufgestiegen, hat er 2018 alle sieben Pflichtspiele absolviert und dabei zweimal die Null gehalten. „Er hat die Chance genutzt und gute Leistungen gezeigt“, attestiert ihm Neuhaus. Und so durfte Schubert auch beim 3:2 in Bielefeld ins Tor – obwohl Schwäbe wieder fit war. Der sitzt nun auf der Bank. Die neue Konstellation ist für ihn bitter. „Ich habe mit ihm gesprochen. Er konnte die Entscheidung zwar verstehen, aber weniger akzeptieren – weil es auch um seine Zukunft geht“, erzählt Neuhaus. Wie es für Schwäbe ab Sommer weitergeht, ist unklar. Sein Vertrag in Hoffenheim endet 2019, die TSG möchte ihn nicht noch einmal ausleihen. Also muss sich der 22-Jährige entweder unter Julian Nagelsmann durchsetzen oder er wechselt zu einem anderen Verein. Für den müsste er sich anbieten. Nur: Von der Bank aus geht das schlecht. Über seine Situation sprechen möchte Schwäbe nicht, eine Anfrage der SZ lehnt er ab.

Für die nächste Saison ist die Reihenfolge im Tor trotzdem nicht sicher. Denn ein paar Fragen gibt es noch, und die stellt sich auch Neuhaus: „Wie sieht die Reihenfolge dann aus? Wen müssen wir noch dazu holen? Brauchen wir eine Nummer eins? Das sind Sachen, die nach wie vor offen sind“, betont der Trainer, der nicht glaubt, dass Schubert schon den „totalen Beweis“ seiner Zweitligatauglichkeit erbracht hat. „Was passiert bei Rückschlägen, wenn er mal einen kassiert, den er durchaus halten muss“, fragt der 58-Jährige. „Ist er dann stabil genug? Das sind alles Fragen, die in den nächsten Wochen vielleicht endgültig beantwortet werden.“ Anders formuliert: Überzeugt Schubert in den restlichen Spielen, ist er auch in der nächsten Saison die Nummer eins bei Dynamo.

Noch ein Punkt spricht für ihn: seine schwarz-gelbe Herkunft. „Er ist in den Jugendmannschaften des Vereins großgeworden, hat die Teams immer zum Erfolg geführt“, sagt Neuhaus über das Talent, das seit der U17 auch beim DFB alle Auswahlmannschaften durchlaufen hat. Als Eigengewächs hat Schubert bei den Fans auch deutlich mehr Kredit als seine Vorgänger Janis Blaswich oder eben Schwäbe. Ein Fehlgriff – wie beim 0:1 in Fürth – wird ihm eher verziehen als der Konkurrenz.

Doch aufgeben gilt für Schwäbe nicht. Denn wie schnell sich so die Situation zwischen den Pfosten wieder ändern kann, haben bei Dynamo schon einige Torhüter erfahren. So tauschten René Müller und Stanislaw Tschertschessow in der Saison 1993/94 sowie Axel Keller und Benjamin Kirsten in der Spielzeit 2010/11 wiederholt die Reihenfolge.


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