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Montag, 03.09.2018

Ende der Ausschau

Neues Personal bei Dynamo? Interessiert Patrick Ebert nicht. Er glaubt an sich, die Mitspieler und eine gute Saison. Auch der Interimstrainer hält sich zurück.

Von Tino Meyer

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Sein Blick bleibt vorerst ein grimmiger. Patrick Ebert ist mit dem Saisonstart alles andere als zufrieden. Auf Sightseeing verspürt er deshalb wenig Lust.
Sein Blick bleibt vorerst ein grimmiger. Patrick Ebert ist mit dem Saisonstart alles andere als zufrieden. Auf Sightseeing verspürt er deshalb wenig Lust.

© Robert Michael

Er ist und bleibt der Königstransfer des Sommers, daran besteht spätestens seit Freitag kein Zweifel mehr. Während vielerorts noch mal in den Kader investiert worden ist – sogar der offensiv erstklassig besetzte Hamburger SV vermeldete mit dem südkoreanischen Nationalspieler Hee-chan Hwang noch einen Zugang für den Angriff –, registrierte man bei Dynamo Dresden bestenfalls einen Rückkehrer. Und der ist nie wirklich weg gewesen.

Patrick Ebert hat nur seine Zehenprellung vorm HSV-Spiel auskuriert, was wenig überrascht und doch wichtig ist – auch wenn die Partie nicht stattfand. Beim Königstransfer handelt es sich schließlich um ihn. Der 31-Jährige selbst kann damit wenig bis nichts anfangen, er sieht sich als einen von 28 Profis im Aufgebot. Weil aber bis zum Transferschluss doch kein weiterer dazugekommen ist, lasten erst recht alle Hoffnungen auf ihm, dem erfahrensten und namhaftesten Spieler bei Dynamo.

Auch Cristian Fiel würde Einschätzungen dieser Art nicht öffentlich vornehmen. Doch Dynamos Übergangstrainer, dessen Amtszeit jetzt wie verabredet endet, weiß genau, was er an Ebert hat – auch wenn ihn die Zusammenarbeit ein Stück weit erstaunt. „Dass wir mal zusammen hier sitzen“, sagt der 38-jährige Ex-Profi zu seinem Nebenmann bei der Pressekonferenz am Freitag, die auch über das HSV-Spiel hinaus interessante Blicke ins Innenleben einer fehlgestarteten Mannschaft gewährt hat.

Angesichts der sportlichen Lage könnte man sich beide auf dem Platz gerade jetzt fast noch besser vorstellen. Zwei Strategen mit großem Spielverständnis und noch mehr kommunikativem Einfluss – würde Dynamo guttun, zumal Kapitän Marco Hartmann nach dem Muskelfaserriss vor vier Wochen vorerst weiter ausfällt.

Die bestehende Schwierigkeit, eine belastbare Zahl an Spielern mit Verantwortungsbewusstsein für das große Ganze zu finden, wäre dann kleiner. Nur hat Fiel seine aktive Laufbahn vor drei Jahren beendet und Ebert womöglich seine beste Zeit hinter sich. Das Problem auf dem Spielfeld wäre außerdem so oder so nicht gelöst, denn das liegt nicht im Mittelfeld. „Wir müssen in beiden Strafräumen konzentrierter agieren. Dann kriegen wir kein Gegentor und schießen selbst eins oder zwei“, sagt Ebert. Wenn das so einfach wäre …

Was fehlt und das seit der Vorsaison ist vor allem eine akzeptable Chancenverwertung. Ein Grund, da sind sich Fiel und Ebert einig, sei mangelnde Gier, der unbedingte Wille, den Ball über die Linie zu drücken. Trotz 70 Prozent Ballbesitz und 20 Torschüssen, den meisten aller Zweitligisten am dritten Spieltag, hat man zuletzt mit 1:3 gegen Heidenheim verloren.

Dass in den Kader neben Moussa Koné und Lucas Röser ein weiterer Stürmer gepasst hätte, einer vom Typ „klassischer Mittelstürmer“, groß, kantig, torgefährlich, will der Übergangstrainer nicht bestätigen. „Ich bin neun Tage an der Mannschaft dran und würde es mir nie im Leben rausnehmen, zu sagen, diese Mannschaft braucht noch hier oder da einen Spieler“, sagt Fiel.

Wenn es die Möglichkeit gegeben hätte, noch jemanden zu verpflichten, und die Sportchefs Ralf Minge und Kristian Walter wären überzeugt gewesen, meint er, hätten sie es getan. Ob es letztlich an der Möglichkeit mangelte oder der Überzeugung, ließ er offen, das ist ja auch nicht seine Aufgabe. Und in die Suche nach seinem Nachfolger, sagt er sichtlich amüsiert, sei er ebenfalls nicht eingebunden. „Die Leute, die sich bei uns darum kümmern, wissen schon, auf was sie achten müssen.“

Auch Ebert beteiligt sich nicht an Personaldebatten, er redet lieber die Mitspieler stark. Die Leistung gegen Heidenheim sei eine Steigerung gewesen, die Stimmung in der Kabine positiv, die Trefferquote im Training höher als zuletzt. „Wir werden diese Saison eine gute Rolle spielen, auch wenn der Start nicht so vielversprechend war“, sagt der Königstransfer wider Willen, der momentan genug mit sich selbst zu tun hat. Vielleicht kommt die Länderspielpause mit den zwei Tests am Freitag in Usti (11 Uhr) und Wilsdruff (18 Uhr, gegen Bohemians Prag) doch gerade recht. (SZ/-yer)

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. chef24

    Wenn unbedingter Wille da ist kann die Mannschaft etwas leisten, aber warum tut/tat sie es nicht? Eventuell kann man ja noch einen vertragslosen Top-Mittelstürmer verpflichten. Alex Meier (Ex Eintracht Frankfurt) wäre so ein Zielspieler. Der trifft auch mit 35 noch die Kiste und hat genügend Erfahrung und Charisma um die Mannschaft mit Ebert zusammen zu führen.

  2. Mal ne Anmerkung

    @1chef24 Ihnen ist aber schon bekannt ,das der letzte Tag an dem eine Neuverpflichtung getätigt werden konnte, der 31.08.2018 war . Heute ist der 03.09.18 und das nächste Zeitfenster ist in der Winterpause. Und warum sprechen sie der Mannschaft den "unbedingten Willen" ab? Letztes Spiel im Stadion gewesen?Da hat man Willen und Leidenschaft gesehen nur keiner "wusste wo das Tor steht"!

  3. SGD1953

    @Mal ne Anmerkung - es können weiterhin vereinslose Spieler verpflichtet werden! Erst nach dem Ende der Transferperiode im Januar ist komplett Schluss.

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