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Freitag, 15.06.2018

Endspurt an der Zeppelinbrücke

Das Bauwerk ist fast fertig, die Straße aber noch fast ein Jahr gesperrt. Trotzdem ist das eine gute Nachricht.

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Große Spannweite statt kleiner Gewölbebrücke: An der Zeppelinstraße in Bautzen ist das Nadelöhr verschwunden. Künftig passen Lkw viel besser unter der Eisenbahnbrücke durch. Die Fachleute von Bautzens Brückenspezialist Hentschke Bau – im Bild Polier Holger Oley – haben ganze Arbeit geleistet. Nun sind noch die Straßenbauer dran.
Große Spannweite statt kleiner Gewölbebrücke: An der Zeppelinstraße in Bautzen ist das Nadelöhr verschwunden. Künftig passen Lkw viel besser unter der Eisenbahnbrücke durch. Die Fachleute von Bautzens Brückenspezialist Hentschke Bau – im Bild Polier Holger Oley – haben ganze Arbeit geleistet. Nun sind noch die Straßenbauer dran.

© Steffen Unger

Bautzen. Das Nadelöhr an der Zeppelinstraße in Bautzen ist verschwunden! Ein gigantisches Bauwerk überspannt die Straße. Kein Vergleich mit der alten Eisenbahnbrücke, durch die sich einst der Verkehr quälte – und regelmäßig ins Stocken geriet, weil die meisten Lkws auf normaler Fahrspur nicht durchpassten. Nur wenn sie mittig und langsam fuhren, kamen sie durch.

Diese Zirkelei ist nun Geschichte. Künftig kommen Pkw und Lkw gleichermaßen bequem unter der Brücke durch, denn das neue Bauwerk hat eine Durchfahrtshöhe von 4,50 Meter – auf der gesamten Breite von immerhin 18,25 Metern. Auf denen liegen künftig drei Fahrspuren sowie Geh- und Radweg auf beiden Seiten.

Zu sehen ist davon noch nichts. Polier Holger Oley von Hentschke Bau steht noch auf unförmigem Untergrund. Hier unten müssen jetzt als Nächstes die Kollegen von Bistra Bau ran. „Wir übergeben jetzt das Baufeld an den Straßenbau“, sagt Oliver Franke, Projektleiter bei Hentschke Bau. Das Bautzener Unternehmen ist Spezialist im Brückenbau, landesweit ist auf Baustellen das Hentschke-Firmenschild zu finden. Dennoch: Die Eisenbahnbrücke über die Zeppelinstraße – nur etwa 150 Meter vom Firmensitz entfernt – ist auch „für uns eine sehr anspruchsvolle Baumaßnahme“, so Franke. Und das aus mehrerlei Gründen.

Bau bei laufendem Betrieb

So musste quasi bei laufendem Betrieb gebaut werden, da die Bahn immer nur kurzzeitige Streckensperrungen erlaubt. Um den millionenschweren Auftrag tatsächlich zu bekommen – drei Bieter hatten sich auf die EU-weite Ausschreibung hin beworben –, warf Hentschke Bau sein ganzes Know-how in die Waagschale. Zunächst hatten die von der Bahn beauftragten Planer eine auf langen Bohrpfählen gegründete, gelagerte Brücke vorgesehen. Sie sollte an Ort und Stelle entstehen und zuletzt der Überbau eingeschoben werden. Um den Zugverkehr weitestgehend aufrechterhalten zu können, waren für die Bauzeit fünf Behelfsbrücken vorgesehen.

„Wir haben dann eine Rahmenbrücke vorgeschlagen, für die keine Lager notwendig sind“, erläutert Oliver Franke. Die neue Technologie sollte Zeit und Kosten sparen. Zudem war nur noch eine Behelfsbrücke nötig. Die Bahn zu überzeugen, sei trotzdem nicht ganz einfach gewesen, vor allem mit Blick auf zu ändernde Zeiten für die Streckensperrungen. Die würden normalerweise drei Jahre im Voraus festgelegt. „Aber uns ist es doch gelungen“, sagt Franke nicht ohne Stolz.

Seit Anfang vorigen Jahres wurden die Rahmen – der größte 2 000 Tonnen schwer – abschnittsweise hergestellt und dann mit einer hydraulischen Vorrichtung jeweils an ihren endgültigen Platz geschoben. Dafür waren immer nur wenige Tage Zeit, an denen die Strecke gesperrt wurde. „Das ist dann Stress pur, es muss alles klappen, man darf nichts vergessen“, beschreibt Franke die Herausforderung. Die größte gab es im Februar bei minus 15 Grad. „Da erfolgte der schwierigste Verschub.“ Dabei musste das Brückenteil nicht einfach nur waagerecht an die richtige Stelle gerückt, sondern erst einmal anderthalb Meter hoch über einen Mischwasserkanal gehoben und dann wieder abgesenkt werden.

Mächtiger Brückenkörper

Mittlerweile steht Franke zufrieden unter dem mächtigen Betonkörper. „Die Brücke ist zu 90 Prozent fertig.“ Alle Gleise, die drüber führen, liegen bereits an ihrem Platz. Dafür geht es in den nächsten Monaten unter der Brücke richtig zur Sache. Damit die so wichtigen 4,50 Meter für die Durchfahrtshöhe auch wirklich erreicht werden, muss die Fahrbahn um die 70 Zentimeter tiefer gelegt werden. Das hat auch Auswirkungen auf die zahlreichen Leitungen, die in der Straße liegen. So muss als Nächstes der große Mischwasserkanal umgebunden werden.

Im Frühjahr 2019 soll dann der Verkehr auf dieser wichtigen Strecke wieder rollen. Auch wenn sich für Autofahrer die seit Anfang 2017 andauernde Straßensperrung wie eine Ewigkeit anfühlt, sind das sieben Monate früher als ursprünglich geplant.

Das freut auch Marko Schiemann (CDU). Bereits vor zwölf Jahren hatte der Bautzener Landtagsabgeordnete den ersten Anlauf für die Erneuerung der Brücke unternommen. „Ich hab’ noch nie so viele Vor-Ort-Termine für eine Maßnahme machen müssen“, blickt er auf einen jahrelangen Kampf gegen immer wieder neue Widrigkeiten zurück. Der Erfolg ist nun sichtbar. Ruhe gibt Schiemann trotzdem nicht. „Als Nächstes muss der Ausbau zwischen Dr.-Peter-Jordan- und Löbauer Straße kommen“, fordert er.

Eine ganze Weile werden Autofahrer nach Freigabe der Brückenbaustelle aber erst einmal ohne Umleitung über die B 156 in Bautzen rollen können. Der Freistaat will 2019 mit der Planung für den Ausbau beginnen, teilt Isabel Siebert vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr mit. Gebaut wird voraussichtlich 2021/22.