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Donnerstag, 14.06.2018

Endlich wieder solo gut

Medaillen gewann die Dresdner Wasserspringerin Tina Punzel zuletzt nur im Duett. Nun könnte es für die Wasserspringerin auch im Einzel wieder klappen.

Von Daniel Klein

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Allein auf dem Brett: Tina Punzel hatte da oft mit den Nerven zu kämpfen. Doch beim Weltcup in China war sie beste Europäerin.
Allein auf dem Brett: Tina Punzel hatte da oft mit den Nerven zu kämpfen. Doch beim Weltcup in China war sie beste Europäerin.

© Robert Michael

Es ist kein Fachbegriff, aber ein Wort, das für alle verständlich ein Phänomen auf den Punkt bringt: Ein Trainingsweltmeister ist beim Üben spitze, und wenn es darauf ankommt, versagen ihm regelmäßig die Nerven. Tina Punzel kennt das. Seit 2013 versuchte die Wasserspringerin aus Dresden vergeblich, in ihrer Paradedisziplin, dem Einzel vom Dreimeter-Brett, bei Olympia, WM oder Weltcup ins Finale zu kommen. Geklappt hat es nie, spätestens im Halbfinale war Schluss.

„Ich war aufgeregt, wollte es erzwingen, weil ich ja wusste, dass ich es kann“, erzählt die 22-Jährige. Nun hat sie bewiesen, dass sie zu diesem Kreis gehört – vor allem sich selbst. „Der Knoten ist endlich geplatzt“, sagt sie erleichtert. Beim Weltcup im chinesischen Wuhan belegte sie den siebenten Platz. Das klingt nicht spektakulär, für Punzel aber ist es etwas Besonderes. Damit darf sie im nächsten Jahr bei der lukrativen World Series, Einladungswettbewerbe für die Besten der Besten, starten. Im Finale von Wuhan war sie außerdem die einzige Europäerin – und folglich auch die beste. In einem Jahr, in dem die EM Anfang August in Edinburgh der Höhepunkt ist, kann das ein Fingerzeig sein. „Natürlich ist das schön zu wissen, aber ich ordne das ein. Ich glaube nicht, dass da alle schon ihr Potenzial ausgeschöpft haben“, sagt sie.

Der Wettkampf in Wuhan könnte für Punzel zum Schlüsselerlebnis werden, wobei es in ihrer Karriere eigentlich schon eins gab. Bei der EM 2013 in Rostock holte sie völlig überraschend Gold – und das mit 17. Sie schlug die Italienerin Tania Cagnotto, eine Institution im Brettspringen. Für Punzel war es der erste internationale Titel überhaupt, selbst als Juniorin stand sie nie ganz oben auf dem Podest. Danach spürte sie, dass man anders auf sie schaut und mehr erwartet als bisher. Das kann hemmen – vor allem in diesem Alter.

Medaillen bei Europameisterschaften gewann sie zwar weiterhin, zuletzt aber meist in den Synchron- und Mixed-Wettbewerben, bei denen man als Duo antritt. „Da hängt nicht alles von mir ab, deshalb ist das schon etwas anderes“, erklärt die Sportsoldatin. Zudem ist die Zahl der Konkurrenten bei den Paar-Entscheidungen überschaubarer. Mit ihrem Berliner Partner Lou Massenberg kam sie in Wuhan auf Platz vier.

Nun beginnt für sie – wie für die Dresdner Louisa Stawczynski, Timo Barthel und Martin Wolfram – die Vorbereitung auf die EM. Der Grand Prix in Bozen im Juli ist ein letzter Test, vom Lehrgang in Dresden Anfang August fliegen sie direkt nach Schottland. „In welchen Disziplinen ich dort starte, legt der Bundestrainer in den nächsten Wochen fest“, sagt Punzel. Springen könnte sie fast alles, doch das wäre zu viel, selbst mit neuem Selbstbewusstsein: „Ich weiß jetzt, dass ich mich nicht verstecken muss.“

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Pia

    Wir drücken die die Daumen!!! Und verfolgen alles mit großen Interesse. Viel Glück! Das gehört auch dazu!

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