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Donnerstag, 14.06.2018

Endloses Tüfteln am Online-Kita-System

An dem Service des Freitaler Online-Kita-Systems wird schon fast seit zwei Jahren gearbeitet. Doch für Eltern ist das gut, sagt einer, der es wissen muss.

Von Tobias Winzer

Zuerst wurde das Kitaplatz-Vergabesystem „Little Bird“ im Jahr 2010 in Heidenau eingeführt. Mittlerweile nutzen es 120 Kommunen in Deutschland. In Freital sollte es eigentlich schon Anfang 2017 eingeführt werden, doch noch immer gibt es keinen Starttermin.
Zuerst wurde das Kitaplatz-Vergabesystem „Little Bird“ im Jahr 2010 in Heidenau eingeführt. Mittlerweile nutzen es 120 Kommunen in Deutschland. In Freital sollte es eigentlich schon Anfang 2017 eingeführt werden, doch noch immer gibt es keinen Starttermin.

© Karl-Ludwig Oberthür

Freital. Wann können Eltern endlich bequem von zu Hause aus den Kitaplatz für ihr Kind beantragen? Auf diese Frage gibt es auch fast zwei Jahre nach dem Entscheid für die Einführung eines Kita-Online-Systems in Freital keine Antwort. Im Oktober 2016 hatte sich die Stadt für den Anbieter Little Bird entschieden. Damals war von einem Start im Mai 2017 die Rede. Nun wird nach wie vor an der Software getüftelt. „Erst wenn alle Funktionen, die zum Betrieb der Software nötig sind, zur Verfügung stehen, kann das System an den Start gehen“, sagt Rathaussprecher Matthias Weigel auf eine Anfrage der Sächsischen Zeitung. Ein Datum für den Start des Systems wird nicht genannt.

Wäre es endlich fertig, würde sich für die Freitaler Eltern vieles verbessern. Das System Little Bird wurde in Heidenau entwickelt und ist derzeit in 120 Kommunen in Deutschland im Einsatz. Über ein Portal können sich Eltern über die vorhandenen Kitas, Konzepte und freien Plätze informieren und ihr Kind anmelden. Die jeweiligen Betreuungsverträge können zudem online verwaltet werden. Außerdem kann die Stadtverwaltung mit dem neuen System auch eine Statistik zu den genauen Belegungszahlen führen und die Gebühren abrechnen. Nach Einführung des neuen Systems entscheidet nicht mehr die Freitaler Stadtverwaltung zentral über die Vergabe, sondern jede Kita einzeln anhand der Bewerbungen.

Die Verzögerungen hängen mit der Programmierung der Verbindung zwischen dem Online-Kita-System und der Software der Stadtverwaltung zusammen – genauer mit der Schnittstelle zwischen Little Bird und der Haushaltssoftware der Stadt. Diese funktioniere noch nicht wie vorgesehen, so Weigel. „Sie wird derzeit überarbeitet, um zu gewährleisten, dass die Beiträge transparent für die Eltern abgebucht beziehungsweise bezahlt werden können. Davon abgesehen sei die Software aber funktionsfähig. „Für Eltern und Kindertagesstätten sind alle Funktionen verfügbar.“

Die Programmierung der Schnittstelle zwischen Vergabesystem und Stadt-Software scheint jedoch eine langwierige Tüftelei zu sein. Wie die Stadt mitteilt, wird immer wieder getestet, die Ergebnisse an Little Bird weitergeben, die Programmierung angepasst, neu getestet und so weiter. „Die Funktion der Schnittstelle muss verlässlich ohne Fehler zur Verfügung stehen“, so Weigel. Dazu sollen wenigstens zwei aufeinanderfolgende Datenpakete ohne Fehler vom einen ins andere System geschickt werden. „Sobald dies erfolgt ist, kann ein potenzieller Starttermin für die Nutzung der Software avisiert werden“, so Weigel.

„Little Bird“ will sich nicht selbst zu den Verzögerungen äußern, sondern verweist auf die Auskünfte der Stadt. In anderen Städten habe es bis zu drei Jahre gedauert, bis das System startklar gewesen sei.

„Ärgerlich, aber verkraftbar“

Trotz dieser endlos wirkenden Warterei auf das neue System sollen letztlich die Eltern davon profitieren – sagt zumindest einer, der es wissen muss. „Die Verzögerungen sind ärgerlich, aber vor dem Hintergrund verkraftbar. Alles andere würde nicht das Ziel des Beschlusses, Transparenz, Trägervielfalt, Entscheidungsfreiheit der Eltern zu schaffen, unterstützen“, so Chris Meyer. Er ist nicht nur Fraktionschef der Bürger für Freital im Stadtrat, sondern auch Vorstand des Vereins Lebensbaum, der in Freital zwei Kitas betreibt. In dieser Funktion sitzt er auch in der Projektgruppe, die die Stadt für die Einführung des Online-Systems gegründet hat.

In dieser Gruppe habe man auch diskutiert, ob es eine Alternative zu der Tüftelei an der Schnittstelle gebe. „Die Projektgruppe hat sich letztendlich für die kundenfreundliche Software ausgesprochen. Aus meiner Sicht ist das richtig“, so Meyer. Dass die Kitabeiträge auch online abgerechnet werden, sei ein wichtiger Baustein des neuen Systems. „Komplizierte verwaltungstechnische Prozesse müssen unbedingt vereinfacht werden. Daran haben wir mit Hochdruck gearbeitet.“ Bis zur Einführung der neuen Technik können sich die Eltern wie gewohnt in den Kitas und in der Verwaltung anmelden. „Es ist zurzeit kein Mehraufwand für die Eltern.“

Für Meyer überwiegen die Vorteile des neuen Systems den Ärger über das lange Warten bis zur Einführung. Zuvor seien die Kita-Plätze zentral durch die Stadtverwaltung vergeben worden. Das entspreche nicht den gesetzlichen Vorgaben. Durch Online-Systeme könne man Verwaltungszeit einsparen und durch die Transparenz auch die Verwaltungsmitarbeiter entlasten. „Little Bird“ sei ein einfaches, für jedermann zu bedienendes System.